Darauf können alle Beteiligten stolz sein: Kissinger Orchester, Chöre und Solisten finden zusammen, um ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine zu setzen, Stadt und Staatsbad springen über ihren organisatorischen Schatten und die Kissinger setzen Masken auf, stecken ihren Geldbeutel ein, um - mittelbar -zu helfen, aber auch, um dabei zu sein und zu erleben, wie vielfältig und wie gekonnt in der Kurstadt musiziert und gesungen wird.

Organisiert von den in der Sängergruppe Bad Kissingen zusammengefassten Chören und angereichert durch Orchesterformationen und Solisten gelingt eine beeindruckende Spendengala. Ideengeber und Macher: Guy Ramon, diplomierter Opernsänger und zugleich Vorsitzender der Sängergruppe Bad Kissingen. Er organisiert und koordiniert, stößt überall auf offene Ohren, findet Mitstreiter und mit Olena Albert die Ansprechpartnerin der lokalen Ukraine-Hilfe, mit Oberbürgermeister Dirk Vogel den richtigen Schirmherrn und stellt ein anspruchsvolles abwechslungsreiches Programm zusammen, das restlos überzeugt.

Im Foyer wird ein blau-gelbes Schleifchen zum Anstecken verteilt, die Bühne leuchtet in den ukrainischen Farben, das Kissinger Kammerorchester unter der Leitung von Kreismusikdirektor Jörg Wöltche eröffnet den musikalischen Reigen und Christine Stumpf setzt ein erstes bemerkenswertes Ausrufezeichen. Sie hat sich das G-Dur Konzert für Altblockflöte des Lorzing- und Berlioz Zeitgenossen Johann Christoph Schultze ausgesucht, interpretiert den 1. Satz heiter frühlingshaft, findet im getragenen 2. Satz mit dem Kontrabass des Thomas Ahnert ihren Dialogpartner und lässt im 3. Satz mit ihrer Virtuosität aufhorchen.

Guy Ramon moderiert die Veranstaltung, findet Bezüge zur Situation und zitiert: "...Grausamkeit ist auf mangelnde Phantasielosigkeit zurückzuführen". Auch die Mädchen des Chores InTakt fordern eine friedliche Welt und interpretieren "We are the World" mit einem Flaggenband über die ganze Bühne.

Grüße von Markus Söder

Schirmherr OB Vogel findet, "dass die Welt auch in Bad Kissingen derzeit nicht in Ordnung ist", heißt fast 300 Geflüchtete aus der Ukraine "bei uns willkommen, einige davon sogar im Saal" und sieht die Veranstaltung als Zeichen einer "Kultur der Stärke". Der Stellvertretende Landrat Emil Müller lobt das bürgerschaftliche Engagement im Landkreis und Olena Albert von der örtlichen Ukrainehilfe berichtet, dass bereits drei Lkw Wagenladungen im Kriegsgebiet angekommen sind. "Für einen vierten wird derzeit gesammelt".

Musik verbindet und lindert

Die Integrationsbeauftragte Ana-Maria Benevides glaubt, dass Musik nicht nur verbinden, sondern auch lindern kann. Per Videoaufzeichnung grüßt Ministerpräsident Söder alle, die sich derzeit "...so großartig engagieren".

Die Kissinger Sängervereinigung freut sich stimmgewaltig mit Haydns "Komm holder Lenz" auf den nahen Frühling und auch der Gesangverein von 1883 Garitz schickt den flott gesungenen "Frühlingsgruß" von Mendelssohn in die Ukraine. Nach der Pause - den Erlös der Pausenbewirtung spendiert die Vinothek Weinwerk - bringen die Mädchen von Chorisma den Saal mit "Ein bisschen Frieden" nostalgische und doch so aktuell in Stimmung. Die ukrainische Sängerin Larissa Desch singt mit strahlendem Sopran mal nachdenklich, berührend, oder heiter, drei ukrainische Volkslieder. Landsfrau Dora Kalikhman begleitet am Flügel.

Pamino und Papagena

Aber auch Mozartfreunde kommen auf ihre Kosten: "Bei Männern welche Liebe fühlen" schmachten sich Larissa Desch und Moderator Guy Ramon - diplomierter Opernsänger - als Pamino und Papagena höchst vergnüglich an. Kräftig und stimmsicher sehnt sich der Landkreis Männerchor nach besseren Zeiten bei "Conquest of Paradise", bevor dann das Salonorchester der Staatsbad GmbH den Schostakowitsch Walzer aus seiner Jazzsuite interpretiert - bemerkenswert die Soloparts von Trompete (Reinhold Roth) und Posaune (Roman Riedel), bevor sich alle wieder auf der Bühne finden zur Nationalhymne der Ukraine und der gemeinsam und stehend vom Publikum mitgesungenen Europahymne.

Dirigent Jörg Wöltche fordert mit witzigem Schlussgag - er wedelt mit einem 50-Euro-Schein - zum Spenden auf. Tatsächlich geht niemand an den freundlichen Damen und Herren mit den überdimensionalen Spendenboxen vorbei.