Es gibt Dinge im Leben, die zwar jeder tut, über die man aber nicht spricht: Nach dem "Geschäft" drückt man die Spülung und denkt nicht mehr daran, was mit den Fäkalien eigentlich passiert. "Aus den Augen aus dem Sinn", möchte man sagen. Dass Kläranlagen heute High-Tech vom feinsten bieten, ist vielen gar nicht bewusst.

In der Anlage des Abwasserzweckverbandes Aschach-Saale, die etwas versteckt zwischen Großen- und Kleinbrach liegt, kann man dies sehr schön sehen. Hier sind fast 9000 Einwohner angeschlossen, deren Abwasser gereinigt wird. Derzeit sind die Haushalte aus Stangenroth, Burkardroth, Wollbach, Zahlbach, Stralsbach, Frauenroth, Bad Bocklet, Aschach, Hohn, Steinach und Roth angebunden.

Auch die Abwässer aus Katzenbach, Lauter und Waldfenster werden bald in der Anlage geklärt werden. Vier Personen sorgen dafür, dass sie Tag und Nacht funktioniert. Abwassermeister Benjamin Witke ist einer der Mitarbeiter. Gerade steht er im Betriebsgebäude im hauseigenen Labor und analysiert die Abwasserproben.

Wichtig ist, dass die Abwasserzusammensetzung stimmt. Denn nur dann fühlen sich die Bakterien, die die Fäkalien abbauen, richtig wohl. "Am besten wird die Verschmutzung abgebaut, wenn warme Temperaturen herrschen. Im Winter arbeiten die so genannten Protozoen eher etwas gemütlicher", erklärt Witke.

Das Areal, auf dem sich die Kläranlage befindet, ist recht groß. Sofort fallen die drei großen Becken und der Schlammpolder auf. Manchmal sind hier Schwärme von Enten anzutreffen, die auf dem schlammigen Wasser nach Fressbarem suchen.

Die Entsorgung des Abwassers ist ausgeklügelt. Witke kann die einzelnen Schritte genau erklären. "Bei trockenem Wetter werden hier 2500 bis 3000 Kubikmeter Wasser pro Tag geklärt, bei Regen bis zu 10 000 Kubikmeter", sagt der Abwassermeister. An Tagen mit Starkregenereignissen kann die Kläranlage die Wassermassen manchmal nicht fassen. Zum Glück tritt so etwas eher selten auf, aber wenn es passiert, dann werden die Abwässer in die nahe gelegene Saale abgeschlagen. "Das ist aber auch nicht weiter schlimm: Schließlich ist das Abwasser dann so weit verdünnt, dass es das Gewässer nicht weiter belastet", erklärt Witke.

Im Regelfall wird das Abwasser in einem aufwändigen Verfahren geklärt. Dies geht in drei Schritten: zuerst mechanisch, dann biologisch und schließlich chemisch. Das Abwasser ist, wenn es in die Kläranlage kommt, nur braun. Feste Stoffe sind fast keine mehr zu sehen.

Zuerst wird das Abwasser im Pumpenhaus auf ein höheres Niveau gebracht, damit es die Kläranlage in freiem Gefälle durchfließen kann. Dies spart viel Energie ein. Dennoch ist die Aufbereitung sehr energieintensiv: So fallen pro Monat rund 6000 Euro an Stromkosten an.
Der Rechen am Beginn sortiert alle Teile aus, die größer als sechs Millimeter sind. "Eigentlich haben diese in der Kläranlage überhaupt nichts verloren. Aber es wird doch vieles einfach in der Toilette entsorgt, was wir dann ausfiltern müssen", weiß Witke aus Erfahrung.

Unappetitlich ist, was im Rechen so hängenbleibt: Von Damenbinden über Wattestäbchen bis zu Feuchttüchern reicht hier die Palette. Und ab und an sind auch Kondome zu sehen. Der ganze Abfall wird vollautomatisch in einen Plastiksack gepackt und in regelmäßigen Abständen entsorgt. Im vergangenen Jahr waren es fast 28 Kubikmeter .
Anschließend wird Sand und Fett vom Abwasser abgeschieden. "Der Sand wird von der Straße in den Kanal und dann in die Kläranlage gespült. Das Fett stammt wahrscheinlich von Suppen und Soßen, die in der Toilette entsorgt wurden", sagt Witke. Im Jahr werden rund neun Kubikmeter Sand herausgeholt. Würde der Sand in der Anlage bleiben, würde er am Pumpensystemen für großen Verschleiß sorgen.

Das Abwasser wird danach in den verschiedenen Becken geklärt und gereinigt. "Ziel ist es, das Abwasser so aufzubereiten, dass wir es wieder dem Gewässer zuführen können", sagt der Abwassermeister.

Bis es aber so weit ist, muss noch einiges passieren. Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor müssen entfernt werden. "Das ist wichtig. Würden diese Stoffe einfach weiter in die Saale geleitet werden, würde es das Pflanzenwachstum begünstigen. Diese würden dem Gewässer Sauerstoff entziehen und die Fische würden sterben, das Gewässer würde umkippen", sagt Witke.

Unzählige Protozoen sorgen, Kleinstlebewesen, in den verschiedenen Becken dafür, dass diese Stoffe ausgefiltert werden. Dies wird genau überwacht. Zahlreiche vollautomatische Apparaturen sorgen dafür, dass die Protozoen sich wohlfühlen.

Die Kläranlage ist 365 Tage im Jahr jeweils 24 Stunden erreichbar. Im Störfall werden die Mitarbeiter per SMS über den Vorfall benachrichtigt.
Dann kann es schon einmal passieren, dass die Mitarbeiter nachts raus müssen. "Das gehört bei unserem Job einfach mit dazu", sagt Witke. Neben Reparaturarbeiten an der Anlage gehört es zu den Aufgaben der Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen Proben zu nehmen und darauf zu achten, dass die vom Wasserwirtschaftsamt vorgegeben Werte eingehalten werden.

Nach den ganzen chemischen Prozessen bleibt in der Kläranlage nur der Klärschlamm übrig. Im vergangenen Jahr waren das fast 7000 Kubikmeter, die von Landwirten auf die Felder ausgebracht werden. "Das ist bester Dünger und meiner Meinung nach vollkommen ungefährlich", befindet Witke.

Er ist der Meinung, dass im Bereich der Abwasserklärung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ganz andere Herausforderungen auf die Kommunen kommen: "Ein Problem sind die Medikamentenrückstände sowie Mikroplastik, die in der Kläranlage nicht herausgefiltert werden können."