• "Bambergs kleinstes Wohnhaus" wurde verschenkt 
  • Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg e.V. saniert das "Häusla"
  • 300 Jahre altes Häuschen vielleicht schon nächstes Jahr bezugsfertig
  • Einziehen darf jemand mit Bezug zum Denkmalschutz
  • Bislang fast 70.000 Euro durch Crowdfunding-Kampagne erhalten 

Schon im Laufe des nächsten Jahres könnte das "kleinste Wohnhaus Bambergs" bezogen werden, hofft Martin Lorber, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg. Der Verein hat das "Häusla" geschenkt bekommen und entscheidet nun, wer dort einziehen darf. Ideen gibt es schon viele, eins ist für Lorber jedoch klar: Derjenige, der das 300 Jahre alte Haus beziehen darf, muss "irgendwas im weitesten Sinne mit Denkmalschutz zu tun haben." 

Update vom 07.04.2021: "Bambergs kleinstes Wohnhaus" wird zusammen mit Minijob vergeben 

Um einen passenden Bewohner für das 20 Quadratmeter große Häuschen zu finden, werde es vermutlich eine Art Bewerbungsverfahren geben. "In erster Linie geht es dabei um den Minijob in unserem Verein", erklärt Lorber. Der Stipendiat würde nämlich dann im Häuschen wohnen und gleichzeitig ein paar Stunden im Monat bei der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg zubringen. "Der Job ist aber recht flexibel - je nachdem, wo Interessen und Talente liegen." Vom Schreiben von Stellungnahmen, Öffentlichkeitsarbeit, dem Organisieren von Veranstaltungen bis hin zu praktischen Tätigkeiten sei alles möglich. 

"Außerdem soll es eigentlich eine Studentin oder ein Student der Uni Bamberg im Bereich der Denkmalpflege sein", erklärt Lorber. Ganz sicher ist das jedoch noch nicht: "Einen Zimmermannslehrling oder etwas Ähnliches könnte ich mir jedoch auch vorstellen", überlegt der Vorsitzende. Die genauen Auswahlkriterien hat der Verein noch nicht festgelegt. "Ich denke, dass man sich dann einfach im Häuschen trifft und schaut, wie es passt." Und wenn es passt, darf das 20 Quadratmeter große Häuschen bezogen werden. 

Wenn es soweit ist, ist das Häuschen auch schon eingerichtet: Direkt im Erdgeschoss findet man das Bad mit Dusche und Toilette - außerdem soll eine Waschmaschine gestellt werden. "Im 1. Stock im Treppenhaus soll, wenn möglich, ein Kleiderschrank angebracht werden." Außerdem soll sich dort das Wohnzimmer mit Klappschreibtisch inklusive Küche einfinden. "Und über eine Leiter kommt man dann in die Schlafgalerie mit einer schönen Fachwerkwand - den ehemaligen Dachboden." 

300 Jahre alter Putz: 40 Putzschichten in "Bambergs kleinstem Wohnhaus" entdeckt 

Die Kernsanierung wird laut Schätzungen des Vereins circa 100.000 Euro kosten. "Bis jetzt haben wir knapp 70.000 Euro erhalten – erst gestern kam noch eine Spende von 5000 Euro", freut sich der Vorsitzende am Dienstag (6. April 2021). Aktuell sei man noch mit Untersuchungen beschäftigt.

"Seit Baubeginn vor 300 Jahren wurden immer wieder neue Putze aufgelegt", erklärt Lorber. 40 verschiedene Putzschichten habe man entdeckt – "hier kann man sehen, wie die Leute damals ihre Wände gestaltet haben." Verschiedenste Farben und Muster sowie Palmen habe man schon an den Wänden entdeckt. "Die wollen wir jetzt in Ruhe untersuchen."  

Lorber kann sich außerdem vorstellen, eine Art historisches Fenster in der Form einer Putztreppe mit den verschiedenen Putzschichten an einer Wand im Haus zu erhalten: "Das wäre bestimmt auch für die Stipendiaten spannend." Im Sommer sollen dann die eigentlichen Sanierungsarbeiten beginnen, sagt Lorber. "Ich hoffe, dass im Laufe des nächsten Jahres dann schon jemand einziehen kann."

Auf der Homepage der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg erfahren Sie mehr über die Geschichte und Sanierung von "Bambergs kleinstem Wohnhaus".

