Ein Bauzaun, eine mit Planen abgedeckte Fläche am Boden, ein paar Leute, die hinter der Absperrung am Leinritt auf Höhe Bruckner-Steg arbeiten: Wer es nicht weiß, ahnt nicht, dass dort gerade ein Mahnmal zur Erinnerung an das unrühmlichste Kapitel in der Stadtgeschichte installiert wird: die Lichtskulptur "Brandmal 2015".

Sie ist den Opfern der Hexenverfolgung im ehemaligen Hochstift Bamberg im 17. Jahrhundert gewidmet und wird am Sonntag um 14 Uhr enthüllt.

Miriam Giessler und Hubert Sandmann aus Essen haben das Kunstwerk entworfen. Jetzt beaufsichtigen sie die Endmontage auf dem Pflaster hinter Schloss Geyerswörth. Der Standort liegt am viel begangenen Fußgängerweg zwischen Tourismus- und Kongress-Zentrum und Alten Kanal. Trotz der ungezählten Passanten können die Künstler und ihre Helfer weitgehend ungestört arbeiten. Kaum jemand bleibt stehen.

Bodennahe Lichtskulptur

Das dürfte sich ab Sonntag Nachmittag ändern. Das 7,4 auf 2,9 Meter große und eine Tonne schwere "Brandmal" aus mehreren Platten Cor-Ten-Stahl sollte nicht zu übersehen sein.

Nur einen ersten Blick unter die Abdeckplanen gestatteten die Künstler der Lokalredaktion bei einem Ortstermin. Mit dabei war Sabine Sauer, die Vorsitzende des Bürgervereins Bamberg-Mitte, von dem die Initiative für das Mahnmal-Projekt ausgegangen ist. "Was ich sehe, gefällt mir sehr gut", sagte Sauer. Es war vorwiegend der Unterbau des Kunstwerks, das morgen fertig für die Abnahme sein soll.

Die Entscheidung der Jury für diese Arbeit habe dem Verein manche Kritik eingebracht, berichtet die Vorsitzende. Es habe Stimmen gegeben, die meinten, so etwas Monströses wie die Hexenverfolgung brauche ein ähnlich monströses Erinnern, etwas, das im positiven Sinn "im Weg" steht. Sie hofft, dass sich die Kritiker vom fertigen Kunstwerk überzeugen lassen.

Tag und Nacht soll das "Brandmal 2015" ab Sonntag leuchten und mahnen, wohin Fanatismus und Ausgrenzung führen können. Die fünf unregelmäßig ausgeschnittenen Öffnungen in der obersten Stahlplatte muten wie Brandflecken an; auch an den Rändern werde die Installation wie Feuer schimmern - Assoziationen mit den Scheiterhaufen, auf denen in Bamberg rund 1000 unschuldige Frauen und Männer und sogar Kinder verbrannt wurden, sind gewünscht.

Giessler fand die Aufgabe reizvoll, etwas zu entwerfen, das den Nährboden für solche Verfolgungen wie damals thematisiert, sagte die Künstlerin vor Ort. Das gemeinsam mit Hubert Sandmann entwickelte Bild sei bewusst abstrakt gehalten. Sie verbinden damit eine Botschaft, die immer aktuell ist und durch den Flüchtlingsstrom nach Europa und Deutschland neue Brisanz bekommen hat: Ausgrenzung und Fanatismus jeder Art ist brandgefährlich.

Das orangerote Licht, das aus den Öffnungen des "Brandmals" dringen wird, rührt von rund 50 LED-Leuchten und mehreren farbigen Acrylglas-platten im Unterbau her. Die Künstler entschieden sich für Cor-Ten-Stahl, weil es ein langlebiger und aus ihrer Sicht lebendiger Stoff ist: Der Stahl verändert im Lauf der Zeit sein Aussehen.

In einem Jahr dürfte das Kunstwerk laut Sandmann seine endgültige Optik haben: "Je dunkler es wird, desto mehr kommt die Lichtwirkung zur Geltung."

Der erforderliche Stromanschluss ist inzwischen verlegt. Die jährlichen Stromkosten - Sandmann schätzt sie auf 350 bis 500 Euro - will die Stadt übernehmen. Das sei bei der Entscheidung der Jury für ein Kunstwerk mit Folgekosten zugesagt worden, betont Sauer.

Noch 3000 Euro offen

Das "Brandmal 2015" kostet 50 000 Euro. Je 12 500 Euro steuerten das Erzbistum Bamberg und die Oberfrankenstiftung bei, 10 000 Euro der Bürgerverein selbst. Der "Rest" ist bis auf 3000 Euro aus Spenden gedeckt.

Wer dem Bürgerverein helfen will, diese letzte Finanzierungslücke zu schließen, kann unter dem Stichwort "Hexenmahnmal" einen Obolus auf das Vereinskonto überweisen: IBAN: DE 82 77050000 0578008500,
BIC: BYLADEM1SKB .


Das Programm am Sonntag


Das "Brandmal 2015" wird am 2. August ab 14 Uhr am Leinritt bei Schloss Geyerswörth enthüllt. Höhepunkt des Programms ist die Verlesung des berühmt gewordenen Briefs, den der Bamberger Bürgermeister Johannes Junius 1628 aus dem so genannten Malefizhaus heraus an seine Tochter schrieb.

Der Brief war abgefangen worden und ist im Original erhalten. Junius schildert darin die psychischen und physischen Methoden der Folterknechte, um Geständnisse zu erzwingen. In die Rolle des Junius schlüpft Schauspieler Eckhart Neuberg.

Nach der Enthüllung werden die Künstler das Mahnmal vorstellen. Außerdem sprechen Sabine Sauer als Vorsitzende des Bürgervereins Bamberg Mitte, von dem die Initiative zu dem Mahnmal ausgegangen ist, Bambergs Kulturreferent, Bürgermeister Christian Lange und der Historiker Professor Ulrich Knefelkamp. Mitglieder der Bamberger Symphoniker musizieren.