Konrad Haase zündet in Sachen Tischtennis-Karriere die nächste Stufe. Wohlüberlegt übrigens, weil dieser Schritt das Leben des 15-Jährigen ordentlich umkrempeln wird. Die anstehende zehnte Klasse wird der Garitzer nämlich nicht am Bad Kissinger Jack-Steinberger-Gymnasium besuchen, sondern am Gymnasium München-Nord, das auch eine Eliteschule des Sports ist mit angeschlossenem Wohnheim. "Für mich ist das ein logischer Schritt, auf den ich mich freue. Aber einfach gemacht habe ich mir diese Entscheidung nicht. Zu meinen Freunden und meiner Klasse will ich den Kontakt so gut wie möglich halten", sagt Konrad Haase, der an der Platte längst regelmäßig gegen Erwachsene spielt - und zwar auf hohem Niveau.

Um sich künftig mit noch besseren Gegnern messen zu können, wechselte der Youngster aktuell vom Verbandsligisten TSV Brendlorenzen zum Oberligisten SB Versbach II. "Das ist sportlich eine neue Herausforderung", sagt der Linkshänder, der insbesondere sein Aufschlag-Rückschlagspiel verbessern will.

"Konrad ist richtig gut geworden und genial reflektiert. 70 Prozent spielen sich beim Tischtennis im Kopf ab, und am Mentalen haben wir viel gearbeitet. Mein Job war auch, ihm zu zeigen, wie gut er geworden ist", sagt Andrea Voigt, die den sportlichen Weg des Garitzer Buben seit vielen Jahren als Trainerin begleitet und die Karriere-Schritte wohlüberlegt plant. "Konrad ist in seiner Altersklasse der beste Spieler in Bayern, der drittbeste in Deutschland. Der U15-Bundestrainer konnte gar nicht an ihm vorbeikommen", sagt die gebürtige Bad Neustädterin, die beim TSV Bad Königshofen in der 2. Bundesliga gespielt hat und für den Bayerischen Tischtennis-Verband als Referentin arbeitet.

Impulse werden ins Training eingebaut

DTTB-Coach Chris Pfeiffer hatte den Garitzer bei einem Training in Bad Königshofen gesehen und ihn zu Lehrgängen in Frankfurt und Düsseldorf eingeladen. "Das fühlt sich richtig gut an, gegen die Besten meiner Altersklasse zu spielen und zu sehen, dass die auch nur mit Wasser kochen. Die vielen Impulse bespreche ich mit Andrea, die diese dann ins Training einbaut", sagt Konrad Haase, der für die sechstägigen Lehrgänge stets eine Schulbefreiung bekam. Auch im Ausland war der Garitzer schon, in Ungarn bei Kaderlehrgängen mit dem Landesverband.

Eher zufällig war Konrad Haase zum Tischtennis gekommen, "weil ich nach unserem Hallenfußballtraining erst immer zugeschaut und irgendwann von einem Spieler einen Schläger in die Hand gedrückt bekommen habe." In der Familie hatte Tischtennis nie eine Rolle gespielt. "Über Ping-Pong ging das bei uns nicht hinaus. Diesen Weg ist Konrad ganz alleine gegangen", sagt mit Jana Haase die Mutter, die in jungen Jahren auf der Mittelstrecke eine sehr erfolgreiche Leichtathletin war. Und die mit dem anstehenden Wechsel ihres Sohnes nach München sogar eine gewisse Entlastung sieht, weil viele Fahrdienste wegfallen, "auch wenn wir da immer sehr leidensfähig waren."

Training auf dem Dachboden

Über den SV Garitz ging es in den seinerzeit von Andrea Voigt betreuten Nachwuchs des TSV Bad Königshofen, danach samt Trainerin in den Bad Neustädter Stadtteil. "Ich bin dem TSV Brendlorenzen sehr dankbar. Konrad hat sich dort sehr wohl gefühlt und dort einen enormen Leistungssprung vollzogen", sagt Voigt. Die ausgebildete Grundschul-Lehrerin erinnert sich noch gut an die Zeiten, als ihr Schützling beim Garitzer Tischtennis-Spieler Hans-Joachim Hofstetter auf dem Dachboden trainierte. "Konrad hätte nicht viermal in der Woche nach Bad Königshofen fahren können, daher bin ich drei Jahre lang zweimal in der Woche nach Garitz, wo wir viele Stunden mit Einzeltraining verbracht haben. Wir beide sind 'Hofi' jedenfalls sehr dankbar für diese Möglichkeit", sagt Andrea Voigt, die auch künftig bei Punktspielen und Turnieren an der Seite ihres Schülers stehen will.

Mehrere Bayerische Meisterschaften hat der Angriffsspieler, der sogar einen eigenen Ausrüster hat, inzwischen eingeheimst und bereits einen nationalen Titel errungen als Deutscher U15-Meister mit dem TSV Bad Königshofen im Jahr 2019. "Andrea habe ich sehr viel zu verdanken, die zum Beispiel auch meine Trainingspläne ausarbeitet", sagt Konrad Haase, der Timo Boll sowie Bad Königshofens Lokalheroen Kilian Ort als Vorbilder bezeichnet, "weil der Kilian ein super-sympathischer Typ ist".

Von den Profis viel abgeschaut

Von den Bundesliga-Profis hat sich Konrad Haase einiges abschauen können in Sachen Taktik oder bei den Aufschlägen, "wo man beim genauen Hinschauen so viele versteckte Sachen entdeckt, zum Beispiel bei der Rotation des Balls." In München möchte es Konrad Haase bis in den Nationalkader-1 schaffen, wo die besten besten U18-Spieler gefördert werden. Auch äußerlich hat der Garitzer eine Metamorphose durchgemacht, hat sich vom eher ruhigen Typen zu einem Spieler entwickelt, der Emotionen zulässt und sogar gezielt einsetzt. "Man pusht sich und zeigt dem Gegner, dass man da ist. Ich traue mir da jetzt einfach mehr zu."