Das Ende der Osterferien war Thema in der Pressekonferenz mit dem Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Mittwoch. Je nach Inzidenzlage sollen Schüler bestimmter Jahrgangsstufen ab kommender Woche die Möglichkeit haben, den Präsenzunterricht zu besuchen. Das ist mit einer Test- und Maskenpflicht verbunden. Außerdem äußerte sich der Kultusminister zu dem Vorstoß der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, auf die diesjährigen Abiturprüfungen zu verzichten.

Neuerungen für Schulen: Keine große Überraschung

Für Peter Rottmann, den Schulleiter des Münnerstädter Schönborn-Gymnasiums, waren die Ankündigungen wenig überraschend. "Die Testpflicht stand schon im Raum und in Anbetracht der Infektionslage müssen wir es so machen." Denn derzeit infizieren sich vornehmlich junge Menschen mit dem Corona-Virus. Schulen seien laut dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) großer Teil des pandemischen Geschehens.

Die Testpflicht gilt inzidenzunabhängig für Lehrer, Schüler sowie Kinder, die das Angebot der Notbetreuung nutzen. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) gab in der Pressekonferenz bekannt, dass bei einer Inzidenz von unter 100 der Wechselbetrieb möglich sei. Liegt der Wert über 100, sollen lediglich die Abschlussklassen, die 11. Klasse des Gymnasiums, Schüler aus den 4. Klassen der Grundschulen und Fachoberschulen den Präsenzunterricht besuchen.

Regelmäßige Tests sollen Sicherheit schaffen

Die Tests sollen laut Piazolo zweimal wöchentlich in den Schulen stattfinden. Möglich sind PCR-, Schnell- oder Eigentests. Am Unterricht teilnehmen dürfen nur Schüler mit negativem Ergebnis. Wenn die Inzidenzzahlen steigen, könne es mehr Tests geben. "Der Schutz der Schüler und Lehrkräfte hat oberste Priorität. Wir wollen Bildung ermöglichen", äußerte sich Markus Söder.

Den Wunsch hegt auch Matthias Ludolph, Schulleiter am Hammelburger Frobenius-Gymnasium: "Es wäre schön, wenn in der kommenden Woche ein Teil der Schüler anwesend ist. Aber: Das ist nicht absehbar und völlig vage."

Linie der Regierung: Münnerstädter lobt Strategie

Um das zu ermöglichen, setzt die bayerische Regierung auf Sicherheit. Der Münnerstädter Schulleiter Peter Rottmann hält das für "eine gute Grundlinie". Um diese sicherzustellen sind laut Piazolo 17 Millionen Tests über die Landratsämter an die Schulen verteilt worden. Über regelmäßige Abfrage an den Schulen soll sichergestellt sein, dass zukünftig ausreichend Kapazitäten verfügbar sind.

Darauf haben sich auch die hiesigen Schulen eingestellt, darunter das Jack-Steinberger Gymnasium (JSG) in Bad Kissingen. Beim Testumfeld sieht Markus Arneth, der Schulleiter des JSG, jedoch noch Bedarf zum Nachjustieren: "Wie gehe ich mit Kindern um, die panisch auf einen positiven Test eines Mitschülers reagieren?" In diesem Fall verweise ein Schreiben des Kultusministeriums auf den Schulpsychologen. "Aber der ist verantwortlich für mehrere Schulen und nicht permanent vor Ort."

Reichen die Testkapazitäten aus?

Außerdem hofft er, dass die Tests ausreichen. "Wir haben in Bad Kissingen 800 Schüler am Gymnasium. Wenn die Zahlen hinkommen, werden alle in der kommenden Woche mal in der Schule sein. Und: Sie müssen alle zwei mal getestet sein." Derzeit sind im JSG 2000 Tests vorrätig. "Nach der kommenden Woche hätten wir 1600 weniger. Ich hoffe, dass wir bald beliefert werden."

