Lange konnte sich Elfershausen glücklich schätzen. Mit Dr. Anton Heilmann hatte die Gemeinde einen Arzt, der sich mit Leib und Seele der medizinischen Versorgung seines Heimatortes verschrieben hatte. Doch nach seinem überraschenden Tod vor wenigen Wochen ist alles anders: für seine Familie, für seine Patienten und für die politische Gemeinde.

Um die entstandene Lücke kurzfristig zu füllen, springt Dr. Hans Steinke aus Hammelburg ein. Er will sich vorübergehend für die Gesundheit der Patienten einsetzen.

Auf ein Vierteljahr stellt er sich ein. Dabei ist Steinke mit seinen 75 Jahren eigentlich auch schon im Rentenalter. Gemeinsam mit seiner Frau Gisela führt er seit 1979 eine Gemeinschaftspraxis in Hammelburg. Seit 2020 tritt er dort kürzer und behandelt nur noch Privatpatienten. "Das wird kein Ganztags-Job", beschreibt er sein Engagement in Elfershausen. Dazu verweist er auch auf seine drei Enkel, denen er sich gerne widmet.

Werbetrommel rühren

Warum er die neue Herausforderung annimmt, hat für ihn einen einfachen Grund. Es mangelt am Ärztenachwuchs auf dem Land. Deshalb schlägt er zusammen mit Bürgermeister Johannes Krumm die Werbetrommel, um einen Praxisnachfolger zu finden.

Doch einen jungen Arzt für Elfershausen zu gewinnen, ist gar nicht so einfach. "Aufs Land gehen meistens Leute, die dort groß geworden sind", weiß Hans Steinke. Oft seien es Arztkinder, die die Praxis ihrer Eltern übernehmen. Ein weit verbreitetes Klischee treffe allerdings nicht mehr zu: Jenes von der Erwartung an die Erreichbarkeit eines Hausarztes rund um die Uhr. Diese Anforderung gebe es seit der Umstrukturierung der Bereitschaftsdienste so nicht mehr.

Trend beim Ärztenachwuchs

In Sachen Ärztenachwuchs beschäftigt sich die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) mit einem weiteren Trend: Das Medizinstudium wird zunehmend weiblich. So waren im Wintersemester 1990/91 deutschlandweit rund 44 Prozent der Studierenden in Humanmedizin weiblich. Im gleichen Zeitraum 2020/2021 sind dies nach vorläufigen Zahlen der Statistischen Bundesamtes bereits 63 Prozent.

Gleichzeitig lässt offenbar die Bereitschaft nach, alleine eine Praxis zu übernehmen. Wohl auch wegen der besseren Planbarkeit von Privat- und Familienleben gewinne Teilzeit und Anstellung bei Ärztinnen und Ärzten an Beliebtheit. Auch dazu nennt die KVB Zahlen: 2010 gab es in den bayerischen Praxen 1821 angestellte Ärzte und Ärztinnen. Davon waren 50,8 Prozent weiblich. 2020 gab es bereits 6763 angestellte Ärzte und Ärztinnen, davon 53,4 Prozent weiblich.

Nur ein kleiner Trost ist es, dass die Überversorgung im Raum Hammelburg bei der Nachbesetzung in Elfershausen keine Rolle spielt. Zwar hat der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen Bayern in seiner letzten Sitzung keine drohende oder tatsächliche Unterversorgung im Planungsbereich Hammelburg mit seinen 27 000 Einwohnern festgestellt.

Zum Jahresbeginn lag der Versorgungsgrad mit 19 Hausärzten gemessen an der Bedarfsplanung bei 110 Prozent. Allerdings bei einem Altersschnitt von 56,9 Jahren. Elf der Ärzte sind jenseits von 60. Unabhängig davon wurden zuletzt keine Niederlassungsmöglichkeiten in diesem Planungsbereich geschaffen.

Schwierige Situation

"Dies geschah freilich auf Basis der damals bestehenden Versorgungssituation. Daher ist die Situation mit der Praxis in Elfershausen unabhängig davon zu betrachten. Mitte des Jahres wird der Landesausschuss wieder die Versorgungssituation in ganz Bayern für jeden einzelnen Planungsbereich unter die Lupe nehmen", erklärt Dr. Axel Heise von der KVB Bayern.

Außerdem gibt es ein Förderprogramm der Staatsregierung, das unabhängig von der Versorgungslage für Praxen in Orten mit weniger als 20 000 Einwohner bestimmt ist. Davon hatte die Gemeinde Elfershausen offenbar bei der Sanierung der Praxisräume in der August-Ullrich-Straße Gebrauch gemacht. Die Krux: Sollte sich kein längerfristiger Nachfolger finden, droht sogar die Rückzahlung von Mitteln.Die Zeit drängt. Sollte die Überbrückungszeit von Dr. Steinke nicht ausreichen, droht der Praxis eine ganz andere Gefahr: Nach wenigen Monaten orientieren sich die Patienten erfahrungsgemäß woanders hin. Grund genug also für die Gemeinde, alle Register bei der Werbung zu ziehen. Ein Mietnachlass in irgendeiner Form dürfe da kein Tabu sein, rät Dr. Steinke.

Von Wolfgang Dünnebier