Große Veranstaltungen, Klinken putzen, der persönliche Kontakt - das ist der normale Wahlkampf-Alltag. Doch jetzt ist Pandemie. So unterschiedlich die Ziele der Parteien sind, in einem agieren sie gleich: Sie müssen ihre Wähler im Internet erreichen.

Grüne verteilen geschickt

So wie Tobias Eichelbrönner von den Grünen. Er ist Sprecher des Kreisverbandes Bad Kissingen und hofft auf kleinere Events gegen Ende des Wahlkampfes, etwa ein Treffen im Biergarten. Bis dahin würde sich die Partei noch an Online-Veranstaltungen probieren: "Wir haben das vorher im Freundeskreis geübt", erzählt der Grünen-Sprecher.

Technische Probleme habe es kaum gegeben. "Aber man muss lernen, wie man es moderiert, wie man die Zeiten einteilt und wie lange jeder reden darf." Den Grünen sei klar, dass sie Online keine großen Wählerschichten erreichen. Daher bieten sie neben dem Flyer auch eine Zeitschrift an, in der Standpunkte der früheren Öko-Partei genauer erklärt seien. Und: "Wir haben uns vorgenommen - so weit möglich - unsere Materialien selbst zu verteilen. Im Sommer, wenn die Leute in ihren Gärten sind." So werde das Verteilen zum Gesprächsangebot.

Manuela Rottmann

, die grüne Direktkandidatin und Bundestagsabgeordnete, geht trotz Corona mit Zuversicht in den Wahlkampf. Sie hat bereits Online Themen mit Gästen besprochen. Sie habe nicht erwartet, dass so viele Menschen das nutzen würden. Um alle anzusprechen, brauche es Präsenzformate. Aber: "Wie kann man eine Präsenzveranstaltung machen, auf der sich die Leute auch wohlfühlen?"

CSU fährt auf Sicht

Auch die CSU hat Online-Treffen erst im kleinen Kreis ausprobiert, sagt Bad Kissingens Bundeswahlkreisgeschäftsführer Detlef Heim. Das habe "super geklappt". Die Treffen will der Kreisverband dann öffnen und auch in der Zeitung werben. Ein Wahlkampf wie 2017 ist ausgeschlossen. Damals hatte die Partei Wahlkampf-Unterstützung von hochrangigen Bundespolitikern - heuer undenkbar.

Was die Partei derzeit umtreibt: "Wie kommt man an die älteren Menschen ran, die derzeit noch nicht vor die Haustüre gehen?" Ganz klassisch würden sie mit Wahlplakaten auf die Staatssekretärin Dorothee Bär aufmerksam machen und Flyer verteilen. "Infostände werden wir machen, sobald es erlaubt ist", sagt Heim. Er hoffe, dass kleine Veranstaltungen in Präsenz möglich seien, die dann gleichzeitig ins Internet übertragen werden. Sollte das alles nicht möglich sein, würden sie über einen weiteren Kandidatenflyer oder ein Prospekt nachdenken.

Direktkandidatin der CSU, Dorothee Bär, möchte "sowohl digitale Angebote, als auch analogen Wahlkampf. Das richtige Verhältnis zu finden, um für die Menschen maximal erreichbar zu sein - das wird die Herausforderung", sagt die Digitalministerin. Denn auch wenn die Lage besser zu werden scheine, müsse man unkomplizierte Kontaktwege finden. "Die einen erreicht man mit den niederschwelligen Online-Angeboten besser, die anderen wegen der fehlenden Präsenz-Veranstaltungen schlechter."

Seit einigen Monaten habe sie virtuelle Fachgespräche organisiert. Zuletzt mit einem Experten für Coronahilfen. "Die Resonanz der Unternehmen aus meinem Wahlkreis war riesig. Dieser direkte und unkomplizierte Kontakt kam sehr gut an. Diese Reihe wollen wir fortsetzen."

SPD lernt dazu

"Wir gehen davon aus, dass es bald möglich ist, Infostände zu machen und sich auf öffentlichen Plätzen zu zeigen", sagt Jan Marberg , Vize-Vorsitzender der SPD Bad Brückenau und Kampagnen-Leiter für den Wahlkampf von Sabine Dittmar. "Wir fahren eine Doppelstrategie, bei der wir auf online und klassischen Wahlkampf setzen."

