Polizeieinsatz gegen Eltern mit Schulkindern! Die Meldung ist seit Tagen ein Aufreger in den sozialen Medien und beschert Bayern wieder einmal bundesweite Aufmerksamkeit - Kopfschütteln inklusive über die "harte Linie", die nicht nur Gefährdern das Leben im Freistaat schwer macht, sondern auch Schulschwänzern ...
Aber der Reihe nach und zurück zu den Fakten: Am letzten Schultag vor den Pfingstferien hatte die Bundespolizei an mehreren bayerischen Flughäfen Reisende kontrolliert. Dabei handelte es sich nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei aber keineswegs um einen gezielten "Großeinsatz" oder gar eine Razzia, wie hier und da im Internet verbreitet wird.
Es habe sich, so der Sprecher, um "routinemäßige Kontrollen" bei der Ausreise gehandelt. Dabei hätten die Beamten stichprobenartig nachgefragt, wenn bei den Reisenden offenkundig schulpflichtige Kinder waren. Dies sei ebenfalls keine ungewöhnliche Praxis an den Tagen unmittelbar vor Ferienbeginn.


Elf Anzeigen gegen Eltern

Am Nürnberger Flughafen führten die Stichproben zu Treffern: Gegen elf Eltern wird Anzeige wegen eines Verstoßes gegen die Schulpflicht erstattet. Die Kinder hatten den letzten Schultag geschwänzt, um in den Genuss günstigerer Preise für die Urlaubsreise zu kommen; in den Ferien sind die gleichen Angebote oft deutlich teurer als während der Schulzeit.
Rechtfertigt dies und die Tatsache, dass an den letzten Tagen vor den Ferien an den Schulen oftmals "Unterricht light" abgehalten, das "Blaumachen"? Das ist die Frage, um die im Netz ein heftiger Meinungsstreit tobt.


Pro und Contra

Viele Nutzer sozialer Netzwerke empören sich, dass die Staatsmacht die Familien ins Visier nimmt, bei schweren Vergehen aber gerne mal wegschaut (so der Tenor der Beiträge). Auch der Bundeselternrat hält es für überzogen, dass die Polizei gegen Schulschwänzer vorgeht, ebenso die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann meint, es sei "sinnvoller, mit den Eltern das Gespräch zu suchen", als mit Bußgeldern zu reagieren.
Martin Löwe, der Landesvorsitzende des Elternverbandes in Bayern, sieht das anders: "Eltern, die mit ihren Kindern vorzeitig in den Urlaub fliegen, schädigen diejenigen, die hierbleiben. ... Ich halte dies für ein asoziales Verhalten."


"Ein hohes Gut"

Auch der bayerische Bildungsminister Bernd Sibler (CSU) hat das Vorgehen der Polizei gutgeheißen. Die Schulpflicht sei ein "hohes Gut" und müsse vom Staat geschützt werden. Eltern sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Das sieht der Deutsche Lehrerverband genauso. Dessen Präsident Heinz-Peter Meidinger sagte der Passauer Neuen Presse am Mittwoch: "Die Polizeiaktion in Bayern war ein notwendiger Schuss vor den Bug der Eltern. Ein sinnvolles Warnsignal, dass die Missachtung der gesetzlichen Schulpflicht nicht hingenommen werden kann." Ähnlich äußerte sich der Bayerische Realschullehrerverband.


Bis zu 1000 Euro

In Bayern beträgt das Bußgeld für geschwänzte Schule mindestens fünf und maximal 1000 Euro. In besonders schweren Fällen, also dann, wenn Eltern ihre Kinder wochenlang nicht in die Schule schicken, drohen sogar hohe Geld- oder Haftstrafen.


Kommentar von Günter Flegel


Wenn ein Jugendlicher keinen Respekt vor Schule und Staat hat, dann ist das in der Pubertät ein Teil der Persönlichkeitsentwicklung.
Eltern sollten aus diesem Alter heraus sein. Allerdings gehört es gerade zum Zeitgeist, den Staat und seine Institutionen respektlos zu behandeln. Oftmals widersprüchlich: Gerne wird der schlanke Staat gefordert, aber nach dem starken Staat gerufen. Also was? Bevor man nach dem Staat ruft, sollte man sich an die Regeln halten. Die Schulpflicht ist eine solche Regel, und sie darf nicht der Beliebigkeit geopfert werden. Das sind Bürger dem Staat schuldig - und die Eltern als Vorbilder ihren Kindern.