Nur wenige Kilometer von seinem Haus entfernt spazieren Elefanten und Giraffen. In der freien Wildnis. Nicht - wie hier in Deutschland - bloß im Zoo. Manchmal begegnet er ihnen. Ein unbeschreibliches Erlebnis. Seit Oktober letzten Jahres aber kein seltenes Erlebnis. Da ist Roland Wiegold nämlich ganz in die Nähe der Tiere gezogen. Botswana ist sein neues Zuhause. Von Heimweh keine Spur.
"Ich wollte schon immer in Afrika leben und arbeiten", erzählt er den anderen Globetrottern beim Rhöntreffen in Nickersfelden. Hier tauschen die Weltenbummler sich aus, erzählen von ihren Reisen, sind unter sich - unter Gleichgesinnten. Die Stimmung ist ausgelassen. Einige haben sich schon längere Zeit nicht gesehen, manche begegnen sich zum ersten Mal. Das macht aber nichts: Hier versteht sich gleich jeder auf Anhieb.
Roland Wiegold aus Rudersberg bei Stuttgart war fast jedes Jahr in Afrika. Jetzt arbeitet der 64-Jährige dort für die Entwicklungshilfe ("Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit") und berät die Regierung in Sachen Industrieansiedlung. Ende nächsten Jahres kommt Wiegold in Rente. "Wenn es mir dann noch so gefällt, bleibe ich trotzdem", ist er sich sicher. Er hat aber auch schon eine passable Alternative, sollte doch alles anders kommen: eine Weltreise.
Deutschland vermisst er keineswegs: "Höchstens wenn es sehr heiß ist. Da sehnt man sich schon nach einem richtigen Winter." In die Heimat zurück kommt er jetzt noch einmal im Jahr. "Das ist dann mein Urlaub", sagt Wiegold. Den verbringt er dann unter anderem bei Landau in der Pfalz, dort besitzt er ein Ferienhaus. "Wenn alle Stricke reißen", sagt er. Danach sieht es zur Zeit aber nicht aus. Er fühlt sich in der Ferne pudelwohl: "Das Leben in Afrika ist lockerer und leichter. Die Leute sind immer gut drauf, da kann es ihnen noch so schlecht gehen", bewundert er die Bewohner Botswanas. Ein paar Brocken "Setswana", die dortige Sprache, beherrscht er bereits.

100 Länder bereist


Globetrotter ist Wiegold schon sein ganzes Leben. Er war schon immer neugierig, wollte schon immer Neues kennenlernen. In den siebziger Jahren bereiste er Asien, Indien und die Türkei, in den achtziger Jahren entdeckte er dann seine Leidenschaft für Afrika. Mit dem Unimog war er in Nord- und Westafrika unterwegs. Insgesamt war er in rund 100 Ländern. Genau kann er es nicht beziffern, er hat nie wirklich mitgezählt.
So geht es in Nickersfelden vielen. Die meisten sind gerade erst von einer Reise zurückgekehrt, andere stehen kurz vor ihrem nächsten Trip. Klaus Schlicht kommt auf ungefähr 60 Länder. So genau weiß er das auch nicht. Der 51-Jährige aus Heppenheim ist seit Neuestem am liebsten mit seinem Sitzrad auf Tour. 2010 war er damit in Westafrika, gefahren ist er von Marokko bis nach Mali. Vier Monate lang. In zwei Jahren hat er dasselbe vor, diesmal aber in Südamerika. "Die Unabhängigkeit und die Freiheit, die du dabei hast, ist einmalig. Du bist für niemanden verantwortlich", schwärmt er. Was er beim "Globetrotten" aber am meisten genießt, ist die Natur: "Du bist ein Teil davon. In dir entwickelt sich eine völlig andere Ruhe und Ausgeglichenheit."

"Show mit Schlips"


Schlicht ist Lkw-Fahrer. Damit finanziert er sich seine Reisen. Zehn Jahre war er außerdem Tauchlehrer in der Dominikanischen Republik. Vorher hat er bei der Bank gearbeitet: "Aber auf diese Show mit Schlips hatte ich keine Lust mehr."
Beide, Wiegold und Schlicht, hängen nicht besonders an Deutschland. Aber was finden sie eigentlich so schlimm? "Der deutsche Druck und der deutsche Verkehr", meint Wiegold. Ganz ähnlich sieht das Schlicht: "Der künstliche Stress und das künstliche Getue." Aber gibt es nicht doch etwas an Deutschland, was sie vermissen? "Vernünftiges Brot", fällt Schlicht ein. Und Wiegold stimmt sofort zu: "Das gute deutsche Brot. Der Maisbrei in Afrika schmeckt nach gar nix."