Ein weltpolitisch denkender, gelegentlich auch provozierender Aktionskünstler war Gunter Demnig (72) schon in seinen Studienjahren. Dass allerdings aus der Verlegung seines ersten, im Jahr 1996 noch nicht genehmigten Stolpersteins in Berlin ein internationales Mammutprojekt und sein Lebenswerk werden würde, habe er vor 20 Jahren selbst nicht ahnen können, verriet Demnig am Samstag in Bad Brückenau in seinem Vortrag am Vorabend der dort folgenden dritten Stolperstein-Verlegung.

Mehrere Anzeigen gegen den Künstler

Im Oktober 1947 in Berlin geboren, studierte Demnig ab 1967 zur Zeit der 1968er Studentenunruhen und des Vietnamkrieges an der Hochschule für bildende Kunst. Schon damals bekam er wegen eines in seinem Atelier von der Straße aus sichtbaren Werkes eine Anzeige: Der junge Kunststudent hatte aus Protest gegen den Vietnamkrieg die Sterne in der US-Flagge gegen Totenköpfe ausgetauscht. Demnig holte sich Rechtsbeistand bei einem damals noch völlig unbekannten Juristen namens Otto Schily (87), dem späteren RAF-Anwalt und Bundestagsabgeordneten. Es sollte nicht die einzige Anzeige oder Androhung eines Strafverfahrens im Leben des Aktionskünstlers bleiben, doch immer kam Demnig mit einem blauen Auge davon.