Erst kommen die Amerikaner in Christian Eduard Frankes Antiquitäten-Geschäft in der Herrenstraße: "Beautiful, how old ist this?" will der grauhaarige Tourist wissen und zeigt auf einen Tabernakelsekretär. "Three hundred years", antwortet Franke und erzählt dem Interessenten noch etwas von "musealer Qualität" dieses Prachtstücks für Abt Coelestin I. aus dem Zisterzienserkloster Kaisheim bei Donauwörth. Beeindruckt zieht der Amerikaner von dannen. Das Erfurter Ehepaar Schlichting zeigt sich da schon kaufwilliger: "Wir wissen, dass Bamberg die deutsche Antiquitätenhauptstadt ist", und so seien sie bewusst an diesem Wochenende auf "Kulturtour im Weltkulturerbe". Den Schlichtings hat es ein höfischer Salon-Klapptisch um 1720/25 angetan. Franke preist die Vorzüge dieses Objektes aus Nussholz mit Intarsien aus Ebenholz, Ahorn, Kirsche und Elfenbein. Er lobt die "Qualität der Erhaltung, die kostbare Ausführung".


Geistige Brücke schlagen



Damit hat der leidenschaftliche Kunsthändler Franke zugleich ein Gesamturteil über das wertvolle Angebot aller Bamberger Antiquitätengeschäfte gesprochen: "Bamberg ist aufgrund seines hochwertigen Angebots das Eldorado des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels", sagt auch Fiona Freifrau Loeffelholz von Colberg. "Bamberg hat seinen Platz im internationalen Kunsthandel gefunden", fügt sie hinzu. Bei ihr laufen die organisatorischen Fäden der schon traditionellen Kunst- und Antiqutätenwochen zusammen, die heuer zum 17. Mal vom 23. Juli bis 20. August in Bamberg stattfinden. Kooperationspartner dieser Leistungsschau im Antiquitätenviertel am Fuße des Dombergs ist das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia: "Wir möchten eine geistige Brücke zwischen alter und zeitgenössischer Kunst in Bamberg schlagen", betont Direktorin Nora-Eugenie Gomringer. Jede Galerie werde ein Werk eines Stipendiaten oder ehemaligen Stipendiaten der Villa Concordia während der Kunst- und Antiquitätenwochen ausstellen. "Wer vermutet einen solch vielfältigen, jetztzeitigen Schatz im barocken Schatzkästchen Bamberg?", fragt Gomringer.

Diese Besonderheit macht das Weltkulturerbe im historischen Barockzentrum zu einem "lebendigen Museum". Davon ist Walter Senger überzeugt, der seit über 40 Jahren in der obersten Liga des Bamberger Antiquitätenhandelns mitspielt. Er hat sich auf seltene gotische Skulpturen spezialisiert, auf Kunsthandwerk des 18. und 19. Jahrhunderts. Gleichwohl bietet Senger aus einem ganz anderen Genre das kostbarste Objekt der kommenden Kunst- und Antiquitätenwochen an: einen Marienaltar aus der Klosterkirche im Dorf Christgarten (Schwaben) um 1480. Während sich andere Antiquitätenhändler "wegen der Diskretion" - so sagt z. B. Christian Eduard Franke - mit ihren Preisangaben bedeckt halten, nennt Walter Senger offen, was dieser Marienaltar kosten soll: schlappe 480.000 Euro. "Dafür gibt es Sammler", weiß er. Und Kunstspezialist Senger weiß auch, was er machen wird, wenn ein Kunde in seinem Geschäft an der Karolinenstraße nicht fündig wird: "Ich empfehle zu Kollegen weiter, denn wir sind alle bestrebt, dass Kunden zufrieden sind und etwas finden, egal bei wem", macht Senger darauf aufmerksam, dass die Bamberger Händler "an einem Strang ziehen, mit- und nicht gegeneinander" arbeiten.

Geschäftsmann Ulf Härtl bestätigt diese "Einheit in der Vielfalt": "Es gehört zum Anstand, dass man sich gegenseitig empfiehlt", betont er. Auch er betreibt mit seiner Ehefrau Marlene schon seit etwa 40 Jahren seinen Kunsthandel. Vor allem das elegant Französische des Louis XV. und des Louis XVI. ist bei ihnen stark vertreten, ebenso Gemälde des 18. Jahrhunderts, Porzellan und erlesenes Kunsthandwerk. Selbstredend, dass Härtl wie die anderen Händler eine "Echtheitsgarantie" geben: "Kunstkauf ist Vertrauenssache", meint Ulf Härtl. Extra für die Kunst- und Antiquitätenwochen hat er sich mit fränkischen Gartenfiguren aus dem Umkreis von Ferdinand Tietz eingedeckt. Auch wenn wieder mit einem "internationalen Kundenkreis" zu rechnen sei, erwarte er Besucher, die "speziell fränkische Liebhaberstücke suchen".


Auch ausgefallene Wünsche



Doch auch ausgefallene Kundenwünsche können in Bamberg erfüllt werden. So bietet beispielsweise Markus Schmidt-Felderhoff einen einzigartigen Rundschrank aus dem Piemont aus der Zeit um 1700 an. Er ist nicht nur Kunsthändler, sondern restauriert außerdem selbst Möbel. So hat Schmidt-Felderhoff ungefähr 400 Stunden mühevoller Arbeit in diesen raren Rundschrank investiert. Für eigene Restaurierungen ist auch Christina Pusch (Glaserie Pusch) deutschlandweit bekannt: Sie setzt feinste Glasobjekte wie Lüster instand.

Ein solches Mekka für Kunstliebhaber gebe es nur noch in Paris, freut sich Ulf Härtl. Dass nämlich "in bedeutender historischer Kulisse so viel Kunst angeboten wird". Sein Kollege Christian Eduard Franke spricht sogar von einem "Phänomen, dass Sie in einer Kleinstadt wie Bamberg so hochwertige Kunst handeln können". Walter Senger erwartet in den Kunst- und Antiquitätenwochen zwar keine "Top-Kunden, die für Millionen kaufen". Doch sein Slogan überzeuge immer mehr Sammler auch im übertragenden Sinne: "Es ist keine Kunst, Kunst in Bamberg zu finden."


Die 17. Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen werden offiziell am Montag, 23. Juli, von Oberbürgermeister Andreas Starke in der Villa Concordia eröffnet. Zu den Wochen gibt es ein breitgefächertes Rahmenprogramm mit Vorträgen und Führungen, darunter auch Führungen für Kinder, Jugendliche und Studenten.

Mehr Infos gibt's im Internet auf der Homepage der Antiquitätenwochen.