Training statt Testspielreise: Eigentlich wollten die Landesliga-Kicker des FC Fuchsstadt vergangenen Sonntag in der Vorbereitung beim 1. FC Gelnhäuser Fußballclub 03 antreten, der in Hessen in der siebten Liga spielt. Daraus wurde nichts. Die Absage zeigt deutlich, wie stark Corona und widersprüchliche staatliche Regelungen dazu das fußballerische Leben einschränken.

Um es klar vorweg zu sagen: Die Absage des Testspiels hatte nichts direkt mit der Pandemie zu tun. Laut Fuchsstadts Trainer Martin Halbig stand einfach der Platz des FC 03 nicht zur Verfügung, war wohl belegt.

Und hier kommt Corona doch ins Spiel. Denn Halbig hätte die Gelnhäuser als Alternative gern zum Test an den heimischen Kohlenberg eingeladen. Was aber auch nicht klappt.

Denn die bayerische Staatsregierung hat in ihrer Verordnung zum Infektionsschutz verfügt, dass "auf bayerischen Boden nur zwei bayerische Mannschaften gegeneinander antreten" dürfen. So bestätigt es Fabian Frühwirth, Pressesprecher des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) auf Nachfrage.

Testen in Hessen erlaubt

Übrigens: Dass eine Mannschaft aus Bayern in Hessen testet, bleibt erlaubt. Frühwirth zufolge fahren Mannschaften aus dem Freistaat für Freundschaftsspiele auch nach Baden-Württemberg, Thüringen, sogar ins Ausland nach Österreich oder Tschechien.

Auch die Fuchsstädter waren in der Sommer-Vorbereitung schon in Hessen. Vor reichlich zwei Wochen fuhren sie nach Thalau im Landkreis Fulda, kurz hinter der Landesgrenze.

Martin Halbig staunte, was dort alles erlaubt war. Nicht nur, dass Zuschauer zugelassen waren. "Sie hatten sogar einen Außenverkauf offen, mit Bratwurscht und Getränken." Die Hygienevorschriften seien ähnlich wie in Bayern, würden aber etwas lockerer gehandhabt, beschreibt der Trainer seinen Eindruck. Fußball mit Besuchern und Bewirtung - das wäre auch am Kohlenberg möglich, glaubt der Fuchsstädter Trainer. "Wieviel Zuschauer kommen zu so einem Testspiel - vielleicht 50? Das wäre kein Problem, wenn sich die Leute diszipliniert verhalten."

Diese Meinung vertritt auch der BFV. Bis zu 400 Zuschauer sollen künftig bei Spielen erlaubt sein; die Behörden vor Ort sollen nach individueller Prüfung sogar mehr zulassen dürfen. So die Forderung des Verbandes (wir berichteten).

"Wichtig ist, dass mit gleichen Maßstäben gemessen wird", sagt Fabian Frühwirth. Er vergleicht den Ballsport mit der Kulturszene. Bei Konzerten seien mehrere Hundert Zuschauer zugelassen, im Fußball überhaupt keine. Dabei gebe es selbst für Trainingsspiele ein Hygienekonzept. Die Nachvollziehbarkeit sei gegeben, dass, wenn sich jemand mit Covid-19 infiziere, ihn auch herausfiltern könne.

Ungleichbehandlung

In Hessen dürften Besucher aus dem Bayerischen auf Konzerte gehen und umgekehrt genauso. Aber beim Fußball funktioniere zumindest Letzteres nicht. "Wir wollen das, was Andere auch haben", sagt der BFV-Pressesprecher mit Blick auf die beschriebene Situation.

Auch wenn Martin Halbig etwas neidisch auf die Freiheiten in Hessen blickt: In einer anderen Hinsicht möchte er nicht mit den Fußballern dort tauschen. In der Gruppenliga Fulda spielen die Gelnhäuser mit 20 anderen Teams. Das bedeutet 40 Saison-Partien im Zeitraum von 4. September bis Mai 2021. "Das und die damit verbundenen vielen Englischen Wochen sind für Amateure nicht zumutbar."

Da lobt sich der FC-Trainer das entspannte Ausklingen der ausgesetzten Landesliga-Saison 2019/20 in Bayern mit nur noch zwölf Begegnungen. "Selbst wenn wir erst im Oktober wieder anfangen, bringen wir die Spiele locker durch."