Wenn es Nacht wird, dann beginnt für Oskar Jungklaus die spannendste Zeit des Tages. Mit dem Einsetzen der Dämmerung wird der Maßbacher zum Natur-Detektiv. Er macht sich auf die Suche nach nachtaktiven Schmetterlingen.

Seit 15 Jahren ist die Erkundung der heimischen Schmetterlingspopulationen die große Leidenschaft des 57-Jährigen. Das Interesse für diese Insektengattung hat bei ihm schon viel früher begonnen. Aufgewachsen ist Oskar Jungklaus in Nüdlingen. Die Eltern hatten eine Landwirtschaft. Da sei er immer mit draußen gewesen. Schon als Bub hat er Raupen gesammelt und gefüttert, bis sie sich zu Faltern entpuppten.

Zwischenzeitlich hat Oskar Jungklaus im Landkreis rund 1200 unterschiedliche Arten von Faltern kartiert. Jedes Jahr kamen auf seinen Touren wieder Neue hinzu, die es bislang noch nicht vor seine Kamera geschafft hatten. Die meisten davon sind Nachtfalter. Was viele nicht wissen: Unter den Schmetterlingen bilden die Nachtfalter die bei weitem größte Vielfalt an Arten.

Zwischenzeitlich ist die Festplatte seines Computers voll mit Bildern von Raupen und Faltern. So entstand die Idee, diese Sammlung in Buchform zu veröffentlichen. Bei der Kreisgruppe des Bund Naturschutz stieß dieser Vorschlag auf offene Ohren. Mittlerweile ist die Arbeit am Buch weit vorangeschritten, erzählt Oskar Jungklaus. Es wird eine umfassende Dokumentation über die Schmetterlingsvielfalt im Landkreis Bad Kissingen, ein richtiger Wälzer. 400 Seiten, schätzt Jungklaus, wird das Werk umfassen. Es werde eine Bestandsaufnahme über die Vorkommen im Landkreis, so der Schmetterlingskundler. "Ich hätte nie gedacht, dass es solche Ausmaße annimmt", sagt Oskar Jungklaus über sein Hobby. Doch neben den reinen Fakten will der Buchautor seine Faszination für diese meist unbekannte Welt der Falter und ihrer Raupen in persönlichen Schilderungen näherbringen.

Diese Welt erschließt sich dem Kenner vor allem in der Nacht. Für seine nächtlichen Erkundungen/Kartierungen in verschiedenen Naturschutzgebiete des Landkreises hat er eine Erlaubnis der Oberen Naturschutzbehörde gebraucht. In der Dunkelheit geht nichts ohne künstliche Lichtquellen. Diese darf er nur mit Genehmigung einsetzen.

Auf Schmetterlingssuche begibt sich Oskar Jungklaus bei Tag und Nacht in unterschiedlichste Naturräume. In den Weinbergslagen um Hammelburg führt er aktuell im Auftrag des Biosphärenreservats eine Kartierung der Großschmetterlinge durch. "Man sieht immer etwas Neues", berichtet er von seinen Entdeckungstouren. Gänsehaut-Erlebnisse sind für ihn nicht nur besondere Sichtungen, sondern auch, wenn in der Nacht der Ruf des Waldkauzes direkt über dem Kopf ertönt oder eine Fledermaus im Lichtkegel der Lampe auf Schmetterlingsjagd geht.

Recht gut sei die Artenvielfalt auf der Reiterswiesener Höhe und in den Schwarzen Bergen. In der Rhön sehe man noch den "Braunen Bär"; er ist heuer der Schmetterling des Jahres und selten geworden. Attraktiv sind die Heidelbeerwälder rund um Bad Bocklet. Denn die Heidelbeere sei für viele Schmetterlinge eine Futterpflanze.

