Von wegen fränkisches Derby. Gerade mal drei Franken standen am Sonntag im Duell zwischen dem 1. FC Nürnberg und den Würzburger Kickers (2:1) auf dem Platz. Beim Club waren es lediglich der gebürtige Nürnberger Enrico Valentini und der Unterfranke Johannes Geis.

Im gesamten Aufgebot der Würzburger hielt nur einer die fränkischen Fahnen hoch - der Kulmbacher Dominik Meisel auf der rechten Außenbahn. Seinen bislang größten Auftritt im Marx-Morlock-Stadion hatte er vor fünf Jahren. Damals war er noch U17-Spieler des FCN und fungierte als Balljunge ("Ich glaube, gegen Heidenheim"). Am Sonntag kam der 21-Jährige als Gegner der Club-Profis zurück und hatte mit den Würzburgern bis zur 92. Minute einen verdienten Punkt vor Augen. Doch dann bereitete Asgar Sörensens Kopfball dem Tabellenletzten ein Mega-Frusterlebnis. Der Kulmbacher stand machtlos am zweiten Pfosten, als der Ball zum 2:1 für den FCN im Kickers-Netz einschlug, und raufte sich dann die Haare.

Dominik Meisel, hatten Sie in Ihrer Karriere schon ein ähnlich großes Frusterlebnis?

Ich erinnere mich an ein Spiel in der U17-Bundesliga, als wir mit der U17 des 1. FC Nürnberg gegen den FC Bayern mit 3:1 in Führung lagen, in den letzten zwei Minuten aber noch zwei Gegentore bekommen und letztlich 3:4 verloren haben.

Das Würzburger Team hat in der letzten Viertelstunde gut verteidigt, dem Club ist nichts mehr eingefallen. Hat sich Ihre Mannschaft von der Nürnberger Harmlosigkeit einlullen lassen?

Nein, wir hatten in der zweiten Halbzeit außer dem Fernschuss von Knothe und einer Chance von Schäffler nichts zugelassen. Aber bei Standards ist es immer gefährlich, vor allem wenn sie ein guter Schütze wie Johannes Geis ausführt. Wir müssen einfach einen besseren Block gegen Sörensen stellen.

Ist der Ärger schon verraucht?

Natürlich waren wir sehr enttäuscht, denn es wäre ein sehr wichtiger Punkt gewesen. Aber es macht ja keinen Sinn, dem Punkt hinterherzutrauern, denn wir haben morgen gegen St. Pauli ein ganz wichtiges Spiel vor uns. Da müssen wir mental voll auf der Höhe sein, uns aber auch nicht zu viel Druck machen.

Sie haben in der 3. Minute das 1:0 für den Club verhindert, als Sie gerade noch gegen Felix Lohkemper klärten. Trotzdem gab es vom Fachmagazin Kicker nur die Note 4,5. Eine unfaire Bewertung?

Natürlich wirft man als junger Spieler schon mal einen Blick drauf, aber mir ist wichtiger, wie der Trainer, aber auch die Familie und Freunde mich beurteilen. Zumal auch die regionale Presse eine bessere Bewertung abgegeben hat.

Wie fühlt sich die 2. Bundesliga an? Sind Sie hier richtig?

Ich habe schon das Gefühl, dass ich gut mithalten kann. Die Liga habe ich mir auch zugetraut, sonst wäre ich ja nicht geblieben. In der 2. Liga wird sehr körperbetont gespielt und viele Spiele werden durch Standards entschieden. Aber natürlich können alle auch sehr gut Fußball spielen. Ich selbst kann noch etwas befreiter agieren, muss mir noch ein bisschen mehr zutrauen und kleine Fehler im Passspiel oder im Zweikampf vermeiden.

Sie haben zwar selbst in der FCN-Jugend gespielt, sind aber kein Club-Fan. War es dennoch ein besonderes Spiel für Sie?

Auf jeden Fall, auch wenn ich bis dato im Stadion noch nie gespielt habe. Ich war hier hauptsächlich zu Mannschaftsfotos und auch mal als Balljunge.

Sieben Mal saßen Sie ohne Einsatz auf der Bank, nun standen Sie plötzlich vier Mal in Folge in der Startelf. Drei Mal sogar über 90 Minuten ran. Fürchten Sie, bald wieder draußen zu sitzen?

Ich werde alles dafür geben, weiter in der Startelf zu stehen. Wir sind aber ein Team. Und ich stelle mein Ego hinten an, wenn der Trainer meint, dass ein anderer Spieler besser zum Gegner passt.

Vier Punkte nach elf Spielen sind mau - welche Qualitäten werden die Würzburger Kickers am Ende zum Klassenerhalt verhelfen?

Ich finde, wir spielen einen sehr ordentlichen Fußball, auch wenn wir hinten drin stehen. Man hatte in den letzten Spielen nie das Gefühl, dass die gegnerische Mannschaft besser war. Im Moment entscheiden Kleinigkeiten gegen uns. Wir sind ganz nah dran und werden alles reinwerfen, damit künftig nicht nur die Leistung, sondern auch das Ergebnis stimmt.

Das Gespräch führte

Christian Schuberth