Dramatisch wie nie ging es beim Kampf um den Klassenerhalt in der Saison 2009/10 in der Kreisliga Rhön zu. Denn bevor es zu den obligatorischen Relegationsspielen kam, waren erst einmal drei Entscheidungsspiele notwendig, um den dritten Direktabsteiger sowie den Relegationsteilnehmer festzustellen.

Grund der außergewöhnlichen Situation war, dass im Endklassement drei Teams - nämlich die DJK Schondra, der TSV Wollbach und der TSV Maßbach - je 30 Punkte auf dem Konto hatten. Der in den folgenden Jahren angewendete direkte Vergleich wurde noch nicht herangezogen.

Im ersten Match am 4. Juni siegte der TSV Maßbach in der Verlängerung mit 1:0 gegen die DJK Schondra; die Wollbacher konnten, weil sie ein Freilos hatten, den kommenden Gegner schon einmal studieren.

Remis für Ligaerhalt ausreichend

Der hieß nun am 7. Juni TSV Maßbach, wobei die Lauertaler sich grämten. Hatten sie ihr letztes Saisonspiel doch ausgerechnet in Wollbach mit 2:3 verloren und waren so erst in den Abstiegsschlamassel geraten.

"Im Nachhinein war die knappe Niederlage natürlich bitter", erinnerte sich Maßbachs Urgestein Christoph Klement. Der damals 39-jährige Libero, der nach der Saison 2018/19 seine aktive Laufbahn endgültig beendete, befand zurecht, "dass uns ein Punkt in Wollbach gereicht hätte, um sowohl den Klassenerhalt zu sichern wie auch die Entscheidungsspiele zu vermeiden".

So aber duellierten sich Klement & Co auf neutralem Geläuf in Ramsthal acht Tage später schon wieder mit den Akteuren vom "Männerhölzlein". Und neuerlich kam es vor 400 Zuschauern zu einer spannungsgeladenen Auseinandersetzung.

Klement, der mit diesem Match nicht mehr gerechnet hatte, unterbrach am Vormittag seinen Urlaub. "Ich fuhr dann in vier Stunden vom Königssee direkt nach Ramsthal und nach Spielende wieder zurück".

Nach verhaltener Anfangsphase gingen die Maßbacher nach 20 Minuten in Führung, als Sebastian Schüller einen Konter lief, uneigennützig auf den mitgelaufenen Mehmet Ciy ablegte, der die Kugel mit sattem Schuss und unhaltbar für Wollbachs Keeper Dominik Desch in den Winkel setzte.

Fünf Minuten später erlitten die Gelb-Schwarzen den nächsten Nackenschlag. Ihr Torjäger Mathias "Cosmos" Kirchner verletzte sich und musste früh ausgewechselt werden. Auf seine Position beordert wurde Marcel Klug, dem prompt der Ausgleich gelang, als er sich einen weiten Schlag von Innenverteidiger Christoph Kriener erlief und das Leder anschließend mit einem Außenristschuss an Maßbachs Goalie Anatoli Pinkin vorbei ins Toreck setzte.

Doch noch vor dem Seitenwechsel schlugen die Kicker von der Centleite zurück. Gegen eine nicht konsequent agierende Wollbacher Deckung setzte sich Daniel Schüller durch und brachte seine Farben wieder in Front.

Doch unbeeindruckt vom Rückstand legten die Schützlinge von Spielertrainer Detlef Reitelbach, der in der Mitte der Runde Rüdiger Klug im Traineramt abgelöst hatte, zu Beginn der zweiten Halbzeit tempomäßig zu. Doch erste Gelegenheiten wussten Klug und Kriener, der nach Ende der aktuell unterbrochenen Saison seine Zelte beim FC Strahlungen abbrechen und zu seinem Heimatverein zurückkehren wird, nicht zu verwerten. Auf der Gegenseite verhinderte Desch mit einer Glanzparade gegen Philipp Rybak einen dritten Gegentreffer.

