Dass viele Vereine in dieser schwierigen Zeit den Bürgern unter die Arme greifen, ist vorbildlich und keine Selbstverständlichkeit. Und zeigt, dass alle Beteiligten zu mehr fähig sind, als am Wochenende stupide ihrer Sportart nachzugehen. So formierten sich in der vergangenen Woche vier Sportvereine der Kreisstadt Bad Kissingen, um in ihrer Umgebung ehrenamtliche Hilfe anzubieten und setzen damit einen Aufruf von BFV-Präsident Rainer Koch in die Tat um, der in einer Videobotschaft an die bayerischen Amateurvereine Solidarität eingefordert hatte: "Wichtig ist, dass wir jetzt alle zusammenstehen und die Maßnahmen, die uns von Politik und Gesundheits-Experten vorgegeben werden, gemeinsam und mit aller Konsequenz umsetzen." Die Einkaufs- und Besorgungsdienste der Vereine richten sich vor allem an Menschen, die zur Risikogruppe gehören, insbesondere Senioren, oder sich in Quarantäne befinden.

Unter dem Motto #helfenstatttrainieren will der 1. FC 06 Bad Kissingen Menschen aus der Stadt Bad Kissingen und Umgebung behilflich sein. "Als ich auf unsere Fußballmannschaft mit der Idee zugekommen bin, haben sich innerhalb kürzester Zeit viele bereit erklärt, die Solidaritätsaktion zu unterstützen", so Organisator Jakob Fischer: "Keiner muss sich scheuen uns zu kontaktieren und um Hilfe zu bitten, denn unser Team von über 20 Helfern hilft gerne." Zehn Menschen konnte der Verein bisher unterstützen, Tendenz steigend.

"Die Nachfrage ist definitiv da, viele Leute haben angerufen und sich erkundigt, wie unser Service vonstatten geht oder wollten sich grundsätzlich für die Bereitschaft bedanken", so Fischer. Den ersten Einkauf erledigte am vergangenen Wochenende Vlad Ruja, der einem älteren Ehepaar den Wochenendeinkauf bis vor die Haustür brachte. "In dieser schwierigen Zeit zu helfen ist für uns als Verein selbstverständlich. Ganz besonders die ältere Generation, die schon andere schlimme Zeiten erlebt hat, können wir nun unterstützen", so Ruja.

Dass man den Hilfesuchenden damit ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, bestätigt auch Tobias Vogel. Der Fußball-Abteilungsleiter des TSV Reiterswiesen hat mit seinem Verein ebenfalls ein Einkaufs- und Besorgungs-Angebot namens "Der TSV hilft" geschaffen. "Als Verein kann man hier sicherlich noch mal mehr leisten als eine Einzelperson. Um die Menschen wirklich zu erreichen, haben wir nicht nur Werbung auf unseren Social-Media-Kanälen gemacht, sondern auch Flyer ausgetragen." Unterstützung gibt es nicht nur von den Fußballern, sondern auch von Mitgliedern anderer Abteilungen des Sportvereins. "Bislang konnten wir den Leuten mit drei Botengängen und drei Einkäufen helfen, nun gibt es auch Anfragen für einen regelmäßigen Einkaufsdienst in der nächsten Zeit."

Mit der Feuerwehr Winkels hat sich der TV Vater Jahn Winkels zusammengetan und möchte mit der Aktion "Mit Herz, gemeinsam für Winkels" unkompliziert Hilfe anbieten. Jahn-Präsident Holger Buczynski erklärte, dass "wir als Mittelpunkt des Stadtteils sowieso unserer Aufgabe nachkommen wollen, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken. Dies geschehe nun gezielt im Rahmen dieser Gemeinschaftshilfe. Von positiver Resonanz der Senioren weiß Initiator Maik Schneider zu berichten, bisher gebe es aber noch mehr Helfer als Hilfsbedürftige: "Das Angebot wird dennoch gerne angenommen, derzeit ist die Hilfsbereitschaft aber überall sehr groß, vor allem auch in der direkten Nachbarschaft." Nachgefragt seien klassische Besorgungen, darunter das in den vergangenen Wochen berühmt-berüchtigte Toilettenpapier.

Ein leiser Wunsch

Auch die Fußballabteilung des SV Garitz hat unter der Regie von Alex Seidl einen Service auf die Beine gestellt, "nachdem wir ein Team von zehn Leuten zusammen hatten" (Seidl). Nach und nach seien weitere Helfer dazugekommen, auch weitere Garitzer hätten ihm geschrieben und ihre Hilfe zugesagt. "Bis jetzt hatten wir zwei Aufträge. Am Mittwoch wurden Zettel ausgehängt, um nicht nur im Internet aktiv zu sein. Mit der Zeit wird sich das bestimmt noch steigern", glaubt der Verantwortliche. Wie lange diese fußballfreie Zeit noch andauert, ist aber weiterhin ungewiss. Umso schöner also, dass die Vereine der Stadt Bad Kissingen nun alle dasselbe Ziel verfolgen und damit Solidarität beweisen. Und während die Sportler nun eben helfen, statt zu trainieren, wie es auch das Motto des SV vorgibt, äußert Seidl leise einen Wunsch, den wohl tausende Amateurfußballer mit ihm teilen: "Hoffen wir, dass das Ganze schnell wieder vorbei ist und wir bald wieder zusammen Fußball spielen können."

1. FC 06 Bad Kissingen 0157/ 788 8370 (Jakob Fischer) oder fc06.hilft@web.de.

TSV Reiterswiesen 0152/ 5461 5855 (Tobias Vogel).

TV Jahn Winkels/Feuerwehr Winkels 0178/449 1086 (Maik Schneider).

SV Garitz 0151/1005 8053 (Alex Seidl)