Dieser Montag dürfte den Feuerwehrleuten, aber auch denjenigen, die durch Hagel und Starkregen Schäden erlitten haben, wohl noch lang in den Knochen stecken. Mittags tobte das Unwetter über Hirschaid und dessen Gemeindeteilen, auf dem Weg dorthin hatte es eine Schadensschneise durch Frensdorfer Gebiet geschlagen, nachmittags wütete es im Bereich Burgebrach. Dort schlug es nachts abermals zu und zog auch Burgwindheim und Priesendorf mit ein. Wie hoch der Unwetterschaden in Euro ist, lässt sich am Tag danach nicht beziffern.

Zumindest ungefähre Zahlen kann Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann nennen: Rund 70 der 187 Feuerwehren im Landkreis waren in diesen Stunden gefordert. Manche sogar rund um die Uhr. Landrat Johann Kalb (CSU) ließ es sich deshalb nicht nehmen, am Tag nach dem Unwetter in den sozialen Netzwerken einen expliziten Dank an die Wehren zu posten - wie auch die Bürgermeister, bei denen die Aktiven geschuftet hatten. Kalb sieht im FT-Gespräch deswegen die passende Gelegenheit zu unterstreichen, dass die Investitionen in die Ausrüstung bestens angelegtes Geld seien. Daneben hat er die zahlreichen Landkreisbewohner im Blick, bei denen Regen und Schlamm Gegenstände unbrauchbar gemacht haben. Hier verspricht er schnelle, unbürokratische Hilfe bei der Entsorgung, sprich kostengünstige Containernutzung. Details erfahren die Betroffenen bei ihren jeweiligen Gemeinden.


Bürgermeister an der Front

Frensdorfs Bürgermeister Jakobus Kötzner (CSU) war wohl als Erster vom Unwetter gefordert. Als aktiver Feuerwehrler kämpfte er gleich an vorderster Front mit: In Frensdorf war der Platz vor der Schule überschwemmt, Wasser in die Turnhalle eingetreten. Der Bahnübergang stand 40 Zentimeter unter Wasser und war nicht mehr passierbar. Besonders ärgerlich: Am 20. Juni sollte eigentlich die neue Staatsstraße zwischen Frensdorf und Herrnsdorf frei gegeben werden. Das steht wohl in Frage, denn der Sturm zerstörte alles, was hier frisch angeböscht worden war. Die Firma rückte prompt mit Bagger, Lkw und Kehrmaschine an. Wer hier die Mehrkosten trägt, wird noch zu klären sein.

Kötzner zollt indes allen Frensdorfer Wehren Respekt, die gemeinsam ans Werk gingen. Bürgermeister Klaus Homann (CSU), mit Hirschaid im Zentrum des Unwetters, hat begeistert Ähnliches zu vermelden: Der Zusammenhalt, die Solidarität und die Nacbarschaftshilfe seien zusammen mit dem "Wahnsinns-Einsatz der Wehren" - auch der vielen benachbarten - nicht weniger als großartig gewesen. Ausdrücklich lobt Kreisbrandmeister Matthias Behm aber auch das Verständnis der Bürger dafür, dass die Wehren beim besten Willen nicht sofort überall sein konnten, sondern Keller und sonstiges nach und nach abarbeiteten. Homanns Fazit: "Hirschaid hat zusammen gehalten." Darauf sei er richtig stolz.

Stolz auf ihre Gemeindewehren, das ist auch PriesendorfsBürgermeisterin Maria Beck (CSU). Für sie als Bürgermeisterin wiederum sei es selbstverständlich, bei Alarmierung mit vor Ort zu sein. So hat sie sich die Nacht um die Ohren geschlagen, war Ansprechpartnerin für die Bürger, sah wie die Feuerwehr dafür sorgte, dass nicht nur Keller ausgepumpt, sondern auch der Kulmsbach so einigermaßen mit Sandsäcken im Bett gehalten wurde. "Unsere Wehren sind auf Zack", stellt sie am Morgen etwas müde, aber doch voller Respekt fest.


Hydraulische Überlastung

Den zollt auch Burgwindheims Bürgermeister Heinrich Thaler (CSU) den Aktiven der Marktgemeinde. Hier waren besonders die Gemeindeteile Oberweiler, Untersteinach, Mittelsteinach und der Kernort Burgwindheim betroffen. Thaler hat von Niederschlägen von mehr als 60 Litern pro Quadratmeter gehört. Das habe eine hydraulische Überlastung zur Folge.

So waren auch Burgwindheims Wehren waren erneut stark gefordert: Nachdem sie erst in der vergangenen Woche rund um das Blutsfest Einsatz waren und nach dem Starkregen im Anschluss an die Kleine Blutsprozession schon wieder ran mussten. Wie bereits vor zwei Jahren. Erneut wälzten sich Geröllmassen von der Siedlungsstraße bis auf die B 22. Thaler war sich nicht zu schade, selbst mit dem Gemeindebulldog Schlamm abzutransportieren. Freilich sieht er als eine Ursache das Fehlen von Feldrainen, so dass das Wasser ungebremst über die höher gelegenen Felder zu Tal schiesst.
Regelrecht geschossen sind die Wassermassen in Burgebrach und drum herum. Im Kernort liefen und in alten und neuen Baugebieten die Keller voll. Besonders betroffen war jedoch Mönchherrnsdorf: "Da ist das Wasser wie ein reißender Stromdurchgefegt", hat Bürgermeister Johannes Maciejonczyk (CSU) vor Ort beobachtet.

Von Zettmannsdorf her habe sich das Wasser wie in einem Trichter entladen. Auch in Ampferbach und Dietendorf - hier kommt das Wasser von Walsdorfer Seite her - habe es extreme Schadenslagen gegeben. "Innerhalb kürzester Zeit kamen die Wassermassen." Regenmengen in diesen Ausmaßen werde man wohl kaum etwas entgegensetzen können, zumal Schlamm und Geröll Abläufe und ähnliches innerhalb kürzester Zeit dicht machen.

Gibt es nun öfter derartige Einsätze? Kreisbrandrat Ziegmann erinnert sich an sturzregenbedingte Großeinsätze im Raum Baunach oder in Hallstadt. In den letzten fünf bis acht Jahren jedenfalls hätten sich die Sturzregen gehäuft. Die Kanalsysteme seien für solche Massen nicht angelegt. "Es gibt keinen Schutz."

Das Einzige, was man ändern könne sei, bei Neubauten Keller so anzulegen, dass sie nicht unterhalb des Straßenniveaus liegen und Wasser über öffentliche Flächen gut ablaufen kann.


Kontakt hergestellt

Und was hat sich unwettermäßig bei der Polizei getan? Wie bereits von Kollegen erwähnt, hat sie direkt mit Unwetterschäden nichts zu tun. Man habe aber die Feuerwehr in Altendorf unterstützt, so Markus Dotterweich, Sprecher der Polizeiinspektion Bamberg-Land: Dort war ein Baum teilweise auf ein Haus gestürzt, der Eigentümer nicht vor Ort war. Die Polizei stellte hier den Kontakt zur Feuerwehr her.