Doch auch im Landkreis ist die Falter-Vielfalt bedroht. In den Waldgebieten sei die Zahl rückläufig, aber der Rückgang halte sich in Grenzen. Viel schlechter stehe es um die Flur. Dort spricht Jungklaus von einem Rückgang von bis zu 90 Prozent. Das Problem daran sei auch: "Es fällt erst einmal nicht auf, wenn was fehlt". Aber das Fehlen der Schmetterlinge bringe das natürliche Gleichgewicht der Lebensgemeinschaften durcheinander. Oskar Jungklaus vermag jedoch nicht zu sagen, ob Falterarten in den vergangenen Jahren im Landkreis ausgestorben sind. Einige hat er allerdings nur ausgesprochen selten gesehen. Den Mönch-Zahnspinner überhaupt erst ein einziges Mal.

Zum Schutz der Schmetterlinge könnten viele einen Beitrag leisten, findet Oskar Jungklaus. Kommunen seien ebenso gefordert wie Privatleute. Gemeinden könnten beispielsweise die öffentliche Beleuchtung reduzieren. Die zunehmende Ausleuchtung von Gärten sei ebenso ein Problem. "Wer Leuchtkugeln aufstellt, weiß gar nicht, was er damit anrichtet", meint der engagierte Naturschützer. Und Schottergärten sind Oskar Jungklaus ohnehin ein Dorn im Auge.

Es wäre wichtig, dass bestimmte Baumarten wieder häufiger in Gärten oder in der freien Natur zu sehen sind: Weiden, Birken und Zitterpappeln nennt Oskar Jungklaus. Diese Bäume fördern die Biodiversität, denn sie sind eine wichtige Futterpflanze. Jetzt im Frühjahr säßen die Kätzcheneulen zuhauf auf den blühenden Weiden. Wer dies erleben möchte, sollte nachts mit Taschenlampe eine Weide inspizieren. Sein Rat an Gartenbesitzer: Wenn im Garten in einer Ecke eine Salweide wild aufgeht, solle man sie einfach wachsen lassen. Die Pflanze sei robust , und im Frühjahr könne man sogar die beliebten Palmkätzchen für den Osterstrauß schneiden.

Das Schmetterlingsbuch soll helfen, die Leser für die Schmetterlinge zu sensibilisieren. Der Kleine Frostspanner ist einer der häufigsten Falter im Wald und auf Obstwiesen. Seine Raupe allerdings ist von vielen Menschen gefürchtet, weil sie - in Massen vorhanden - Bäume kahlfressen kann. Andererseits sei die Raupe aber einer der wichtigsten Nahrungslieferanten für Singvögel, sagt Oskar Jungklaus.

Das Schmetterlingsbuch, das Oskar Jungklaus derzeit im Rahmen eines Projekts der Bund Naturschutz-Kreisgruppe schreibt, wird ein ausführliches Bestimmungsbuch zu Tag- und Nachtfaltern im Landkreis Bad Kissingen sein und auch die entsprechenden Naturräume vorstellen. Mitautoren werden dazu noch die landschaftlichen Besonderheiten vorstellen.

Mitfinanziert wird das Buch von Glücksspirale. Allerdings sucht der Bund Naturschutz derzeit noch Spender, die den Druck des Buches unterstützen. Ab einer Spende von 100 Euro erhalten die Gönner ein Belegexemplar des Schmetterlingsbuches vom Bund Naturschutz, betont Oskar Jungklaus.

Das Buch soll Nachschlagewerk und wichtige Ergänzung zu den Exkursionen sein, die der Bund Naturschutz anbietet, betont Oskar Jungklaus. Der hofft, dass solche Führungen durch die Natur bald wieder möglich sind, da sie ein wichtiger Bestandteil der Naturschutzarbeit sind. Nur was man kennt, wird auch geschützt, ist eine Devise. Deshalb gibt es in der Kreisgruppe seit 2013 ein Aufzuchtprojekt für Raupen an Schulen und Kindergärten, das Oskar Jungklaus ebenfalls begleitet.

Wer eine Spende für das Buch geben möchte, kann diese über die Sparkasse Bad Kissingen auf das Konto der Kreisgruppe (DE 02/7935/1010/0000/0066/43) überweisen (Verwendungszweck: Schmetterlingsbuch).