Wer Rollator hört, denkt automatisch an gehbehinderte Senioren. Die Kreisverkehrswacht Bad Kissingen mit den Seniorenbeauftragten Edgar Kast und Ann-Kathrin Schmidt, Jugendsozialarbeiterin der Anton-Kliegl-Mittelschule von der gfi, gehen bei diesem Thema einen außergewöhnlichen Weg. Sie führten zum zweiten Mal, bei Schülern der 8. Klasse, die an dem Projekt "Seniorenheim - Dialog der Generationen" teilnehmen, einen Rollatorkurs durch.
Kinder sehen oft, wie sich ihre Großeltern oder ihre Nachbarn mit dem Rollator sehr schwer tun. Diese heben trotz Rückenproblemen den schweren Rollator über den Bordstein oder bleiben mit den Rädern an Kanten hängen. Viele Benutzer kennen sich auch mit den verschieden Bremsen nicht aus und schieben den Rollator in gebückter, ungesunder Haltung vor sich her. Schließlich wagen sich die Senioren nicht mehr aus dem Haus und bleiben nicht mehr mobil.
Bei dem Rollatorenkurs erfuhren die Schüler im theoretischen Teil die Probleme der älteren Rollatorennutzer. Sie erhielten auch wichtige Tipps und wurden über richtiges Verhalten und über die Verkehrssicherheit informiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass Rollatorenfahrer wie jeder andere Verkehrsteilnehmer die Verkehrsregeln zu beachten hat.
Im zweiten Teil der Veranstaltung durften die Schüler mit einem Rollator einen mit vielen alltäglichen Hindernissen gespickten Parcours absolvieren. Die Hindernisse stellten den alltäglichen Gebrauch, wie Bordstein, Teppich, unebener Gehsteig, Treppen usw. nach. Hier merkten die Schüler sehr schnell, dass Rollator fahrende Senioren im Haus, auf dem Gehsteig, vor Treppen oder beim Spaziergang sehr große Probleme haben. Einfaches Schieben reicht nicht aus, und zum Umgang mit dem Rollator gehören auch Übung und Geschicklichkeit. Um jedem Schüler das Gefühl zu vermitteln, welche Bewegungseinschränkungen durch das Alter vorhanden sind, durften sie sogar in einen sog. "Altersanzug" schlüpfen.


Sicher von A nach B

Mit viel Freude und Spaß nahmen die Schüler an dem Perspektivwechsel im aufgebauten Hindernisparcours der Kreisverkehrswacht teil und versuchten sicher mit dem Rollator von A nach B zu kommen.
In der heutigen alternden Gesellschaft ist es für alle Kinder und Jugendliche von großem Vorteil, wenn sie wissen, welche Probleme Senioren mit ihrem Rollator auf den Gehwegen, holprigen Straßen, hohen Bordsteinen und Treppen haben. Wenn sie es noch selbst ausprobiert haben, ist der Synergieeffekt perfekt und gegenseitige Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft garantiert.
Da bei den benutzten Rollatoren auch immer wieder erhebliche technische Mängel festgestellt werden, erläuterte Orthopädietechniker Matthias Albert, Fa. Traub, Bad Kissingen, kurz die einschlägigen Anforderungen (wie Handbremse, Feststellbremse, Handgriffe usw.) eines mängelfreien Rollators.
Nach der Präsentation, den Übungen und den Unterweisungen, verstanden die Schüler aber den Sinn der Veranstaltung sehr schnell. Sie werden die Rollatorennutzer bestimmt mit anderen Augen sehen und eine höherer Bereitschaft entwickeln, einem älteren Rollator-Fahrer in bestimmten Alltagssituationen zu helfen.
Bei Besuchen des Seniorenheimes oder auch zu Hause können die Schüler den Senioren, Großeltern oder Nachbarn die bei der Veranstaltung gezeigten und erläuterten Ratschläge, Hilfen und Tipps für eine sichere Mobilität weitergeben. Zum Abschluss der Veranstaltung und zum Nachweis erhalten die Schüler als Zugabe eine Bescheinigung als "Rollator-Mobilitätsberater". red