Update vom 17.03.2021: Rettung von "Bambergs kleinstem Wohnhaus" gut angelaufen

Die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg will den sogenannten "Predigtstuhl" am Oberen Kaulberg vor dem Verfall retten. Soweit dem Verein bekannt ist, handelt es sich bei dem Bau um "Bambergs kleinstes Wohnhaus". Das markante Häuschen hat die Schutzgemeinschaft von seiner Vorbesitzerin als Geschenk erhalten. Nun soll daraus ein historisches "Tiny House" werden. Laut dem zuständigen Architekten kann daraus "ein Schmuckstück" werden. Das "Häusla" soll letztlich als Stipendienwohnung für eine Studentin oder einen Studenten der Denkmalpflege an der Uni Bamberg dienen. Um die Sanierung finanzieren zu können, wurde eigens eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

"Unsere Crowdfunding-Aktion zur Rettung von Bambergs kleinstem Wohnhaus ist gut angelaufen", teilt Martin Lorber, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg, am Mittwoch (17. März 2021) inFranken.de mit. "Mittlerweile haben wir über unsere Seite www.haeusla.de Patenschaften im Wert von fast 50.000 Euro erhalten."

Zusätzlich habe der Verein vonseiten hiesiger Bürger und Firmen - darunter Schreiner, Zimmerleute und Sanitärexperten - praktische Unterstützung erhalten. "Wir sind von dieser Resonanz sehr begeistert, dankbar und ermutigt", hält Lorber fest. Die bisher erhaltenen Spendengelder reichten zwar noch nicht für die komplette Sanierung des Häuschens - "es entspricht etwa der Hälfte der kalkulierten Gesamtkosten, aber wir können damit die ersten Schritte wagen."

Putze offenbaren "fast 300 Jahre Gestaltungsgeschichte"

Die ersten Schritte sehen hierbei wie folgt aus: Zuerst werde ein erfahrener Restaurator "einen der größten Schätze des Hauses" untersuchen: die Putze. Diese sind laut dem Bamberger Verein seit der Erbauung des "Predigtstuhls" nahezu unangetastet geblieben. Sie können demnach nun fast 300 Jahre Gestaltungsgeschichte offenbaren - von einfachen braunen Zierden aus dem Rokoko, über Girlanden-Schablonenmalereien aus dem 19. Jahrhundert bis zu Rollmustern der 1950er-Jahre. 

"Gleichzeitig planen wir im Bereich der früheren Mistgrube, dem heutigen Bad, archäologische Untersuchungen durch den Stadtarchäologen Pfaffenberger", erläutert Lorber. Nach diesen letzten Voruntersuchungen werde dann die eigentliche Kernsanierung mit Dach und Fachwerk beginnen. "Wir hoffen, dass wir das im Sommer in Angriff nehmen können."

Patenschaften, Spenden und Hilfen werden der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg zufolge auch weiterhin benötigt. "Damit das Häuschen erhalten bleibt, muss es grundlegend saniert werden. Das schaffen wir nur mit Ihrer Hilfe!", halten die Initiatoren auf ihrer Webseite fest. Dort informiert der Verein darüber, welche Sanierungsschritte oder Gegenstände konkret noch finanziert werden müssen. Interessenten können beispielsweise noch eine symbolische Patenschaft für die Elektrik im Obergeschoss (2500 Euro), die Toilette (2000 Euro) oder einen Kleiderschrank (1450 Euro) übernehmen. 

Erstmeldung vom 20.11.2020: Historisches "Tiny House" - Bambergs kleinstes Wohnhaus wird groß

Wer die steile Treppe zum Obergeschoss hinaufgestiegen ist, muss dann noch den Kopf einziehen, um durch den niedrigen Türstock ins Zimmer zu gelangen. Und mit einiger Fantasie entsteht in diesem derzeit baustellenartigen Ambiente ein reizvolles Zuhause: mit freigelegten Fachwerkwänden, Holzbalken an der Decke, gemütlichem Zweiersofa - und Klappstühlen. Denn platzsparend muss es auch künftig zugehen in Bambergs kleinstem Wohnhaus am Oberen Kaulberg 31. Es ist knapp 20 Quadratmeter klein und fast 300 Jahre alt - datiert in die Jahre der Erbauung 1729/31.

