Der Pressesprecher schwelgt in Erinnerung: "Wir werden uns immer an den 3:0-Sieg in Mainz (8./22) erinnern, da das der allererste Sieg unserer Mannschaft in der 2. Bundesliga war", sagt Olly Wendt. Doch nach einem etwas holprigen Start in die Saison mit drei Niederlagen, hat das Team von Trainerin Aline Beigel seine Form gefunden. "Da wird eine komplett andere Mannschaft nach Hammelburg (3./30) kommen", denkt Trainer Karlovic über die Rheinland-Pfälzer, die als eines von zwei Teams gegen den Meisterschaftsfavoriten SV Fellbach gewinnen konnte. Tags darauf wartet, nach wahrscheinlich kurzer Nacht, ein weiterer harter Brocken auf die Karlovic-Truppe. Dann geht es auswärts gegen das "Team der Stunde" aus Delitzsch (5./25). Die Mannen aus dem Norden Leipzigs haben nach ebenfalls durchwachsenem Saisonstart seit Wochen einen Run mit vielen Siegen in Folge, darunter der Erfolg im Sachsenderby gegen Meisterschafts-Aspirant L.E. Volleys vor Wochenfrist und der damit verbundene Sprung vom elften auf den fünften Platz.

Indizien dafür, dass man auch den Saalestädtern gerne die Grenzen aufzeigen will. Dabei gilt es vor allem die Hinspielniederlage wettzumachen. "Auch Delitzsch hat im Vergleich zu der frühen Saison mittlerweile mehr Breite im Kader", weiß Karlovic, der zu der Mammutaufgabe am Wochenenden allerdings anmerkt: "Du kannst dich gar nicht in gleicher Form auf zwei Topspiele an zwei Tagen vorbereiten." Somit liegt der Fokus der Aufsteiger von der Saale klar auf dem Heimspiel am Samstag. "Wir freuen uns natürlich wieder auf ein volles Haus und hoffen, durch einen Erfolg die nötige Motivation für die Sonntagsreise nach Delitzsch zu tanken", so Karlovic.
"Das wird eines der schwierigsten Wochenenden überhaupt", denkt Hammelburgs Multitalent Lukas Spachmann, der bekanntlich das Libero-Zepter übernehmen wird von Aaron Dettner, der auf Grund eines Auslandsaufenthaltes das letzte Mal vor heimischem Publikum aufläuft. "Aaron hat eine super Saison gespielt. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich niemals gedacht, dass er so schnell Topleistungen in der Bundesliga abrufen kann", holt Karlovic noch einmal zum Ritterschlag aus.

Zeitig aufbrechen wollen die Frauen des TV/DJK Hammelburg (7./9). Macht Sinn. Der Winter ist schließlich zurück, und die Strecke weit. Zum SV Esting (9./5) nahe Fürstenfeldbruck geht die Reise, und damit ins Oberbayerische. Diesmal wird sogar in der Nähe übernachtet, weil am Sonntag schon wieder die ganze Frau gefordert ist mit dem Gastspiel beim TV Planegg-Krailling (8./7), ganze 30 Kilometer vom ersten Spielort entfernt. "So was ist immer gut fürs Teambuilding", findet Olli Möller. Das logistisch womöglich einzige Problem für den TV/DJK-Trainer ist die Verfügbarkeit des Vereinsbusses, den man sich mit den Zweitliga-Herren teilen muss. "Allerdings können wir in dieser Saison auf unsere Sponsoren vertrauen, die uns immer wieder mit Fahrzeugen aushelfen."
Sieg und Niederlage hatte es gegen die Wochenend-Gegner in der Vorrunde gegeben. "Die 1:3-Niederlage gegen Esting kann immer noch keiner so richtig verstehen. Das war von beiden Mannschaften kein souveränes Spiel, und dann war es auf einmal auch schon vorbei", so Möller. Gegen Planegg-Krailling hatten Hammelburgs First Ladies im Hinspiel den einzigen Tiebreak-Sieg geschafft. "Das Wochenende kann richtungsweisend sein. Wir werden alles geben, um möglichst viele Punkte einzufahren", sagt Möller, der auf Christin Heim verzichten muss, die von Carina Keilholz vertreten wird. Mit kleineren Blessuren schlagen sich Christine Fell und Laura Schmitt herum.