Dabei bauen sie auf Sabine Dittmars Kompetenz in Gesundheitsfragen. Es sind Online-Events geplant, bei der sie Rede und Antwort steht. Eines davon hat bereits stattgefunden: Ein Facebook-Livestream, bei der eine Moderatorin vorbereitete Fragen an Dittmar stellte.

Währenddessen brachte sie auch Fragen aus dem Live-Chat unter. "Das ist sehr herausfordernd und muss sich noch ein wenig einspielen", sagt Marberg. Beim Online-Bewerben sei noch das Problem, nicht über die eigene Anhängerschaft hinauszukommen - schließlich lebt zum Beispiel bei Facebook jeder in seiner eigenen Blase.

"Wir alle haben im vergangenen Jahr gelernt, uns auf digitalen Wegen auszutauschen, die für viele - teilweise auch für mich - neu waren", sagt Sabine Dittmar, Direktkandidatin für die SPD. Sie sei aber guter Dinge, mit den Menschen bei Veranstaltungen, Tür-zu-Tür-Aktionen oder an Infoständen ins Gespräch zu kommen. Ihr Wahlbus fahre heuer nicht, denn ohne größere Feste braucht es ihn nicht. Natürlich sei der direkte Kontakt besser, als der virtuelle. "Aber es hat sich auch gezeigt, dass wir mit digitalen Formaten oft mehr und andere Menschen erreichen, als mit Präsenzveranstaltungen", sagt sie.

FDP plant zwei Szenarien

Linus Rieß, Kreisvorsitzender FDP Bad Kissingen, ist verantwortlich für den Wahlkampf im Wahlkreis. "Wir haben uns zwei Systeme überlegt", sagt er. In Szenario eins sei ein relativ normaler Wahlkampf möglich, im zweiten gebe es einen Fokus auf den Online-Wahlkampf. "Wir gehen aktuell davon aus, dass wir viele Online-Events machen und die ein oder andere Betriebsbesichtigung, wenn das wieder möglich ist."

Es sei manchmal etwas schwierig, den Wähler zur Teilnahme an Online-Formaten zu bewegen. Daher bewerben sie diese bald verstärkt. Bis dahin tüfteln sie noch: Wie ist es für den Nutzer am einfachsten, wie können die potenziellen Wähler mitdiskutieren - und wer hilft, wenn es eine Panne gibt?

Interne Online-Events klappten bisher hervorragend. Hier beikommen sie Unterstützung vom Fachmann für die Landesebene, der unterfränkischer Parteikollege ist. In diesem Jahr würden sie wieder mehr Plakate kleben - darauf hatten sie im Kommunalwahlkampf wegen des Umweltschutzes verzichtet. Das habe ihnen nicht gut getan. "Wir kommen nicht um die Printmedien herum."

Linke: Print und Soziale Medien

Christian Hänsch ist in der Planungsgruppe des Wahlkampfes der Linken. Er sagt, dass Infostände und Häuserwahlkampf erst Mal auf Eis lägen. Überlegungen zu Online-Veranstaltungen gäbe es. Aber: "Wir werden uns auf Printmedien, Flyer, Plakate konzentrieren müssen."

Claus Scheeres, Direktkandidat der Linken: "Um präsent zu bleiben, versuchen wir, mit Zeitungsartikeln auf uns aufmerksam zu machen." Bisher setze er auf die Sozialen Medien. Doch auch hier da selbe Problem: "Wir haben immer nur einen kleinen Teil erreicht." Dennoch geht er optimistisch in den Wahlkampf.

AfD wirbt - aber mit Augenmaß

Die AfD hat noch die Aufstellung zur Landesliste Bayern vor sich. Das werde Anfang Juni in die Planung gehen, sagt Freia Lippold-Eggen, Direktkandidatin der AfD im Wahlkreis Bad Kissingen. "Wir müssen auf das Budget achten und sehen, ob man Flyer macht oder Plakatwände plant."

Lippold-Eggen: "Es wird vielleicht einige Stände geben. Aber das Wahlgebiet ist groß und so viel Personal haben wir nicht. Wir sind nun mal nicht die CSU." Die AfD würde zielgerichtet machen, was nötig sei. Aber nicht alles, was möglich wäre. "Werbung ja, aber immer mit Augenmaß." In den Wahlkampf geht sie "ziemlich relaxed". Der Mensch wähle, was er wählen will und wo er sich politisch aufgehoben fühlt. Das könne man mit Plakaten und Flyern auch nicht beeinflussen.