Eine Prise Humor darf bei aller Seriosität nicht fehlen im Reich der Wertungs-Richter. Bruno Six, Gerhard Moser und Dieter Hesselbach residieren auf einem Turm - und sind dennoch mittendrin auf der Steige, dazu bestens vernetzt. Von jedem der etwa 20 Hindernisse bekommen die Drei über Funk Rückmeldungen über die dort eingeteilten Helfer. Informationen, die umgehend über die Lautsprecher wieder hinaus aufs Reitsport-Gelände gehen.

"Es kommt schon vor, dass ein Geländeritt den Reiter mehr fordert als das Pferd. Das merkt man, wenn dieser nach einem Sprung regelrecht in den Sattel plumpst", bemerkt Gerhard Moser, der wie seine Kollegen an diesem Wochenende auch Noten in der Dressur und im Spring-Parcours vergeben wird, und damit in allen drei Teilen der Vielseitigkeit.

Der Tierarzt hat das letzte Wort

Maximal zwei Reiter sind parallel unterwegs auf der drei Kilometer langen Naturstrecke, mit einem gehörigen Sicherheits-Abstand. Angesichts der gewaltigen Sprünge sind einige wenige Stürze nicht zu vermeiden, die allesamt glimpflich ablaufen. Vor dem abschließenden Springen wird vom Tierarzt jedes Pferd begutachtet. Bei allem Anspruch an die sportliche Leistung: Das Wohl der Tiere steht über allem.

Dafür sorgt nicht zuletzt Bernd Petruschke. "Wir wollen fordern und fördern. Die Pferde sollen motiviert werden, aber es muss die nötige Vorsicht walten, weshalb es bei einem Geländeritt immer Erholungsphasen braucht", sagt der erfahrene Parcours-Bauer, der in Hans Steger, dem technischen Delegierten, einen kompetenten Partner an der Seite weiß.

Für Petruschke ist die Veranstaltung eine Herzensangelegenheit. "Ich bin hier schon als 20-Jähriger geritten. Dass ich in diesem wunderbaren Gelände Parcoursbauer sein darf, ist eine große Ehre für mich", sagt der 57-Jährige, der für diese Tätigkeit eine spezielle Ausbildung benötigt. "Die Hindernisse den natürlichen Begebenheiten anpassen. Und so manchen Sprung von früher aus dem Dornröschenschlaf wecken", will der selbstständige Kaufmann aus Bruchköbel im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Ein intensiver Austausch mit dem "Bautrupp" des RFV Sulzthal um seinen Vorsitzenden Franz Menig samt diverser Streckenbesichtigungen versteht sich von selbst.

Viele Komplimente

Der Veranstalter selbst darf auf ein rundum gelungenes Turnier zurückblicken. "Wir haben bei der Organisation und Ausrichtung als Team richtig gut funktioniert. Das Feedback war sehr positiv. Die Teilnehmer waren einfach nur froh, dass wieder was stattfinden konnte. Gelobt wurde vor allem die Geländestrecke mit den attraktiven Hindernissen", sagt Theresa Schießer aus dem RFV-Vorstand.

Enttäuscht waren wohl lediglich die Reitsport-Fans, unter anderem aus dem thüringischen Schmalkalden, die aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht auf die Steige durften. Nur Offiziellen sowie Begleitpersonen der Akteure war dies gestattet.

Gold, Silber und Bronze

Sportlich lief es nicht minder gut für den Reit- und Fahrverein in den zahlreichen Wettbewerben mit unterschiedlichen Anforderungen. Für Juniorin Sophia Frank gab es zweimal Gold in der fränkischen Meisterschaft sowie in der Wertung für die bayerische Junioren-Meisterschaft. In diesen beiden Wettbewerben holte sich Ronja Schmittfull jeweils die Silbermedaille. Dieses Duo startet am Wochenende übrigens für das Viererteam aus Bayern bei den deutschen Pony-Meisterschaften der Vielseitigkeit in Wahlsdorf-Liepe nahe Berlin.

Zudem gab es fränkisches Bronze für Antonia Fürst und einen guten fünften Platz für Kristina Ehrlich. In der Mannschaftswertung schnappte sich der RFV Sulzthal Silber. Der Sieg ging an die MT Haßfurt-Rodach, die damit das Vorrecht auf das Ausrichten der nächsten fränkischen Meisterschaft besitzt.

Ein mutiges Gespann

Zarte 15 Jahre alt ist Sophia Frank - und dennoch eine erfahrene Reiterin, die fast täglich ihrem Hobby nachgeht. "Sophia hat schon im Sattel gesessen, noch ehe sie laufen konnte", sagt Mutter Stephanie. Nervosität? Die lässt sich die Schülerin am Schweinfurter Celtis-Gymnasium nur selten anmerken. Erst recht nicht im Sattel von Lord Locksly. Das bayerische Warmblut, zwölf Jahre alt, ist ein echter Allrounder. "Lord Locksly, selbst gezogen und von uns ausgebildet, hat keine Angst vor Hindernissen und liebt das Gelände genau so wie Sophia", sagt Stephanie Hümmer-Frank.

Zu den Siegerehrungen hatte sich zur Freude des RFV reichlich Prominenz eingefunden. Allen voran Staatssekretär Gerhard Eck, dessen Tochter Reiterin ist, sowie Landrat Thomas Bold und Gabriele Dehmer, 2. Bürgermeisterin der Marktgemeinde. Den Reitsport vertraten Jutta Leitherer, Vorsitzende im Verband der Reit- und Fahrvereine Franken, sowie Hannelore Grau, stellvertretende Landesjugendleiterin des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes.

Feierabend hatten die RFV-Mitglieder erst mit Verzögerung. Erste Aufräumarbeiten begannen am Sonntagabend; für den Rückbau des Geländes brauchte es aber noch den Montag und Dienstag. Ruhe ist also wieder eingekehrt, die aber von nicht allzu langer Dauer sein dürfte. "Es kamen diverse Anfragen, ob man sich unsere Anlage auch mieten kann, für Lehrgänge beispielsweise", sagt Theresa Schießer. Auch so kann Lob aussehen.

Wertungen Für die Bayerische Meisterschaften wurden in Sulzthal Titel vergeben für Junge Reiter, Junioren I, Junioren II und Pony. Für die Fränkischen Meisterschaften wurden die Disziplinen Reiter, Junge Reiter, Junioren und Pony angeboten.

Team Mannschafts-Silber holten für den RFV Sulzthal Anouk Wächter und Antonia Fürst in der Dressur, Laura Schaupp und Frank Huyskens im Springen sowie Sophia Frank und Emily Behr im Gelände. Für Team II (4.) waren am Start Franziska Wolf, Kerstin Bühner (Dressur), Martina Kohlhepp, Emil Menig (Springen), Ronja Schmittfull, Stephanie Wagner (Gelände).