Ein Pokalspiel gegen den FC Schalke 04, und ich sitze beim Schreiben dieser Zeilen nur im Wohnzimmer. Scha(n)de. Aber immerhin habe ich mal einen echten Mehrwert durch mein Sky-Abo, das mir zumindest via Bildschirm das Live-Erlebnis ermöglicht: Aus jenem Stadion, in dem gewöhnlich mein früherer Studienkollege Lars sitzt, gleich hinter der Trainerbank seiner Mannschaft, in Reihe 6.

Ein Anruf am frühen Nachmittag beim gebürtigen Glücksburger, der mittlerweile sogar in Gelsenkirchen lebt, offenbart die enorme Anspannung des Dauerkartenbesitzers und Vereinsmitglieds, der das Match im Homeoffice und über die Schalke-App mit dem original Knappen-Kommentar verfolgt: "Die Schweinfurter haben nichts zu verlieren und werden bis in die Haarspitzen motiviert sein. Und das gegen einen Gegner, der seit einer Ewigkeit kein Spiel gewonnen hat. An den letzten Sieg kann ich mich gar nicht mehr erinnern", sagt der Geschäftsführer im Behinderten- und Rehabilitationssportverband von Nordrhein-Westfalen.

Ausgerechnet Thomann...

Die Skepsis meines Kumpels scheint gerechtfertigt, denn die Schnüdel legen richtig gut los mit Angriffs-Pressing und einer ersten vorzeigbaren Gelegenheit für Kristian Böhnlein, der seinen Schuss ans Außennetz setzt. Dann prüft Martin Thomann S04-Keeper Ralf Fährmann. Jener Thomann, der tatsächlich bei mir im Ort wohnt, womit ich die Daumen natürlich noch ein bisschen fester drücke für die 05er.

"Wenn die Schalker das verkacken, sind sie echt reif für die 2. Liga. Dann sollten die Spieler am Abend besser nicht durch Gelsenkirchen fahren", hatte mein Kumpel noch geunkt. Und prophezeit, dass die fehlende Unterstützung der Fans selbst gegen einen Viertligisten zum Problem der Königsblauen werden könnte. "Wenn die Mannschaft kämpft, wird sie bedingungslos angefeuert und sogar nach Niederlagen gefeiert. Wenn die Nordkurve aber ihren Support einstellt, ist es mucksmäuschenstill in der Arena."

Sky-Moderator Marcus Lindemann erkennt nach einer halben Stunde keinen Klassenunterschied. Dann geht es Schlag auf Schlag. Erst bringt (natürlich) Martin Thomann den Außenseiter in Führung, ein paar Augenblicke später egalisiert Altmeister Vedad Ibisevic. "Jetzt geht's los", funkt mich Lars an, was wohl eher spöttisch zu verstehen ist, wenn ich das Smiley richtig interpretiere.

Aber das Glück ist weiter mit dem Favoriten, der unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff von Schiri Sven Jablonski das Spiel gedreht hat, als Alessandro Schöpf Schweinfurts Keeper Luis Zwick tunnelt. Unter normalen Umständen hätte die Arena getobt. Wobei: Wären die Umstände normal, hätte der Kick im altehrwürdigen Willy-Sachs-Stadion stattgefunden. So wie am 17. August 2018, als die 05er ebenfalls gegen die Schalker in der ersten Runde des DFB-Pokals spielten, mit 0:2 verloren durch die Treffer von Nabil Bentaleb und Matija Nastasic, die auch diesmal in der Startelf stehen.

"Über weite Strecken waren wir sehr gut im Spiel und sind verdient in Führung gegangen", sagt Schweinfurts Präsident Markus Wolf im Halbzeit-Interview.

Nach einer knappen Stunde fast das 3:1, aber Luis Zwick pariert gekonnt den Schöpf-Schuss. "Es bleibt dabei, ein Klassenunterschied ist hier mitnichten zu erkennen", wiederholt der TV-Sprecher seine Einschätzung aus Halbzeit eins, und sieht dünnhäutige Schalker, weil die Schweinfurter mit Biss und Selbstvertrauen unbeirrt an eine Überraschung glauben. Kurz darauf zeigt Jablonski unmissverständlich auf den Kreidepunkt nach Foul von Salif Sané am nicht minder stabilen Adam Jabiri. Aber zum großen Ärger aller Schnüdel-Fans und BVB-Anhänger pariert Fährmann den schwach getretenen Strafstoß des eben erst eingewechselten Amar Suljic.

Ausgerechnet Schöpf...

Dann die Vorentscheidung mit der zweiten Kiste vom Österreicher Schöpf, der sonst nie in der Rubrik Torjäger auftaucht, ehe Benito Raman für den zumindest in der Höhe standesgemäßen 4:1-Sieg des Bundesligisten sorgt. "Das ist denkbar ungünstig gelaufen für den Regionalligisten", findet der Sky-Sprecher, während sich Lars gesteigertes Selbstvertrauen für die nächsten königsblauen Auftritte erhofft, "aber machen wir uns nichts vor, Bundesliga-Niveau war das heute nicht."

Am Abend durften die Spieler also doch unbehelligt durch Gelsenkirchen fahren. Im Falle einer Niederlage hatte mein Buddy das Schreddern seiner Dauerkarte in Aussicht gestellt. Stattdessen lese ich nun ein abschließendes "... und wir holen den Pokal." Glück auf!

FC 05: Zwick - Grözinger, Rinderknecht (78. Pfarr), Billick, Bauer - Thomann (75. Pieper), Fery (62. Cekic), Böhnlein (62. Ramser), Laverty - Marinkovic (61. Suljic), Jabiri.

Schalke: Fährmann - Ludewig, Mendyl (63. Oczipka), Nastasic, Raman (87. Harit), Bentaleb, Ibisevic (63. Paciencia), Stambouli (74. Mascarell), Skrzybski, Schöpf, Thaw