Diese Entscheidung betrifft ein ganzes Leben: Wie soll er heißen, der neue Erdenbürger? Manchmal ist diese Frage ganz schnell beantwortet, manchmal wird lange diskutiert. Und dann hat das Kind einen Namen. Einen, der es auch dann noch begleitet, wenn aus dem Kind ein Erwachsener geworden ist, der seine eigenen Entscheidungen trifft.

"Manchmal kommen die Kinder dann zu uns ins Rathaus", deutet Robert Strauß, Leiter des Bamberger Standesamtes, an. Dann nämlich, wenn die Eltern bei der Namenswahl vielleicht ein bisschen zu kreativ waren. Grundsätzlich gilt: Der Ermessensspielraum ist sehr groß. Gleichzeitig: "Im Zentrum steht immer das Kindswohl", wie Strauß sagt. Es käme durchaus vor, dass sich deutschlandweit Eltern und Standesbeamte vor Gericht wiedertreffen, weil sie sich nicht einigen konnten.
Dann müssen die Richter entscheiden, ob der auserwählte Name für den Sprössling diesem vielleicht schaden könnte. Beispiel: "In der Fachpresse ging es mal um den Namen ,R2D2‘, die Bezeichnung für einen Roboter in der Sience-Fiction-Saga ,Star Wars‘", erläutert Strauß. "Pumuckl" hört sich im ersten Moment vielleicht lustig an. Bleibt die Frage, ob es das auch für das Kind ist, wenn es später mal in die Schule kommt.


"Marie" und "Elias" ganz vorne

Die Bamberger sind da eher bodenständig. Ein Blick in die Statistik verrät: Am beliebtesten für die Mädchen war 2017 "Marie", 27 Babys wurden so genannt. Bei den Jungs trugen die Standesbeamten 28 mal den Namen "Elias" in die Geburtsurkunde ein. Im Vorjahr waren Anna (28) und Felix (29) die Spitzenreiter.

Doch wie lauten eigentlich die verrücktesten Namen? Darauf erhält die Lokalredaktion keine Antwort aus dem Amt. Denn es könnte "bei Nennung von einzelnen Namen ein Kind direkt identifiziert werden." Aus Datenschutzgründen könnten keine einzelnen Namen genannt werden.
Sehr wohl Auskunft gibt es auf die Frage, ob es eigentlich eine Vornamenspflicht gibt: "Ja. In Deutschland muss grundsätzlich jedes Kind einen Vornamen führen." Regeln dazu gebe es nicht, bis auf die eingangs erwähnte Einschränkung, dass die gewählten Vornamen dem Kindeswohl nicht widersprechen dürfen.

Immer wieder gibt es da Grenzfälle. Wenn beispielsweise jemand sein Kind "Frodo" nennen möchte - nach einer Hauptfigur aus dem Fantasy-Mehrteiler "Herr der Ringe".
Robert Strauß aus dem Standesamt erklärt: "Es kommen gelegentlich Namenswünsche, die an Filme oder Bücher angelehnt sind. ,Frodo‘ ist mittlerweile einigermaßen bekannt. Dieser Name wäre für ein Kind in Ordnung, wir würden allerdings, auch auf der Urkunde, darauf hinweisen, dass es sich um einen außergewöhnlichen Namen handelt", erklärt Strauß. Er beschreibt diesen Passus als Rückversicherung, "falls später die Kinder zu uns kommen und eine Vornamensänderung wollen".
Das ist keine Sache von zehn Minuten: Der Gesetzgeber verlangt, dass ein "triftiger Grund" vorliegen muss. Zum Beispiel müsste durch ein ärztliches Gutachten nachgewiesen werden, dass jemand extrem unter seinem Namen leidet. Das kommt vor, auch bei Kindern. Doch damit ist nicht so manche Hänselei auf dem Schulhof gemeint. Einen gemeinen Reim oder Spruch muss der Nachwuchs ebenfalls aushalten können, erläutert Strauß weiter. Ernst wird die Lage dann, wenn das Kind Schaden nimmt, etwa wieder ins Bett macht.

Wer dagegen als Erwachsener im Standesamt auftaucht und einen anderen Vornamen will, weil er ihm einfach nicht gefällt, der hat schlechte Karten. "Eine Namensänderung kann man sich nicht kaufen", sagt Strauß. Wird sie dagegen, auch beim Erwachsenen, aus hinreichenden Gründen bejaht, kostet das beim Vornamen zwischen 300 und 500 Euro.

Derer darf man übrigens einige haben: "Bei bis zu vier Vornamen zucken wir nicht." Ausnahmen gibt es auch hier, etwa bei alten Adelsgeschlechtern.
Und nun noch ein bisschen Wissen zum Angeben: Sind erster und zweiter Vorname mit Bindestrich gekoppelt, gelten sie als einer. "Karl-Heinz" ist so ein Beispiel, oder "Hans-Jürgen".


Rufname statt Vorname

Hat der Leiter des Standesamtes denn einen Tipp für all jene, die mit ihrem Vornamen nicht glücklich sind? "Den Rufnamen!" Gerade in Bamberg gäbe es zahlreiche "Kunnis", angelehnt an "Kunigunde". Gängig sind auch Abkürzungen und Spitznamen, die sich jemand selbst gibt oder bekommt.
Oder Rufname etabliert sich so sehr, dass er statt des eigentlichen Namens verwendet wird. Ein bekanntes Beispiel: Der Bamberger "Gabelmoo". Wer nennt den schon "Poseidon" oder "Neptun"?

Beliebteste Vornamen in Bamberg im Jahr 2017:

Mädchen
1. Platz: Marie (27)
2. Platz: Lina (26)
3. Platz: Emilia (25)
4. Platz: Sophia (23)
5. Platz: Lena (20)
6. Platz: Mia (20)
7. Platz: Anna (19)
8. Platz: Emma (19)
9. Platz: Ella (16)
10. Platz: Luisa (16)

Knaben
1. Platz: Elias (28)
2. Platz: Jakob (26)
3. Platz: Lukas (25)
4. Platz: Ben (24)
5. Platz: Felix (22)
6. Platz: Jonas (22)
7. Platz: Maximilian (20)
8. Platz: Anton (19)
9. Platz: Leon (19)
10. Platz: Noah (17) ali