Zehn Monate "Rabatt" in der Berufungsinstanz , nach fünf Verhandlungstagen, waren für einen Steuerberater aus dem Landkreis Bad Kissingen kein Anlass zur Freude: Es bleiben noch drei Jahre, die er nach dem Urteil der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt wegen gewerbsmäßiger Untreue in 36 Fällen absitzen soll.

Als Testamentsvollstrecker hat der Mann vom Vermögen einer Verstorbenen knapp eine halbe Million Euro auf eigene Konten umgeleitet, als sein Unternehmen in finanzielle Schieflage geraten war. Außerdem soll er überhöhte Forderungen für seine Tätigkeit gestellt und kassiert haben. Das hat der Mann auch nicht bestritten, es hätte auch wenig gebracht, denn das vorübergehend regelmäßige Anzapfen einer 1,5 Millionen Erbschaft ließ sich lückenlos belegen.

Bei der Strafzumessung wurde dem Angeklagten ein Fall besonders "angekreidet": Da hat er auf einen Schlag 150 000 Euro von der Erbschaft abgezogen, um in einem anderen Testamentsfall - der nicht näher besprochen wurde - eine Lücke zu schließen. In den anderen Fällen lagen die oft innerhalb kürzester Zeit per Internet- Banking abgerufenen Beträge zwischen 4000 und 10 000 Euro.

Zugunsten des Angeklagten hat das Gericht unter anderem berücksichtigt, dass er einen Betrag von 375 000 Euro aus dem Verkaufs seines Wohnhauses den von ihm geschädigten Erben überlassen und damit etwa zwei Drittel des Schadens bereits wieder gut gemacht hat. Außerdem müsse er möglicherweise mit berufsrechtlichen Folgen bis zum Entzug der Zulassung als Steuerberater rechnen.

Typisch für dieses Strafverfahren nannte die Vorsitzende Richterin Dr. Angelika Drescher während der Beweisaufnahme, dass "viel und zwar ganz offensichtlich gelogen wird". Dabei ging es zum Beispiel um den Verkauf einer Immobilie, als die Ermittlungen schon am Laufen waren. Dieser Verkauf sei, so das Gericht, " in höchstem Maße an der Rechtsordnung vorbeigegangen": Während ein Sachverständiger den Verkehrswert der Immobilie bei 280 000 Euro ansetzte, hatte der Angeklagte das Grundstück mit mehreren Gebäuden für 142 000 Euro an einen mit ihm befreundeten Geschäftsmann verkauft: Zu den Absprachen gehörte, dass der Angeklagte trotz Verkauf die Immobilie weiter nutzen und Miete kassieren durfte, dringende Reparaturen auf seine Kosten durchführte und das Recht zur Untervermietung hatte.

Wenn sich seine finanzielle Situation gebessert hat, sollte der Angeklagte die Immobilie wieder zum alten Preis zurückkaufen können. Geplant war dort bereits der Umbau eines ehemaligen Gasthauses zu einem Bürogebäude. Das Grundstück sei, so das Gericht, durch den Verkauf also nur vorübergehend beim Käufer "geparkt" worden, Vermögenswerte sollten in der für den Angeklagten kritischen Phase verschleiert werden .


Der Kaufmann, der das Grundstück plus Gebäude erworben, aber angeblich nur flüchtig angeschaut hatte, kam vor Gericht erheblich ins Schwitzen und Schleudern. Da sagte die Vorsitzende: "Sie scheinen unsere Belehrung, dass sie die Wahrheit sagen müssen, nicht ernst zu nehmen" und Oberstaatsanwalt Norbert Spindler wurde noch deutlicher: "Vorsicht, sonst können Sie gleich eine Zelle neben dem Angeklagten buchen."

Die Vernehmung des Zeugen hatte das Gericht kurzfristig angesetzt, als die Beweisaufnahme schon fast abgeschlossen war. Daraufhin soll der Angeklagte unmittelbar nach dem dritten Verhandlungstag den Kaufmann noch aus dem Justizgebäude angerufen und ihm gesagt haben, dass er vom Gericht eine Vorladung bekommt und dass er auf der Heimfahrt bei ihm mal vorbeischauen werde. Von unterwegs schickte der Angeklagte dann dem Zeugen ein Handy-Bild vom Stau auf der Autobahn als Begründung für eine leichte Verspätung.

Der Zeuge ahnte nicht, was bei Gericht alles zur Sprache kommen könnte. Er hatte sein Handy dabei, auf dem allerdings die Gespräche, für die sich Staatsanwalt und Richter interessierten, bereits gelöscht waren. Das mache er täglich, sagte der Zeuge, weil sich sonst zu viel ansammelt. Da ordnete der Staatsanwalt die Sicherstellung des Geräts an, da es für Spezialisten der Polizei kein Problem sei, gelöschte Daten "zurückzuholen. Er kündigte dem Zeugen ein Ermittlungsverfahren wegen uneidlicher Falschaussage an und als der sagte, er könne schwören, dass er die Wahrheit gesagt hat, sagte der Staatsanwalt "Vorsicht: Mit Eid erhöhen sich die Tarife". Der Zeuge solle sich gut überlegen, ob er für einen "Freundschaftsdienst" ins Gefängnis gehen wolle. Der wiederholte Hinweis des Zeugen, dass er sein Handy und die dort gespeicherten Daten fürs tägliche Geschäft dringend benötige, hielt den Staatsanwalt nicht von der Sicherstellung ab.

Im Juni 2016 war der Steuerberater vom Landgericht Schweinfurt in der Sache zu drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden, ein Strafsenat des Bundesgerichtshofs hatte nur wegen der rechtlichen Beurteilung einiger Taten den Fall nach Schweinfurt zurückverwiesen. Gegen das neue Urteil kann jetzt auch wieder Rechtsmittel eingelegt werden. Festlegen wollte sich Rechtsanwalt Andreas Franz ( Aschaffenburg) aber unmittelbar nach der Urteilsbegründung noch nicht. Er ist allerdings nach wie vor der Meinung, dass nur bei einer Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann, eine zeitnahe Schadenswiedergutmachung möglich ist.