Den Aufstieg am grünen Tisch haben die Hammelburger übrigens noch zu keiner Phase der Saison bereut, zumal nur der Tabellenletzte absteigt "Wir haben in neun Spielen neun Punkte geholt. Ich sehe uns vollkommen berechtigt in dieser Liga, die sicher kein zu großer Schuh für uns ist", sagt Möller. "Und hätten wir einige Tiebreaks mehr gewonnen, stünden wir noch besser da." So wie im jüngsten Spiel gegen den Zweiten vom TV Altdorf, als den Saalefrauen nur ein Quäntchen Glück zu einer noch größeren Überraschung gefehlt hatte. "Es war ein super Spiel und ein super Kampf. Ich war stolz auf meine Mannschaft, die sich sehr teuer verkauft hat. Auch mit dem einen Punkt war für uns das Glas definitiv halbvoll gegen einen starken Gegner."


Interview mit Lukas Spachmann


Lukas Spachmann kommt aus einer Volleyballerfamilie und begann mit zehn Jahren beim TSV Eibelstadt das Volleyballspielen. Dort lernte er auch Felix Bendikowski kennen. Mit 13 ging Lukas Spachmann zum TV Mömlingen, wo der heute 26-Jährige Bayern- und Regionalliga spielte. Vor vier Jahren hat der TV/DJKler ein Studium in Würzburg begonnen, seitdem spielt er in Hammelburg.

Lukas, Du übernimmst von Aaron Dettner die Position des Abwehrchefs. Wie ist das mit der Umstellung und was sind die größten Unterschiede zum Angreifer?
Lukas Spachmann: Um ehrlich zu sein, tue ich mir sehr einfach, da ich die Position schon oft und lange in verschiedenen Vereinen gespielt habe. Ein bis zwei Sätze braucht es, um die Automatismen vom Außenangriff abzustellen, aber das haben wir in der Vorbereitung auf die Rückrunde schon erledigt. Der größte Unterschied ist die Aufgabe der Organisation der Abwehr vor allem in sogenannten "Dankeball-Situationen" und das Aushelfen im Zuspiel aus der eigenen Abwehr. Das ist einfach Zuständigkeitsbereich des Liberos.

Was unterscheidet Dich in der "Interpretation" der Libero-Rolle von Aaron, sprich wo liegen Deine, wo sind seine Stärken/Schwächen? Was machst Du "anders"?
Es ist immer schwer, sich selber einzuschätzen, aber ich halte meine untere Annahme für stabiler, dafür ist Aarons obere Annahme und sein Zuspiel erheblich besser. Das kommt natürlich von seiner langen und erfolgreichen Karriere als Zuspieler (lacht).

Du bist der "Allrounder" im Team, kannst auch in der 2. Liga von Angreifer über Libero bis hin zu Zuspieler alle Positionen einnehmen. Ist das eher Fluch oder Segen?
Ich sehe es absolut als Segen an! Die sehr gute technische Ausbildung beim TV Mömlingen macht es möglich.

Solltest Du mal nicht zur Verfügung stehen können, wer würde dann das Liberotrikot überstreifen?
Ich denke mal Lorenz (Karlitzek), der in der Annahme im vergangenen Jahr immer besser geworden ist und mittlerweile diese Verantwortung auch gut übernehmen kann.

Mal ehrlich, hast Du wirklich Spaß an der Libero-Position oder ist es notwendiges Übel?
Natürlich habe ich auch Spaß an der Libero-Position. Meine Mannschaftskollegen wissen, dass ich am liebsten Außenangriff spiele, aber in diesem Team hätte ich auf jeder Position Spaß und ich freue mich, dass ich in solchen Situationen aushelfen kann.

Lukas, wo siehst Du Dein Team am Ende dieser bisher so sensationellen Saison?
Wir haben unser Saisonziel bereits übertroffen, über den Klassenerhalt müssen wir uns kaum mehr Sorgen machen. Jeder Sieg, der jetzt noch kommt, ist nun ein Bonus. Ein Platz unter den ersten Drei wäre allerdings traumhaft.

Abschließend noch ein paar Worte zur derzeitigen Volleyball-Euphorie in Hammelburg?
Es ist Wahnsinn, unsere Heimspiele sind mittlerweile zu einem sozialen Event geworden. Und dass viele Nicht-Volleyballer in die Halle kommen finde ich richtig gut. Die Atmosphäre ist super, in der Hinrunde habe ich bei keinem Auswärtsspiel etwas Vergleichbares gesehen. Bei Spielen, die auf der Kippe standen, haben uns die Zuschauer schon oft die Punkte gesichert.
Das Gespräch führte Olly Wendt