Halten Sie diese Entscheidung der Staatsregierung, Wettkampfspiele im bayerischen Amateurfußball nicht zu erlauben und keine Zuschauer in begrenztem Umfang zuzulassen, für richtig?

Wollen Sie, dass der Wettkampfspielbetrieb im Jahr 2020 baldmöglichst wieder aufgenommen wird und der BFV sich dafür einsetzt?

Soll der BFV rechtlich gegen das Verbot des Wettkampfspielbetriebs im Amateurfußball vorgehen und gegebenenfalls gerichtlich Gleichbehandlung mit Freiluft-Kulturveranstaltungen analog § 21 Abs. 2 der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung geltend machen?

Christoph Adrio (Abteilungsleiter FC Thulba). Die Umfrage hätte man sich sparen können. Die Fragen sind doch rhetorischer Art. Welcher Verein soll denn dagegen sein, mit Zuschauern und um Punkte zu spielen. Aufgrund der Pandemie Vorsicht walten zu lassen, ist ja richtig, aber die ganze Abstimmung kostet wieder wertvolle Zeit. Wie soll man die Spieler bei der Stange halten und die Intensität im Training steuern, wenn der Termin für die Fortsetzung der Saison immer wieder verschoben wird. Die Argumentation des BFV ist ja durchaus schlüssig. Warum dürfen Leute mit Hygienekonzept ins Schwimmbad, aber nicht als Zuschauer auf den Fußballplatz? Sportvereine sind doch auch kulturelle Institutionen, die mit einer solchen Politik aber zugrunde gehen. Von der ganzen Situation bin ich richtig genervt.

Jakob Fischer (Pressesprecher FC 06 Bad Kissingen): Wir halten es für richtig, dass der BFV zuletzt Druck auf die bayerische Staatsregierung ausgeübt hat, um die Fortsetzung des Spielbetriebes zu erreichen, wobei auch für uns der Schutz der Gesundheit oberste Priorität hat. Das siebte Freundschaftsspiel in Folge ohne Aussicht auf Wettkampf zu bestreiten, befriedigt wohl keinen. Dass der BFV nun erneut ein Meinungsbild der Vereine erhebt ist verständlich, allerdings müssen nun endgültig Fakten geschaffen werden, um den Vereinen Planungssicherheit zu ermöglichen. Wie wir als FC 06 abstimmen, haben wir noch nicht entschieden.

Matthias Hallhuber (Abteilungsleiter SV Ramsthal). Ich fände es gut, wenn der BFV den Klageweg beschreiten würde, denn die Maßnahmen in den Bundesländern driften immer weiter auseinander. Mit der Abstimmung wird es eine demokratische Entscheidung der Vereine geben. Wir wollen sobald wie möglich um Punkte spielen. Es ist an der Zeit, mit Verstand mit dem Virus zu leben. Wenn man entsprechende Hygiene-Konzepte umsetzt, sollte ein Spielbetrieb mit Zuschauern möglich sein. David Böhm (Spielertrainer FC Westheim). Die Saison muss so schnell wie möglich losgehen. Wie soll man die Spieler pushen, ohne ein Ziel zu haben? Dass man ein paar Kilometer weiter mit Zuschauern spielen darf und bei uns in Bayern nicht, ist schwer nachvollziehbar. Die Vereine sind auf die Einnahmen durch die Zuschauer dringend angewiesen. Auch die aktuelle Vorbereitungszeit kostet ja schon viel Geld. Für mich ist das ein komplettes Durcheinander, zumal der Ligapokal ja auch noch ausgetragen werden soll. Ich fände es aber besser, wenn man das außergerichtlich regeln könnte.

Günter Scheuring (Abteilungsleiter TSV Münnerstadt): Für mich stimmt die Verhältnismäßigkeit einfach nicht. Wenn in Leipzig jetzt wieder über 8000 Zuschauer zugelassen werden sollen, in Münnerstadt mit seiner großen Tribüne dagegen kein einziger, muss ich schon mit dem Kopf schütteln. Grundvoraussetzung ist selbstverständlich ein gutes Hygienekonzept, welches beim TSV strikte Anwendung findet. Am Wochenende werden in der Alten Aula drei Kulturveranstaltungen stattfinden, Fußballspielen mit einer Handvoll Zuschauern soll aber nicht möglich sein, obwohl die Ansteckungsgefahr im Raum erwiesenermaßen deutlich höher ist. Da passt etwas nicht. Somit begrüße ich das Vorhaben des Verbands, rechtlich gegen das Spielverbot im Amateurbereich vorzugehen. Es ist gut, wenn die Vereine bei der Entscheidungsfindung mit ins Boot genommen werden. Bis heute kann ich im Umgang des BFV mit der Krise keine großen Fehler erkennen. Leute, die es besser wissen, wird es immer geben.

Christof Sauer (Spielertrainer SV Aura): Da hat sich der Fußball-Verband einiges eingebrockt. Ich hoffe schon, dass die Abstimmung etwas Sinnvolles bewirkt. Ich selbst rechne aber damit, dass wir frühestens Anfang Oktober loslegen können. Dann dauert es aber nicht lange bis zur ersten Schlechtwetterphase. Daher fände ich es sinnvoller, die Saison erst Mitte März fortzusetzen.