"Es war eine coole Erfahrung, auch wenn ich nur 15 Minuten gespielt habe", sagt Annika Graser über ihr erstes Turnier in der U-17-Nationalelf. Beim 4:1-Sieg über Russland gab Graser ihr viertelstündiges Debüt im DFB-Dress. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer noch jungen Karriere, die einst beim SV Aura begann.

Nun erweckte sie als jüngste Bundesligaspielerin das Interesse der U-17-Nationaltrainerin Anouschka Bernhard, die sie direkt zum Qualifikationsturnier nach Wien mitnahm. Dort setzte sich die deutsche Mannschaft gegen die Schweiz (3:0), Russland (4:1) und Österreich (2:0) souverän durch und fährt nun zur EM nach Weißrussland. Auch in der Bundesliga läuft es für die 17-Jährige derzeit nach Plan. Seit 2014 steht die Auraerin beim Bundesligisten FF USV Jena unter Vertrag. "Ich lebe dort im Internat", sagt Annika: "Und ich fühle mich derzeit wohl, da ich meine Freundinnen den ganzen Tag um mich herum habe." Mit ihren Freundinnen meint Graser ihr Team, das derzeit die Tabelle der U-17-Bundesliga anführt. "Bei uns herrscht ein sehr guter Zusammenhalt, aber ich hatte auch nie Probleme, mit Jungs im Team zu spielen", so die Anhängerin des FC Bayern München.

In der bisherigen Saison hat sie alle Spiele ihres U-17-Teams bestritten. Auf der Spielmacher-Position erzielte die 17-Jährige bereits acht Saisontore und wurde schon mit Spielzeit in der ersten Mannschaft des Bundesligisten USV Jena belohnt.


Ein Schritt folgt dem nächsten

Weit aus dem Fenster lehnen möchte sich Graser jedoch nicht: "Ich versuche, in Jena Anschluss zu finden, Spielzeit zu bekommen - und schaue, wie es sich weiterentwickelt", so Graser, die über Aura, Großbardorf und den ETSV Würzburg an die Saale kam. Ihr ehemaliger Trainer am DFB-Stützpunkt Bad Kissingen entdeckte Graser auf einem Talentsichtungstag. Noch heute schwärmt Peter Rückel von ihrem unwahrscheinlichen Willen und konzentrierten Arbeiten. "Jeder Trainer kann sich glücklich schätzen, solch eine Spielerin in seinen Reihen zu haben. Ich bin mir sicher, dass sie das Zeug hat, um sich durchzusetzen", lobt Rückel.

"Natürlich ist die Frauen-Bundesliga mein Ziel", so die Mittelfeld-Strategin, die dann gegen ihre große Liebe, den FC Bayern, spielen würde. "Ich muss bei den Damen aber natürlich zu meiner Mannschaft halten", sagt Graser. Zwar interessiert sie sich für Damenfußball genauso wie für die Herren-Variante, doch sie bedauert, "dass Damenfußball gar nicht im Fernsehen kommt." Mangelnde TV-Präsenz und Zuschauerinteresse bedingen sich gegenseitig, vermutet Graser, doch sie sagt auch: "Manche in meinem Team finden es gar nicht schlimm, da sie dann nicht so im Rampenlicht stehen wie ihre männlichen Kollegen."


Warten auf Silvia Neid

Vielleicht steht demnächst Graser dennoch im Mittelpunkt. Als derzeit beste Torschützin ihres U-17-Teams könnte noch eine große Zukunft vor ihr liegen. Die 17-Jährige hofft mit ihren Stärken, wie "Technik, Passspiel, Übersicht und Ballkontrolle" weiter an ihre bisher starken Leistungen im Mittelfeld anzuknüpfen. Vielleicht ruft ja in ein paar Jahren Bundestrainerin Silvia Neid an und nominiert sie für die Nationalelf.