Abzuwarten ist für Arneth die Reaktion mancher Eltern auf die Testpflicht. Laut dem Schreiben des Kultusministeriums darf ein ungetestetes Kind nicht am Unterricht teilnehmen. Auch gibt es laut dem Ministerium für Schüler, die sich nicht testen lassen in diesem Fall keinen Anspruch auf Distanzunterricht - weil ja der Präsenzunterricht möglich ist. Der Schulleiter gibt sich dennoch positiv und baut auf die Schulfamilie: "Aber mit der Hilfe von Eltern und Lehrern kriegen wir auch das vor Ort geregelt."

Vorteil durch Testpflicht

Auf sein Kollegium und die Elternschaft baut auch Peter Rottmann vom Schönborn-Gymnasium: "Ich denke, dass wir es gemeinsam auffangen können." In den Tests sieht der Münnerstädter Schulleiter einen großen Vorteil: "Es bringt eine Vereinheitlichung. Sind die Tests auf Freiwilligenbasis und ein Teil verweigert sich, bringen die Tests nichts."

Thema in der Pressekonferenz war auch der Vorstoß der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Verband forderte, im Notfall auf die diesjährigen Abiturprüfungen zu verzichten. Dem erteilten sowohl Markus Söder als auch Michael Piazolo eine deutliche Absage. Vom Kultusminister hieß es: "Wir wollen Abschlussprüfungen und sind darauf vorbereitet." Das sieht Markus Arneth vom JSG ähnlich: "Unsere Schüler sind so vorbereitet, dass sie ihre Abi-Prüfungen schreiben können. Dafür hat auch das Ministerium diverse Anpassungen am Lehrplan vorgenommen."

Corona-Abitur: Malus oder nicht?

Ob das Abitur im zweiten Corona-Jahr - wie von der GEW propagiert - einen Malus haben könnte, sei ein Thema der Zukunft. "Das hängt davon ab, wie Universitäten oder Betriebe mit den Bewerbern aus dem diesjährigen Jahrgang, verglichen mit Bewerbern, die ihr Abitur unter normalen Umständen abgelegt haben, umgehen." Peter Rottmann verweist auf die gesammelten Erfahrungen im vergangenen Pandemiejahr. "Sicher werden wir schauen müssen, wie die Infektionslage ist. Aber wir sind darauf eingestellt, dass wir kurzfristig reagieren können."

Die Tests werden laut Michael Piazolo mit einem Hygienekonzept und der Aussicht auf Impfungen begleitet. Besonders bei den Grundschullehrern seien diese "schon sehr weit gediehen". Hinzu kommen noch 2,6 Millionen FFP2-Masken, die in zwei Chargen an die Schulen gehen. Der Kultusminister weiter: "Es ist ein Paket, das Hoffnung gibt, das Sicherheit spendet." Peter Rottmann pocht in diesem Punkt auf die Vorsicht: "Testen ist ein Baustein, aber nicht alles. Was wir durchhalten müssen ist das Einhalten von Abstand, das Tragen von Masken und die Hygienekonzepte."

Hoffen auf baldige Impftermine für Lehrkräfte

Peter Rottmann hofft darauf, dass auch sein Kollegium baldige Impfmöglichkeiten angeboten bekommt: "Nach allem was man hört, scheint es jetzt Fahrt aufzunehmen." Diese Hoffnung teilt er sich mit seinem Kollegen vom Franz Miltenberger Gymnasium in Bad Brückenau, Stefan Bub: "Wenn es Impftermine für Lehrer gibt ist das gut."