Binnen sieben Minuten jubelten dann die Wollbacher Fans zweimal. Nach Flanke von Michael Rösser besorgte Jens Knüttel den Ausgleich; nach Vorarbeit des eingewechselten Stephan Voll netzte Sebastian Endres ein.

Er und seine Kameraden stellten sofort die Taktik um, zogen sich in die eigene Hälfte zurück und lauerten auf Konter. Doch der Plan ging nicht auf. Daniel Hub staubte zum 3:3 für Maßbach ab. Wollbachs Torwart Desch: "Ich vermochte einen Freistoß nur abzuklatschen und sah dabei nicht gut aus."

Es ging in die Verlängerung. "Die wollten wir eigentlich vermeiden, denn es bedeutete, dass wir binnen acht Tagen nicht nur drei Partien, sondern auch zwei Verlängerungen kräftemäßig verdauen mussten", so Christoph Klement.

In der Zusatzspielzeit konnten Schiedsrichter Jürgen Pfau, der heute als BFV-Bezirksvorsitzender fungiert, keinen Treffer notieren. "Bei den meisten Spielern wurden die Beine schwer und es gab kaum noch torreife Szenen", so Matthias Albert, auch heute noch im Trikot des derzeitigen Kreisklassisten Wollbach auflaufend.

Also musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. Aus dem ging Dominik Desch als gefeierter Held hervor, parierte er doch die Schüsse von Maßbachs Giulio Lanzafame und Thorsten Dittmar. Dass er sich von Stefan Schusser und Daniel Hub bezwingen lassen musste, war nicht ausschlaggebend. Denn nachdem Knüttel, Endres und Klug getroffen hatten, setzte Desch höchstpersönlich den Ball zur Entscheidung in die Maschen.

"Dass war gleichzeitig mein letztes Spiel für Wollbach. Aus beruflichen Gründen verschlug es mich nach Forchheim, später nach Würzburg, wo ich dann noch einige Zeit für den TSV Rottenbauer im Tor stand." Zwischenzeitlich half Desch bei zwei Spielen in Münnerstadt aus. "Die Mürschter hatten Torhüterprobleme; da tat ich dem Dom Schönhöfer den Gefallen und sprang ohne jegliches Training ein."

Während die Wollbacher ihren Erfolg und Ligaverbleib begossen, hieß es für die Maßbacher vier Tage später noch mal auflaufen. In der erneuten Partie gegen die DJK Schondra hieß es: Abstieg oder Relegation.

1:5-Packung gegen Schondraer

Nachdem die Maßbacher das erste Duell am 4. Juni nach hartem Kampf mit einem 1:0 n. V. für sich entscheiden hatten, gingen sie leicht favorisiert in die Partie. Doch diesmal gerieten die TSVler eher in die Außenseiterrolle. Es fehlten Christoph Klement, der nicht nochmal seinen Urlaub unterbrechen wollte sowie mit Mehmet Ciy und Christian Gerstner, die beruflich verhindert waren, zwei weitere Leistungsträger. Die Schondraer liefen dagegen mit voller Kapelle und ausgeruht auf. Sie machten beim 5:1 kurzen Prozess mit den erschöpften Maßbachern.

Diese mussten den bitteren Gang in die Kreisklasse antreten, die Schondraer am folgenden Wochenende aber auch. Sie verloren mit 1:2 gegen den SV Eichenhausen, der aufsteigen wollte. Die Eichenhausener verblieben auch in der Kreisklasse; sie zogen im finalen Relegationsspiel gegen den BSC Lauter, der drei Wochen auf den Relegationsgegner warten musste, mit 3:5 n. E. den Kürzeren.

Damit endete eine etwas verrückte Saison, in der der SV Obererthal die Meisterschaft und den Aufstieg in die Bezirksliga feierte, während neben den Maßbachern der FC Thulba und der TSV Aubstadt direkt absteigen mussten.