"Ein reines Liebhaberobjekt", sagt Martin Lorber, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e.V., der das "Häusla" im vergangenen Jahr von seiner Vorbesitzerin geschenkt bekam. "Es kann ein Schmuckstück werden", ist sich Christian Schalk sicher, der als Architekt für die anstehende Sanierung verantwortlich zeichnet. Das Haus habe eine "gute Prognose, seine Nutzung steht fest, die Schutzgemeinschaft ist Eigentümerin", fügt Schalk hinzu.

20 Quadratmeter klein und fast 300 Jahre alt: Bamberger "Häusla" wird saniert

Das winzige, rosafarbige Gebäude ragt vorwitzig in die Straße. Seiner markanten Form halber ist es im Volksmund traditionell auch als "Predigtstuhl" bekannt. Es war von Beginn an eine Bleibe für arme Handwerker, Häcker, Witwen. Diese kümmerten sich zwar so gut es ging um ihr kleines Heim, schmückten seine Wände mit farbigen Malereien. Doch für umfassende Erneuerungen fehlte offenbar stets das Geld. So setzte ein schleichender Verfall ein, den die bisherige Eigentümerin Ilona Munique, bekannt als "Bamberger Schulbiene", durch ihre Schenkung an die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg aufhalten will. Denn "so bleibt das süße Häuschen dauerhaft erhalten", erklärt Munique, die es 2004 erworben und überwiegend an Studenten vermietet hatte - zuletzt für 100 Euro im Monat.

Es sei eine "tolle Fügung", dass die Schutzgemeinschaft ihr Geschenk angenommen habe und es nun sanieren werde, so Ilona Munique. Für den Verein ist es nach den Worten des Vorsitzenden Martin Lorber das erste Mal, dass ihm so ein Objekt zufiel: "Es ist eine Ehre für uns, so viel wie möglich von diesem kleinen Schatz zu bewahren", auch wenn das Häusla kein anerkanntes Denkmal sei, sondern lediglich unter Ensembleschutz stehe.

Eine Grundlage für die Sanierung lieferte die junge Architektin und Denkmalpflege-Studentin Tatyana Kachkovskaya, die für ihre Masterarbeit in Sachen Bauforschung nach einem geeigneten Objekt Ausschau hielt. In akribischer Kleinarbeit erstellte sie ein genaues Aufmaß, nachdem die Verschalung aus den 1970ern aus Rigipsplatten und Holzlatten entfernt worden waren.

Verjüngungskur

Vom Dach bis zum Sockel soll nun die Verjüngungskur reichen, inklusive neuer Elektro- und Wasserinstallationen. "Ziel ist ein moderner Tiny-House-Wohnstandard unter Bewahrung der historischen Bausubstanz", blickt Martin Lorber in die Zukunft. Das Anwesen Oberer Kaulberg 31 solle künftig ein Stipendienhaus für je eine Studentin oder einen Studenten der Denkmalpflege an der Uni Bamberg werden. Und eine "attraktive, mietfreie Dienstwohnung als Gegenleistung für einige Stunden Mitarbeit pro Monat in unserem gemeinnützigen Verein". So wären "alle glücklich und dieses so frech in die Straße ragende Häuschen würde dauerhaft von jungen Menschen bewohnt, die ein Herz für alte Gebäude haben und gut damit umgehen", gibt sich Lorber überzeugt.

Um diese Zukunftsvision Realität werden zu lassen, hat die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg als nicht gerade vermögender Verein eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Zumal die geplanten Sanierungsabschnitte, für die es kaum Fördergelder gibt, mit etwa 100.000 Euro zu Buche schlagen. Unter dem Motto "Vom Klappstuhl bis zum Dachstuhl" können symbolische Patenschaften für Teilschritte der Kernsanierung übernommen oder eine Geldspende angemeldet werden.

Auf der eigens eingerichteten Internetseite haeusla.de sind tatsächlich schon Geldspenden in Höhe von 26.265 Euro (Stand 17. November) und Paten verzeichnet für den Dachstuhl, die Fachwerksanierung, die Wasserinstallation oder eine Zimmertür und einen Schreibtisch. Selbst eine Patenschaft für eine neue Toilette, Matratze oder Kaffeemaschine ist erwünscht. "Gemeinsam können wir es schaffen, ein kultiges Bamberger Sehenswürdigkeitchen zu erhalten", wirbt Martin Lorber um breite Unterstützung durch die Bevölkerung.