Normalerweise kümmert sich Köchin Astrid Schmitt mit ihrem Cateringservice darum, dass es Gästen auf Hochzeiten, privaten Feiern und anderen Veranstaltungen kulinarisch an nichts fehlt. Sie bietet Seminare an und hat eigene Kochbücher herausgebracht. Die Kissingerin hat auch schon erfolgreich als Kandidatin an Koch-Shows im TV teilgenommen. Vor kurzem kam eine ganz neue Aufgabe dazu. "Am ersten Adventssonntag hat mich abends Nicoletta Hofmann-Krause vom Förderverein der Sinnberg-Grundschule angerufen", erzählt sie. Der Verein musste quasi über Nacht einen Ersatz für die kurzfristig ausgefallene Schulköchin finden. Sonst hätten rund 90 Schüler am nächsten Tag kein Mittagessen bekommen.

Schmitt bot sofort an, ehrenamtlich einzuspringen. "Meine Kinder sind dort in die Schule gegangen. Es ist eine kleine, familiäre Schule und es war immer ein tolles Miteinander. Ich habe großen Respekt vor dem, was der Förderverein auf die Beine stellt", sagt sie. Coronabedingt habe sie genug Zeit gehabt, sich um die Vertretung zu kümmern. Noch am selben Abend traf sich Schmitt mit Verantwortlichen des Fördervereins an der Schule, um sich mit allem vertraut zu machen: Was ist für die kommende Woche geplant und einkauft? Wie schaut es mit Allergien und Unverträglichkeiten aus, wie viele vegetarische Gerichte müssen zubereitet werden? "Und dann sind wir da gestartet", sagt Schmitt.

Auf Mittagsverpflegung angewiesen

"Für uns war es eine Hiobsbotschaft, dass unsere Köchin kurzfristig erkrankt war", sagt Klaus Lotter, Vorsitzender des Fördervereins und ehemaliger Rektor. Nicht nur, weil die Schüler am ersten Tag ohne Verpflegung dagestanden wären, sondern weil der Verein aus finanziellen Gründen dringend auf die Einnahmen aus der Mittagsverpflegung angewiesen ist. Wären die den Dezember bis zum Lockdown weggefallen, hätte das dem Verein sehr geschadet. Lotter: "Astrid Schmitt hat uns wie ein Engel geholfen, die Versorgung zu überbrücken." Deshalb hat der Verein sie der Redaktion als stille Heldin vorgeschlagen.

Förderverein mit finanziellen Sorgen

Die Schulschließungen infolge der Coronapandemie haben den 300 Mitglieder starken Förderverein im vergangenen Jahr schwer gebeutelt. Elf Mitarbeiter hatte der Verein vor der Krise für die Schule beschäftigt - drei Küchenmitarbeiter, zwei europäische Freiwillige sowie sechs pädagogische Mitarbeiter. Von zwei pädagogischen Fachkräften, die auf Stundenbasis den Unterricht ergänzt hatten, musste der Verein sich inzwischen trennen. "Die Krise hat uns finanziell schwer belastet", berichtet Lotter.

Der Verein bezahlt seine Mitarbeiter und finanziert seine Leistungen vor allem über die Einnahmen aus der Essensverpflegung, über staatliche Zuschüsse, über Mitgliederbeiträge und über Spenden. Dass wegen Corona die Schule im Frühjahr geschlossen hatte und seit Ende Dezember erneut geschlossen ist, reißt eine empfindliche Lücke bei den Essenseinnahmen. Gleichzeitig falle der Verein durch das Raster der staatlichen Unterstützung. Er könne keine Coronahilfen beziehen. Auch Kurzarbeiter-Geld kommt nur in geringem Umfang in Frage, weil für Mini-Jobs keine Kurzarbeit möglich ist. "Die Personalkosten sind gleich geblieben, aber die Einnahmen sind uns weggebrochen", erklärt Lotter.

Hinzu kommt, dass die Essensbeiträge auf das ganze Jahr kalkuliert und abgebucht werden. Der Verein erstattet den Eltern zuviel entrichtete Beiträge zurück. Das bedeute für die Ehrenamtlichen einen großen Arbeitsaufwand. "Die Krise bereitet uns einiges an Kopfzerbrechen", sagt der Vorsitzende. Noch sei der Verein aber solvent. Die Verantwortlichen hoffen, dass ab Mitte Februar der Unterricht und damit auch der Küchenbetrieb unter den entsprechenden Schutzauflagen wieder anläuft.

Es darf auch einmal Currywurst sein

Zweieinhalb Wochen war Astrid Schmitt jeden Tag vier bis fünf Stunden für die Schulküche eingespannt, hat gekocht und sich um die Bestellungen und Einkäufe mitgekümmert. Das Essen hat sie in ihrer Cateringküche zubereitet und dann an die Schule geliefert. So hatten die beiden Küchenmitarbeiterinnen nur die Essensausgabe, nicht aber den Abwasch zu erledigen. "Mir hat es echt Spaß gemacht. Die Kinder sind immer schon gekommen und haben sich gefreut, wenn es lecker duftet. Sie sind dankbar und leicht zufrieden zu stellen", sagt die Köchin. Und was kam auf die Teller? "Ich war etwas freier und musste mich nicht immer an den Essensplan halten. Ich war dann auch kreativ, etwa beim Nachtisch, und ich habe die Kinder gefragt, was sie sich wünschen", erzählt sie. Currywurst natürlich. Aber das ist für Schmitt ok. Ab und zu darf es ungesund sein. Und eine gute Tat schmeckt ja eigentlich immer.

Rund um den Förderverein und die stillen Helden

Ziel Der Förderverein wurde gegründet, um die Lernumgebung an der Sinnberg-Grundschule zum Wohl der Kinder zu verbessern.

Leistungen Der Verein übernimmt die Pausen und Mittagsverpflegung, unterstützt der Schule personell bei der Nachmittags- und Ganztagesbetreuung und kümmert sich um gestalterische Maßnahmen: ein Grünes Klassenzimmer, eine Theaterbühne, Schallschutz, ein Amphitheater sowie eine Fahrradhalle wurden verwirklicht.

Stille Helden gesucht Kennen auch Sie einen "stillen Helden", also einen Menschen, der hinter den Kulissen ehrenamtlich fleißig ist und nicht im Rampenlicht steht? Schreiben Sie uns ihren Vorschlag. Keine Sorge: Wir neh men zu der Person zunächst Kontakt auf und fragen, ob sie für ein Interview zur Ver fügung steht. Datenschutzrechtlich dürfen Sie uns die Daten der/des Vorgeschlagenen nur mitteilen, wenn Sie mit dieser/diesem vorher gesprochen haben und sie/er damit einverstanden ist, dass wir die Daten erhalten. Wir selbst nutzen diese nur zur Kontaktaufnahme.

Kontakt Vorschläge an redaktion.badkissingen@infranken.de.