Internationale Klasse beim Rimini-Cup: Das kennen die Zuschauer vom Turnier in Hausen bei Bad Kissingen seit Jahren. Doch fast hätte es nichts zu sehen gegeben für die Fans des hochklassigen Jugendfußballs. Denn das Wetter machte den Spielern und Verantwortlichen am Samstag einen Strich durch die Rechnung.


Unwetter über Hausen

"Der ganze Platz stand unter Wasser", sagt Wolfgang Lutz, Vorstandsvorsitzender der TSVgg Hausen. Das Spiel Zenit St. Petersburg gegen den FC 05 Schweinfurt musste abgebrochen werden. "Wir haben die Feuerwehr und die Stadt angerufen, ob wir Saugpumpen haben können. Wir haben Löcher gegraben, damit das Wasser abfließt. Viele haben geholfen und das Wasser sogar mit Bechern abgeschöpft", sagt Lutz. Das Abpumpen dauerte sehr lange, bis 22 Uhr standen die Helfer und Lutz auf dem Platz. An Fußball war nicht mehr zu denken. "Die Spieler waren sehr enttäuscht. Kopenhagen wollte eigentlich abreisen. Aber ich konnte sie doch noch überzeugen, zu bleiben." Nicht nur für die Spieler war der erste Tag gelaufen, auch auf die Einnahmen wirkt sich ein früher Abbruch natürlich aus.


Ein neuer Versuch

Am Sonntag rollte der Ball wieder. Die ausgefallenen Spiele wurden durch Elfmeterschießen nachgeholt, während Wolfgang Lutz die ganze Zeit das Wetterradar beobachtete. Und diesmal hielt es. Den Plan durcheinander gewirbelt hatte das Unwetter trotzdem. Das bekamen auch die Damen, die die Spieler und Trainer verköstigten, zu spüren. "Das Abendessen musste am Samstag vorgezogen werden, aber wir und unser Koch haben die Ruhe behalten", sagt Sandra Lutz. Bei all dem Stress behalten sie und ihre Helferinnen Sabine Primack und Larissa Klamann immer ein Lächeln auf dem Gesicht. "Die Kinder geben einem ja auch immer ein Lachen zurück", sagt Sandra Lutz. Vom Fußball auf dem Platz kriegen die Küchenfeen wenig mit. "Aber man macht es gerne für den Verein", sagt sie.


Kein reines Jungs-Turnier

Zum ersten Mal seit 29 Jahren nahm auch ein Mädchen am Turnier teil: Jule Dickmeis vom FC 05 Schweinfurt. "Das ist eine klasse Sache", sagt Schiedsrichter Alexander Arnold. "Ich war total überrascht, als ich sie in der Startaufstellung gesehen habe. Ich hoffe, dass sie es schafft, irgendwann in der Frauenbundesliga zu spielen." Arnold ist seit 2010 jedes Jahr beim Rimini-Cup dabei. "Es gibt bei den Vereinen aus anderen Ländern natürlich Unterschiede zu Mannschaften aus Deutschland. Da herrscht eine ganz andere Mentalität und anderes Temperament." Die Mexikaner zum Beispiel verhalten sich bei Fehlschüssen wie etwa einem verschossenen Elfmeter sehr sozial, bauen sich gegenseitig auf.

Die Spieler vom FC Zenit St. Petersburg spielen mehr als Mannschaft, bei Hertha BSC sind einzelne Individualisten im Team, die sehr gut spielen, aber gegen Zenit nicht durchkommen. Die Russen spielen schnörkellos und einfach und kamen so zum Erfolg im Platzierungsspiel. Es wurde der siebte Platz nach einem 5:0 gegen die Hertha. "Bei diesem Spiel war ich sehr zufrieden, aber wir hätten mit einem höheren Platz im Turnier gerechnet", sagt Zenit-Spieler Ivan Sawitskiy, der mit dem Elfmeterschießen hadert, den Rimini-Cup aber gut gelungen und Bad Kissingen schön findet. In Ivans Heimat findet in vier Tagen die Fußball-Weltmeisterschaft statt. "Ich hoffe, Russland schafft es aus der Gruppenphase", sagt Ivan Sawitskiy. "Mein Vater hat mich hier in Deutschland angerufen und mir gesagt, dass er noch Karten für ein Spiel in St. Petersburg bekommen hat." Damit geht für ihn ein Traum in Erfüllung.


Titel nicht verteidigt

Ein deutscher Gruppengegner der A-Nationalmannschaft war auch in Hausen vertreten: Die U14-Nationalmannschaft aus Mexiko. Doch dieses Mal lastete mehr Druck auf dem Titelverteidiger, der noch dazu mit einem jüngeren Kader als im vergangenen Jahr angereist war. Das merkte man auch im Finale: Die Mexikaner verloren ihr Endspiel gegen die Bayernauswahl mit 0:2. "Das ist eine Überraschung, aber wir freuen uns trotzdem", sagt Wolfgang Lutz. Auffällig in dem Spiel war vor allem Micha Bareis vom FC Bayern, der beide Tore schoss.

Neuling Kopenhagen erspielte sich den dritten Platz mit einem 3:2-Sieg über Austria Wien. "Dieses Turnier steckt voller Überraschungen", sagt Kaiserslauterns U15-Trainer Aymen Baffoun. Sein Team machte den fünften Platz mit einem 11:1 gegen den FC 05 Schweinfurt. "Wir sind das erste Mal beim Rimini-Cup und konnten am Freitag noch ein bisschen durch Bad Kissingen laufen." Sehr idyllisch findet es Kaiserslauterns Sechser Aaron Basenach in Bad Kissingen. Torwart Leon Hoffmann sagt: "Hier sind alle sehr nett." Generell fühlt sich der 1. FC Kaiserslautern wohl in Hausen. "Das Turnier ist gut organisiert. Wir müssen ein großes Lob an unseren Mannschaftsbetreuer Jochen aussprechen, aber auch alle anderen hier kümmern sich gut um uns", sagt Aymen Baffoun. Die TSVgg Hausen stellt jeder Mannschaft einen Betreuer zur Verfügung, der sie durch das Turnier begleitet und Ansprechpartner bei Fragen oder Problemen ist.

Probleme hatte der 1. FC Kaiserslautern mit keiner anderen Mannschaft. "Die Mexikaner sind die Fairsten hier, die diskutieren zum Beispiel nicht", sagt Torwart Leon Hoffmann. Auch die A-Mannschaft wird bei der WM auf Mexiko in der Gruppenphase treffen. Leon Hoffmann, der bereits bei einem DFB-U15-Lehrgang war, tippt: "Wir sind zwar eine Turniermannschaft, aber ich denke, dass wir spätestens im Viertelfinale raus sind. Ich hoffe aber schon, dass wir noch weiter kommen." Zur Torwart-Frage im deutschen Team sagt der 15-Jährige: "Marc-André ter Stegen hätte es schon verdient, im Tor zu stehen, aber Manuel Neuer hat einfach eine unfassbare Ausstrahlung."

Der Termin für den nächsten Rimini-Cup steht bereits fest: Am Wochenende vom 24. bis 26. Mai 2019 gibt es in Hausen wieder internationalen Fußball. Aber nur, wenn das Wetter mitspielt, versteht sich.