Die erste volle Hauptsaison seit der Ernennung Bad Kissingens zum Unesco Welterbe hat begonnen und an einer der prominentesten, gastronomischen Örtlichkeiten der Stadt herrscht gähnende Leere: am Kurgarten-Café. Zwar stehen die Sonnenschirme noch draußen am plätschernden Springbrunnen, der nördliche Arkadengang und die angrenzende Terrasse im Kurgartens wirken verwaist - die weißen Tische und Stühle der Außengastronomie sind in Lagern verräumt und es fehlen die Gäste, die ihren Kaffee mitten in der prachtvollen Kulisse von Regentenbau, Arkadenbau, Kurgarten und Wandelhalle trinken.

Der bisherige Betreiber Jochen Wehner hatte im August erklärt, aufgrund der andauernden pandemischen Lage den Pachtvertrag nicht mehr zu verlängern. Seit Ende des Jahres ist das Kurgarten-Café geschlossen, im Februar der Vertrag dann ausgelaufen - wie es weiter geht, dazu gibt es von der Staatsbad GmbH kaum Informationen. Einen Nachfolger, der die 880 Quadratmeter große Lokalität mit insgesamt bis zu 600 Innen- und Außenplätzen bewirtet, ist wohl noch nicht gefunden.

Im Eigentrum des Freistaats

Das Kurgarten-Café gehört baulich zum Regentenbau, ist aber auch mit dem benachbarten Arkadenbau und den dortigen Sälen verbunden. Die historischen, denkmalgeschützten Räume des Cafés befinden sich im Eigentum des Freistaats Bayern, der die vertraglichen Pachtangelegenheiten an die Staatsbad GmbH delegiert hat.

Kurz vor der Schließung im Dezember teilte die Staatsbad GmbH auf Anfrage mit, wegen der Neuverpachtung mündliche Gespräche zu führen.

Diese Verhandlungen haben offensichtlich nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt. Mitte Januar, vier Monate nachdem Wehner seine Entscheidung öffentlich mitgeteilt hat, wurde das Kurgarten-Café "im Regenten- und Arkadenbau, dem Wahrzeichen und kulturellen Herzstück von Bad Kissingen" offiziell ausgeschrieben. Gesucht wird ein Betreiber "mit gastronomischer Erfahrung, um eine moderne, niveauvolle und facettenreiche" Gastronomie anzubieten. Die Staatsbad bietet den Interessenten an, die Pausenbewirtung bei Veranstaltungen zu übernehmen sowie das Exklusivrecht für das Catering im Regenten- und Arkadenbau zu erhalten. Zuletzt konnten auch externe Caterer Veranstaltungen dort bewirten.

Die Ausschreibungsfrist war bis Mitte März gesetzt. Danach soll sich ein Auswahlgremium mit den eingegangenen gastronomischen Konzepten befassen.

Keine detaillierten Infos

Zum Ergebnis der Ausschreibung, zum gegenwärtigen Sachstand der Pächtersuche und zum weiteren Vorgehen verweigert die Staatsbad GmbH eine öffentliche Auskunft. Die Redaktion hat Angaben erfragt dazu, wie viele Bewerbungen eingegangen sind, ob sich aussichtsreiche Bewerber darunter befinden, ob Verhandlungen mit möglichen Pächtern stattfinden, ob die Suche abgeschlossen wurde oder ob eine erneute Ausschreibung nötig wird und wie das weitere Vorgehen ausschaut. Hierauf reagierte die Staatsbad GmbH mit einer kargen Stellungnahme, dass die Ausschreibungsfrist beendet ist und es "Resonanz auf die Ausschreibung" gab. Detailliertere Informationen werden mit Hinweis auf das laufende Verfahren zurückgehalten.

Die Staatsbad GmbH

Hintergrund Die Staatsbad GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Stadt Bad Kissingen und des Freistaats, die die Aufgaben der früheren staatlichen Kurverwaltung wahrnimmt.

Die GmbH arbeitet defizitär und wurde zuletzt mit rund zwei Millionen Euro jährlich aus öffentlichen Geldern von den beiden Gesellschaftern unterstützt.

Für das erste Pandemiejahr 2020 zahlte allein die Stadt Bad Kissingen einen Ausgleich von 1,8 Millionen Euro.

Privatunternehmen im Besitz der öffentlichen Hand, die öffentliche Aufgaben ausüben, unterliegen der behördlichen Auskunftspflicht nach dem Presserecht (BGH-Urteil vom 16. März 2017).