Im sogenannten "Müller-Haus" in der Kissinger Straße gab es seit etwa drei Jahren immer wieder Veranstaltungen. Wie Birgitt Waldner, Mitglied des Gemeinderats (CSU) und Vorsitzende der "Freunde des Müller-Hauses" jetzt feststellte, wurde das denkmalgeschützte Anwesen vor kurzer Zeit überraschend verkauft. Damit sind die Hoffnungen oder Visionen "wie eine Seifenblase" geplatzt.
Bis zuletzt hatten Birgitt Waldner und ihre Tochter Julia diese Entwicklung nicht für möglich gehalten. Sie und die anderen Freunde, zu denen auch 2. Bürgermeister Edgar Thomas (CSU) gehört, plädierten dafür, dass die Gemeinde Nüdlingen selbst das "Müller-Haus", eines der ältesten Gebäude der Gemeinde, kauft und die Sanierung unterstützt. Im Jahr 2015 wurde das Haus im Rahmen eines "Tages der offenen Tür" der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Freundeskreis konnte an diesem Tag erweitert werden. Bereits im Vorfeld waren viele Sanierungs- und Ausbesserungsarbeiten vorgenommen worden. Unter anderem wurde die mit einem alten Weinstock begrünte Fassade mit einem hellen Farbanstrich versehen und die elektrische Anlage wieder "auf Vordermann gebracht". Hinzu kamen das Beschaffen eines passenden Holzofens, sowie die Reparatur der defekten Toilette.


Eine Reihe von Veranstaltungen

Birgitt Waldner erwies sich immer wieder als treibende Kraft, wenn es darum ging, Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen. Der gut ein Dutzend zählende Freundeskreis ließ sich von ihrer Begeisterung anstecken und half an allen Ecken und Enden.
Eines der "Highlights" bildete die Einbeziehung des "Müller-Hauses" in die denkwürdige Großveranstaltung des "Bayerisch-Preußischen Fläär 1866". Damals, am 9. und 10. Juli 2016, gab es auf dem Anwesen, vor allem in der ausgeräumten Scheune, ein Feldlager mit kgl. Bayerischen Kavalleriesoldaten, die auch dort verpflegt wurden. Der Eintopf, der auch den Besuchern angeboten wurde, hieß passend "Kavalleriesuppe" und dazu gab es das schwarze Bier aus der Rhön, Most und frisch gebackenes Brot. Der rührige Helferkreis half übrigens auch mit, das Dorf mit Gegenständen aus dem Heimatmuseum zu schmücken.


Weitere Events

Im Rahmen des Fläärfests 1866 fanden im Müller-Haus erste kulturelle Veranstaltungen statt. Beispiele waren das "Wirtshaussingen" oder der Auftritt der urigen "Rhöner Spinnstube". Die Besucher waren begeistert. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde ein "Scheunenkino" mit seltenen schwarz-weiß-Filmen angeboten. Einbezogen waren auch die arabischen Asylbewerber. Sie boten im Obergeschoss des Hauses landestypische Backwaren und Leckereien an. Einbezogen war auch die Vorstellung der "Frederic-Hilfe für Peru", die mit der Familie Wielgoss ihre neuen Kakao- und Teesorten kosten ließ. In der Scheune wurde viel Mühe darauf verwendet, weihnachtliche Spielsachen zu präsentieren.
Voll hinter dem Zukunftsprojekt Müller-Haus stand der 2. Bürgermeister Edgar Thomas, der sich persönlich, auch mit seinem landwirtschaftlichen Inventar, kräftig einbrachte. Jetzt ist er genauso enttäuscht wie seine Ratskollegin Birgitt Waldner und die anderen ehrenamtlichen Helfer.
Wie geht es jetzt weiter?
Als am letzten Wochenende das Haus leergeräumt wurde, konnte die Alternative "Weitermachen oder nicht" noch nicht beantwortet werden. Gelagert werden kann das Inventar zunächst in einem leer stehenden Haus in der Mühlgasse. Doch nach Ansicht von Birgitt Waldner ist dieses Domizil lediglich eine kurzfristige Bleibe. Dem Müller-Haus trauert sie nach. "Wir haben viel Zeit und Kraft hingehängt und wir haben viele gute Ideen gehabt", sagt Birgitt Waldner. Neue Perspektiven sind nicht in Sicht.