Dass Torhüter bisweilen gute Feldspieler abgeben, ist spätestens seit Manuel Neuers Ausflügen bekannt. Aber ein Stürmer, der eigentlich Verteidiger ist und in der Bezirksliga im Tor steht - das gibt es nur beim FC Thulba. Zum Rückrundenstart in Westheim hütete René Leurer das Tor der Frankonen. Und spielte zu Null. Im Interview erzählt der 26-jährige Sägewerksmeister, wie es dazu kam, wie es sich im Tor anfühlte und auf welcher Position er künftig spekuliert.

Herr Leurer, hätten Sie gedacht, dass Sie mal in der Bezirksliga im Tor stehen?

René Leurer: Wenn mir das jemand gesagt hätte, ich hätte ihn ausgelacht.

Wie kam es dazu, dass Sie im Tor aufgestellt wurden?

Zu Beginn der Saison hatte sich unser erster Torwart Daniel Neder verletzt; er fällt mit Schienbeinbruch aus. Unser zweiter Torwart Alexander Büchner hat über die Winterpause Probleme am Ellenbogen bekommen. Er konnte die Vorbereitung nicht mitmachen. Das Training vorm ersten Rückrundenspiel musste er abbrechen. Also hieß es für mich: Debüt im Tor in der Bezirksliga.

Aber wie kam Spielertrainer Victor Kleinhenz gerade auf Sie?

Bevor ich in Obereschenbach war, hatte ich in Wartmannsroth Fußball gespielt. Dort war Victor schon mal mein Trainer. Er hat mich in einem Kreisklassen-Spiel gegen Oehrberg eiskalt ins Tor gestellt, weil auch damals ein Keeper fehlte.Von daher wusste er natürlich, dass er mich auf dieser Position einsetzen kann. Als er mich jetzt fragte, habe ich mich sofort bereiterklärt.

Hatten Sie nicht Bammel, als "ungelernter" Torwart in der Bezirksliga anzutreten?

Natürlich hatte ich ein bisschen die Hosen voll. Aber ich habe ja die Rückendeckung der Mannschaft und vor dem Westheim-Spiel mit Bernd Ließ einige Einheiten im Tor absolviert. In den vier Spielen der Vorbereitung gegen den TSV Aubstadt und die U19 des FC 05 Schweinfurt, gegen Schwebenrieth und Retzbach, stand ich auch schon im Kasten, um Spielpraxis zu sammeln. Ich war also vorbereitet.

Und wie haben Sie es dann empfunden, Ihr Bezirksliga-Debüt? Immerhin verfügt der FC Westheim über eine tolle Offensive.

Ich hatte schon ein flaues Gefühl im Bauch, weil ich wusste, was zum Beispiel mit Andi Graup, David Böhm oder Yanik Pragmann auf einen zukommt. Im Hinterkopf hatte ich auch, dass man vielleicht den Fehler macht, durch den die Mannschaft verliert. Aber meine Vorderleute haben sich in alles reingeschmissen, was auf mein Tor gekommen wäre.

Dann war es für Sie also ein ruhiger Nachmittag?

Ja. Die ganze Mannschaft hat vom ersten bis zum letzten Mann wenig Chancen von Westheim zugelassen. Da gab es einen Freistoß von David Böhm, in den Maxi Heinrich seinen Kopf reingehalten hat. So musste ich nur einen Schuss von Pragmann aus spitzem Winkel und einen Schuss von Fabian Martin parieren.

Haben Sie als neuer "1. Keeper" in Westheim auch die Nummer 1 auf dem Rücken getragen?

S chon. Aber eigentlich verfüge ich nicht über ein eigenes Torwart-Trikot. Ich trage quasi die Montur von Alex Büchner auf.

Stehen Sie auch im nächsten Bezirksliga-Spiel wieder im Tor?

Das kann ich nicht sagen. Alex Büchner hat unter der Woche mittrainiert. Die Trainer müssen entscheiden, ob ich im Tor oder im Sturm aufgestellt werde oder auf der Bank Platz nehme. Ich werde die kommenden Wochen weiter im Torwarttraining drinbleiben, bis die Trainer entscheiden, dass Alex Büchner wieder zwischen den Pfosten stehen soll. Dann werde ich wieder mit den Feldspielern trainieren und meinen Platz im Sturm anmelden. Das habe ich meinem Konkurrenten Lorenz Heim auch gesagt: Wenn ich fit bin, möchte ich spielen.

Würden Sie lieber als Stammkraft im Tor oder in Teilzeit im Sturm antreten?

Am liebsten wäre mir draußen, als Verteidiger. Aber wenn der Trainer sagt, dass ich auf die oder die Position passe, akzeptiere ich das. Fußball ist ein Mannschaftssport. Da kann nicht jeder machen, was er will.

Als Torhüter muss man heutzutage ein guter Fußballer sein und in Ihrem Fall auch umgekehrt. Wie haben Sie das gegen Westheim erlebt?

Ich bin schon mit eingebunden worden ins Spiel. Ich kann ja einen sauberen Pass hinten rausspielen, weil ich das als Verteidiger kenn'. Es ist ja ein großer Vorteil, wenn man einen mitspielenden Torhüter hat. Da kommt einem auch die neue Regelung entgegen, dass man als Keeper beim Abstoß den Feldspieler jetzt auch im Strafraum anspielen kann.

Sie sind vor der Saison aus Obereschenbach zum höherklassigen FC Thulba gewechselt. Wie lief die Saison für Sie bisher?

Eigentlich bin ich sehr zufrieden. Im ersten Monat habe ich mich schwer getan, mich an das schnellere Spielsystem und in die Abläufe in der Bezirksliga einzufinden. Im zweiten oder dritten Spiel gegen Sand II stand ich erstmals in der Startelf. Auch danach bekam ich Einsatzzeiten, mit denen ich zufrieden bin. Ich habe schon vier Tore geschossen und drei bis vier vorbereitet.

Aber für einen Stammplatz hat es offensichtlich noch nicht gereicht.

In der Hinrunde wurde im Sturm viel rotiert. Da haben mal Lorenz Heim, Tobias Huppmann oder ich gespielt. In dem Mannschaftsteil sind wir gut und breit aufgestellt.

Apropos Trainer. Ende der Saison ist Victor Kleinhenz weg.

Victor will auch in seiner letzten Saison bei uns nach wie vor das absolute Maximum aus uns rausholen, ob im Training oder im Spiel. Er ist ein sehr ehrgeiziger Trainer. Da es in der Liga sehr eng zugeht, können wir uns keinen Schlendrian erlauben.

Die Spielzeit verlief für Ihre Mannschaft bisher sehr unkonstant. Einem starken Start folgte Mitte der Vorrunde eine Durststrecke. Dann habt Ihr Euch gefangen. Wohin geht die Reise noch?

Unser Ziel ist klar: Wir wollen das Maximale aus der Restrunde herausholen und gegen Sand II, Unterspiesheim sowie Bergrheinfeld damit anfangen. Vielleicht können wir die ersten zwei Tabellenplätze anpeilen. Prinzipiell wollen wir uns aber Woche für Woche verbessern.

Wie sieht für Sie persönlich die nächste Saison aus?

Ein neuer Trainer wird kommen und ich werde voraussichtlich nächstes Jahr auch in Thulba spielen. Ein Jahr reicht nicht, um sich komplett an die Bezirksliga zu gewöhnen und dort Stammkraft zu werden.