Erfolgreiche Tafel-Arbeit ist ein Segen für die Bedürftigen, aber auch ein arbeitsreiches ehrenamtliches Engagement für Helfer und Verantwortliche. Über 10 000 Helferstunden wurden im Jahr 2017 bei der Tafel Bad Kissingen geleistet, um durchschnittlich 180 Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen, so Marina Wiesend, Vorsitzende der 107 Mitglieder zählenden Tafel Bad Kissingen.
"Es ist eine ganz besondere Jahreshauptversammlung, denn es sind Neuwahlen", betonte die Vorsitzende in ihrer Begrüßung - und das Besondere im 14. Jahr des Bestehens war, dass man in vorbereitenden Gesprächen niemanden für den 1. Vorsitz gefunden hatte. Auch bei den Wahlen zeigte keiner der anwesenden 37 Mitglieder Interesse an dieser Position. Dagegen wurden die anderen Vorstandsposten zügig und einstimmig gewählt: als stellvertretende Vorsitzende Dagmar Ziegler, als Kassiererin Julia Poeck, als Schriftführer Michael Kollmar, als Beisitzerinnen Ursula Bürger und Hedwig Herrmann. Kassenprüfer blieben Iris Hönig und Christiana Ruppert. Laut Satzung bleibt Marina Wiesend , die eigentlich nicht mehr zur Verfügung stand und den Posten abgeben wollte, nun weiter Vorsitzende der Tafel. Sie kündigte bereits an, in naher Zukunft zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit Neuwahlen als einzigen Tagesordnungspunkt einzuladen.
Ausgeschieden aus dem Vorstand sind Hartmut Großmann, er war seit zwölf Jahren im Vorstand, davon zwei Jahre als Beisitzer und zehn Jahre als Schriftführer sowie Angela Kahle, ein Gründungsmitglied der Tafel Bad Kissingen vor 14 Jahren. Sie war zwölf Jahre stellvertretende Vorsitzende und zwei Jahre Beisitzerin.
Vor den Wahlen standen aber andere Punkte auf dem Programm. Einstimmig genehmigt wurde die neue Satzung, die unter anderem eine Änderung des Vereinsnamens auf "Tafel Bad Kissingen" als bundesweit einheitliche Bezeichnung oder die Einführung einer Ehrenamtspauschale vorsieht. Im Rahmen des Rückblicks ging Marina Wiesend auf die Leistungen ihres Helferteams ein. Die 10 000 Helferstunden verteilen sich auf Tourenzeiten, um die Lebensmittel zu beschaffen, die ansonsten entsorgt werden würden, und auf ca. 6500 Stunden, um die Abgabe im Tafel-Laden vorzubereiten und durchzuführen - alles geschätzt, "denn wir arbeiten nicht nach Stechuhr". Zusätzliche Zeiten sind für Hygieneschulung oder Erste-Hilfe-Kurs erforderlich. Mit den beiden Tafel-Fahrzeugen war man fast 25 000 "unfallfreie" Kilometer unterwegs, um bei regionalen Bäckern, Metzgern und Discountern Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs abzuholen. Da jedoch diese Mengen über die Jahre rückläufig sind, "brauchen wir Logistik-Ware, die direkt von der Industrie als Palettenware kommt", erläuterte Marina Wiesend und betonte: "Solche Mengen bedeuten richtig körperliche Arbeit für die Helfer." Insgesamt sind es 12 bis 15 Tonnen an Grundnahrungs- und Genussmitteln, die man abholt, annimmt, aussortiert und verteilt. Damit versorge man pro Woche ca. 75 "Bedarfsgemeinschaften", wobei dies bedürftige Familien, Ehepaare oder Singles sein können. Insgesamt seien es ca. 180 Bedürftige pro Woche und davon 30 Prozent Kinder. 40 Prozent der Abholer seien Asylanten, wobei die Zahl rückläufig sei. Dankbar sei man den Spendern auch für Aktionen wie "Kauf eins mehr" bei REWE Maßbach, Weihnachtspräsente durch Weinstube Kirchner oder einen "Brunch für Bedürftige" im Kurgarten-Café.
Diese Leistungen schlugen sich im Kassenbericht nieder, der von Julia Poeck vorgetragen wurde, die das Amt erst im Herbst 2017 übernommen hatte. Bei den Einnahmen in Höhe von 46 482 Euro waren die größten Posten die Wocheneinnahmen, weil die Abholer einen bescheidenen Beitrag leisten müssen, und die Spenden in Höhe von 16 000 Euro - letzteres begründet im hohen Ansehen, das die seit 25 Jahren bestehende Tafel-Idee geniest. Bei den Ausgaben von 36 326 Euro waren Personal-, Kfz- und Raumkosten die größten Anteile, aber auch die Kosten für die hygienisch bedingten Umverpackungen schlugen zu Buche. Der Überschuss sei den Spenden zu verdanken und dieser komme den Rücklagen zu Gute. Auch bei den "Versteckten Engeln" waren die Spenden höher als die Ausgaben für besondere Hilfen für bedürftige Kinder, so dass sich auch hier die Rücklagen erhöhten. Dass in der Buchhaltung und in der Kassenführung alles in geordneten Bahnen verläuft, bestätigten die Kassenprüferinnen, so dass die Entlastung einstimmig erteilt wurde.