Dr Matthias Ludolph, Schulleiter Frobenius Gym Hab,

Dr. Matthias Ludolph ist Schulleiter am Hammelburger Frobenius Gymnasium. Er sagt: "Unsere Aufgabe als Schulleitung ist es, mit größtmöglicher Gewissenhaftigkeit das umzusetzen, was wir an Informationen bekommen." Voraussichtlich ist das gegen Ende dieser Woche, wenn ein aktuelles Schreiben des Kultusministeriums bei den Schulen ankommt. "In dem stehen dann die Wesentlichen Dinge." Die Inhalte desselben seien wesentlich detaillierter als die Verlautbarungen der Pressekonferenz. "Jedem ist klar, dass der Infektionsschutz und das Aufrechterhalten des Unterrichts in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen." Einen Wunsch hat Matthias Ludolph trotzdem: "Er wäre schön, wenn in der kommenden Woche ein Teil der Schüler anwesende ist. Aber: Das ist nicht absehbar und völlig vage."

Markus Arneth, Schulleiter Gym KG

Den Vorschlag des Deutschen Lehrerverbands, Lösungen vor Ort zu finden, hält er für ein zweischneidiges Schwert. Prinzipiell böte dieser Ansatz Vorteile. "Wenn jeder vor Ort entscheiden kann, wäre das schön. Es würde die Autonomie der Schulen stärken." Aber: "So geht auch die Schere, was den Unterricht an den einzelnen Schulen betrifft auseinander." Am JSG war trotz des Lockdowns - mit Hinblick auf die rechtlichen Möglichkeiten - im Großen und Ganzen Präsenzunterricht möglich. "In anderen Schulen war das nicht der Fall."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sprach davon das diesjährige Abitur ausfallen zu lassen. Das Corona-Abitur hätte den Ruf, kein richtiges Abitur zu sein, heißt es von dem Verband. "Das lässt sich so noch nicht sagen", meint Arneth. "Unsere Schüler sind so vorbereitet, dass sie ihre Abi-Prüfungen schreiben können. Dafür hat auch das Ministerium diverse Anpassungen am Lehrplan vorgenommen." Ob das Abitur im zweiten Corona-Jahr einen Malus haben könnte, sei ein Thema der Zukunft. "Das hängt davon ab, wie Universitäten oder Betriebe mit den Bewerbern aus dem diesjährigen Jahrgang, verglichen mit Bewerbern, die ihr Abitur unter normalen Umständen abgelegt haben, umgehen."

Seit über einem Jahr stehen Arneth und seine Kollegen an der vordersten Linie der Corona-Front. Sein Wunsch: "Es ist schwer umsetzbar, da prallt Schulrealität auf Politik. Es wäre gut, wenn wir nicht erst zwei bis drei Tage nach der Öffentlichkeit Bescheid bekommen würden, was den Schulbetrieb angeht." Am JSG seien nach den Verkündigungen der Politiker stets viele E-Mails von Eltern eingegangen. "Wir konnten dazu noch nichts sagen, weil uns die Informationen noch gefehlt haben. Das hat viel Arbeit gemacht."

Ein schnelleres Tempo wünscht sich der Schulleiter auch in einem anderen Bereich. "Da geht es um notwendige Anschaffungen, zum Beispiel Lüftungsanlagen." Ende Oktober meldete das JSG den Bedarf für die Geräte. Die Lieferung ist für kommende Woche angekündigt. "Das ist ein halbes Jahr danach. Es ist verständlich, dass die Behörden erst eruieren müssen, wie viele Geräte gebraucht werden und dann in die Ausschreibungen geht", sagt er. "Aber das sorgt auf Elternseite für Unverständnis. In den Medien liest sich, dass Geld dafür bereitsteht, aber in den Schulen keine Geräte ankommen."

Auf die verstärkte Testung hat sich das JSG vorbereitet. Eine Hürde sieht Arneth dennoch. "Wie gehe ich mit Kindern um, die panisch auf einen positiven Test eines Mitschülers reagieren?" In diesem Fall werde auf einen Schulpsychologen verwiesen. "Aber der ist verantwortlich für mehrere Schulen und nicht permanent vor Ort." Der Schulleiter gibt sich dennoch positiv und baut auf die Schulfamilie: "Aber mit der Hilfe von Eltern und Lehrern kriegen wir auch das vor Ort geregelt."