Dass die Hausärzte in der Region deutlich älter sind als ihre Kollegen in Bayern, beschäftigt auch die Politik. Der Landkreis versucht, dem Problem mit mehreren Ansätzen zu begegnen. "Dass viele niedergelassene Ärzte auf das Rentenalter zugehen ist eine Tatsache, die viele Regionen vor eine Herausforderung stellt - unsere ist da keine Ausnahme", sagt Landrat Thomas Bold (CSU). Die Ärzteversorgung müsse von allen Seiten angegangen werden: Politik, Forschung und Wirtschaft. "Ärztliche Versorgung ist ein wichtiger Standortfaktor für jede Region", betont er. Mit ärztlichen Weiterbildungen, wie der Badearzt-Weiterbildung und dem MBA-Studiengang Gesundheitsmanagement am Rhön-Saale Gründerzentrum sowie mit der Pionierarbeit im Bereich Telemedizin möchte die Region ihre Attraktivität für Ärzte steigern.


Zuschüsse vom Ministerium

Über das Projekt Gesundheitsregion Bäderland Bayerische Rhön informieren die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld Ärzte über Förderprogramme. Nicht nur die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) unterstützt Ärzte mit Zuschüssen. Auch das Gesundheitsministerium beziehungsweise das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zahlen, wenn sich Ärzte auf dem Land niederlassen. Bis zu 60 000 Euro an Zuwendungen sind für eine neue Praxis möglich. Zudem gibt es ein Stipendienprogramm, das schon Medizinstudenten für die Arbeit auf dem Land gewinnen soll. Sie erhalten bis zu 600 Euro im Monat, wenn sie ihre Weiterbildung und fünfjährige Anschlusstätigkeit im ländlichen Raum absolvieren.

Zudem gibt es das "Fachforum Gesundheit" der Region Mainfranken GmbH, der der Landkreis ebenfalls angehört. Hier wurde laut Bold das Seminarprogramm "Fit für die Praxis erarbeitet", das angehenden Assistenzärzten aus Mainfranken den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern soll. Denn der niedergelassene Hausarzt sei heute immer mehr als Unternehmer und als Arbeitgeber gefordert. Das Programm ist Teil der mainfränkischen Hausärzte-Offensive. "Ich bin mir sicher, dass wir mit der im Fachforum Gesundheit geborenen Initiative den richtigen Weg einschlagen", sagt Landrat Bold, gleichzeitig politischer Sprecher des Fachforums Gesundheit.


Hausärzte auf dem Land entlasten

Weitere wichtige Impulse erwartet sich die Politik, aber auch die KVB und die Ärzteschaft von dem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, der zu Jahresbeginn an der Universität Würzburg eingerichtet wurde. "Gerade in der Rhön brauchen wir Praktiker", sagt Christian Pfeiffer vom Hausärzteverband und der KVB in Unterfranken. Er lobt, das zuletzt viel auf den Weg gebracht wurde, um das Berufsbild vom Hausarzt auf dem Land attraktiver zu machen.

Ein wesentlicher Punkt ist dabei die Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, also die Versorgung der Patienten außerhalb der normalen Sprechzeiten. Hier werden Gebiete zusammengelegt, so dass die diensthabenden Ärzte zwar eine größere Fläche versorgen müssen. Auf der anderen Seite werden sie entlastet, weil sich insgesamt mehr Ärzte das Gebiet teilen und sie somit weniger häufig für einen Dienst eingeteilt werden. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst übernehmen die Mediziner zusätzlich zu ihrer Arbeit in der Praxis.