Nach einem im Fränkischen Tag erschienenen Artikel Anfang Oktober macht Tom Vargen, Besitzer des Strawanza, seinem Ärger auf Facebook Luft. Anlass dafür war eine zivile Kontrolle verschiedener Gastronomiebetriebe durch die Polizei,  bei denen 14 Gastronomien in Bamberg von einer nicht erkenntlichen Gruppe Zivil-Polizisten begutachtet wurden. Zehn Betriebe wurden daraufhin angezeigt und haben eine Strafe zu erwarten. Das Strawanza in der Oberen Königsstraße selbst wurde dabei nicht kontrolliert, da es nicht geöffnet hatte.

Wie Vargen im Gespräch mit inFranken.de kritisiert, werde nach einem Sündenbock gesucht und die Strategie der Stadt sei für ihn unverständlich. Die vielfältige Kneipenszene sei ohnehin schon gebeutelt und andere verstehen laut dem unbeteiligten Kneipen-Besitzer nicht, warum es die Bars und Gastronomiebetriebe überhaupt braucht. 

Gastronomiebetriebe sind Begegnungsstätten

"Eine Kneipe ist nicht nur da, um Bier zu trinken, sondern gibt den Kulturschaffenden auch eine Bühne und die Möglichkeit zum Austausch", so Vargen. Außerdem trage die riesige Kneipenlandschaft im Vergleich zu anderen Städten auch zur Attraktivität Bambergs bei.  Durch solche Aktionen sieht er diese in Gefahr. Auch habe er Angst, dass die Gastronomie durch so etwas kaputt gemacht wird.

Einen Lösungsvorschlag hat Tom Vargen auch schon parat: Da seiner Meinung nach die Hygienevorschriften zu undurchsichtig seien, wüssten viele Gastronomen nicht, wie genau sie diese umsetzen sollen. In einem offenen Austausch mit dem Ordnungsamt und Vor-Ort-Terminen sieht Vargen die Chance, Verbesserungen und individuelle Lösungen zu finden. Dadurch sollen so viele Gastronomiebetriebe wie möglich aufmachen können.

Für den Strawanza-Betreiber ist es auch wichtig, dass sich das Ordnungsamt die Zeit für Erklärungen der Regelungen nimmt, damit solche "Begegnungsstätten" bewahrt werden. Seiner Meinung nach sei es die falsche Strategie auf "Fehler zu warten" oder den anderen "reinlaufen zu lassen". "Wer hat sich das ausgedacht?", fragt er und meint damit die Tatsache, dass die Polizisten beim Einsatz unerkannt blieben. Unsicherheiten mit den Regeln gibt es laut ihm bei jedem und versteckte Aktionen wie diese steigern laut ihm das Misstrauen.

Das sagt die Bamberger Polizei dazu

Die Kontrollen fanden laut Jens Fischer von der Pressestelle der Polizeiinspektion Bamberg im Rahmen des länderübergreifenden Sicherheitstages statt. 14 Betriebe wurden zum Teil zufällig ausgewählt und zivil kontrolliert.  Die persönlichen und dienstlichen Erfahrungen  der Beamten flossen jedoch im Hintergrund in die Auswahl mit ein.

Hintergrund: Werden die Bamberger nachlässig?

Zehn Gastronomien bestanden den Polizeicheck aus verschiedensten Gründen nicht. Es fehlten Masken beim Personal und den Gästen, die Mindestabstände wurde teils nicht eingehalten, teils waren nicht einmal Listen zur Datenerfassung vorhanden. Mehrmals wurde als Begründung für die fehlenden Hygienemaßnahmen angegeben, dass davon nichts gewusst wurde.

Jens Fischer hingegen glaubt nicht, dass zivile Kontrollen zu höherem Misstrauen führen: "Die Auflagen müssen eingehalten werden, egal ob zivil oder in Uniform. Der Wirt hat sonst auch nur 30 Sekunden Zeit um seine Auflagen in Ordnung zu bringen, wenn er den Beamten in Uniform sieht." Auch in nächster Zeit sollen wieder vermehrt Kontrollen stattfinden. Alle bisherigen Verstöße wurden zur Anzeige gebracht und an die Stadt übergeben. Die Strafen richten sich, wie Steffen Schützwohl von der Stadt Bamberg erklärt, nach den festgestellten Verstößen nach dem Bußgeldkatalog Corona-Pandemie. Je nach Verstoß können die Bußgelder im mehrstelligen Tausender-Bereich liegen.

Diese Hilfestellungen gibt es für Gewerbetreibende

Auch die Stadt könne laut Schützwohl nachvollziehen, dass der Beratungsbedarf hoch ist. Jedoch gibt es diesen nicht nur in der Gastronomie, sondern auch bei anderen Gewerbebetreibern und auch bei Privatpersonen. "Bei über 77.000 Einwohnern und rund 7500 Gewerbebetrieben im Stadtgebiet Bamberg ist es dem Ordnungsamt aus personellen Gründen schlichtweg unmöglich, flächendeckend Einzelfallberatungen zu leisten", so Steffen Schützwohl.

Außerdem sei es die Verantwortung der Bürgerschaft und der Gewerbeberteibenden sich über die aktuellen Regelungen zu informieren und sich daran zu halten. Dazu stellen die Stadt Bamberg, branchenspezifische Interessensverbände und die zuständingen Ministerien entsprechende Service-Angebote.