Von der Schnupfnase bis zum schweren Infekt, von den Vorsorgeuntersuchungen über die Masern-, Mumps-, und Rötelimpfungen bis zum chronischen Asthma: 25 Jahre lang hat Andreas Schloßbauer Menschen vom Baby bis zum Jugendalter in seiner Praxis behandelt. Seit April ist damit Schluss. Der 65-Jährige hat seine Praxistätigkeit beendet. Einen Nachfolger, der die Praxis weiterführt, gibt es nicht. "Ich hätte es gerne gehabt, dass jemand die Praxis übernimmt", sagt der Kinderarzt traurig. Er bedauere es, für seine Kinder und die Eltern keine Nachfolgeregelung anbieten zu können.

Aktuell wird die Praxis abgewickelt. Patienten können noch einmal in der Woche vorbeikommen und Unterlagen abholen. Die Sprech- und Wartezimmer, das kleine Labor und der Personalraum werden nach und nach leergeräumt. Circa 1300 Patienten hat Schloßbauer im Quartal behandelt. Wo sie künftig unterkommen, wisse er im Detail nicht. Sie werden sich auf die Kinder- und Jugendärzte, sowie auf die Allgemeinärzte in Bad Kissingen und den angrenzenden Landkreisen verteilen, schätzt er.

Er hätte sich verschiedene Modelle vorstellen können, die Praxis zu übergeben. Schloßbauer betont, dass er bereit gewesen wäre, in Teilzeit in der Praxis mitzuhelfen. Auch wenn ein Interessent erst noch die Fachausbildung zum Kinderart hätte absolvieren müssen, hätte er das möglich gemacht, und die Praxis noch bis Ende der Ausbildung weitergeführt. Die Ideen haben sich jedoch zerschlagen - der Fachkräftemangel im ärztlichen Bereich führt dazu, dass es im Landkreis Bad Kissingen künftig nur noch zwei niedergelassene Kinderarztpraxen gibt: Die der Doktores Menendez-Castro in Reiterswiesen mit Zweigpraxis in Münnerstadt sowie die von Ghassan Khazim in Hammelburg.

Die Schließung bekommen die verbliebenen Kinderärzte zu spüren, auch abseits von Patientenanfragen. So hat Schloßbauer zum Beispiel die Urlaubsvertretung für die Praxis Khazim erledigt. Um die zu organisieren, sei man nun darauf angewiesen, Ärzte aus den Kreisen Schweinfurt, Main-Spessart, Rhön-Grabfeld und sogar Hessen anzufragen, heißt es aus der Hammelburger Praxis. Für Eltern mit einem kranken Kind bedeutet das lange Anfahrtswege und einen großen Zeitaufwand.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) erklärt, dass der Kassensitz von Dr. Schloßbauer nicht vor Herbst neu besetzt wird. Formell ist es so, dass der Kassensitz mit der Schließung komplett weggefallen ist. Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in Bayern muss für den PLanungsbereich Bad Kissingen erst wieder für einen neuen Kinderarzt öffnen. Das Gremium tagt zwei Mal im Jahr, voraussichtlich das nächste Mal im August oder September. Gibt das Gremium ihr OK, wird der Kinderarzt-Kassensitz neu ausgeschrieben. "Niederlassungsinteressenten, aber auch bereits im Planungsbereich bestehende Kinderarztpraxen könnten sich darauf als Freiberufler oder mit einem anzustellenden Kinderarzt bewerben", erläutert KVB-Sprecher Axel Heise. Melden sich mehrere Interessenten, entscheidet ein Zulassungsausschuss, wer den freien Arztsitz erhält.

Heise betont: "In der Zwischenzeit müssen die Patienten sich einen neuen Behandler im Umfeld der geschlossenen Praxis suchen." Eltern, die Hilfe bei der Arztsuche benötigen, können sich an die Terminservicestelle der KVB unter der Tel.: 116117 wenden.

Gesundheitliche Probleme zwingen Schloßbauer zum Aufhören

Schloßbauer stammt gebürtig aus München. 1987 beendete er sein Medizinstudium und arbeitete zunächst als Assistenzarzt an der Uniklinik München. In seiner Kindheit habe ihn sein Arzt geprägt. Vor allem der Umgang des Mannes zu Kindern beeindruckte nachhaltig - so sehr, dass Schloßbauer Pädiater werden wollte. Aber: "Zu dem Zeitpunkt, war es schwierig, eine Ausbildungsstelle zum Kinderarzt zu bekommen", erzählt er.

1990 gab er deshalb sogar seine Heimat in Oberbayern auf und wechselte an die Kinderklinik nach Schweinfurt, wo er die Ausbildung zum Kinderarzt durchlief. "Der Umzug sollte eigentlich auf 5 Jahre limitiert sein, im Nachhinein war es aber gut. Unterfranken ist unser neues zuhause geworden", meint Schloßbauer. 1997 folgte schließlich der berufliche Schritt nach Bad Kissingen, wo er die Kinderarztpraxis von Ludwina Schmitt in der Ludwigstraße übernahm. Ende der 1990er Jahre baute Schloßbauer mit den Kinderärzten erst aus dem landkreis Bad Kissingen und später auch mit den Kollegen im Rhön-Grabfeld den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst auf. 2011 zog er mit der Praxis aus der Innenstadt nach Winkels.

Schloßbauer setzt sich nicht nur aus Alters- sondern vor allem auch aus gesundheitlichen Gründen zur Ruhe. In den vergangenen Jahren musste er sich zwei größeren Operationen unterziehen, unter anderem am Herzen. Nach den Ops wieder zu arbeiten, habe er als körperlich sehr anstrengend und fordernd empfunden. "Man muss dann wieder voll funktionieren und kann sich nicht zurücknehmen", erklärt er. Es reifte der Entschluss, sich zur Ruhe zu setzen.

Der Abschied von den Kindern und deren Eltern fällt ihm dennoch nicht leicht. Dass die Praxis nicht fortbesteht, macht ihm zu schaffen. "Was in den vielen Wochen der Abschiedsphase eine Rolle gespielt hat, waren die vielen positiven Rückmeldungen: ,Du wirst uns fehlen'", erzählt er. Auch wenn die Tätigkeit als Kinderarzt mit eigener Praxis plus Bereitschaftsdienste und zunehmender Bürokratie oft alle Kräfte gefordert hat, ist Schloßbauer froh, den Beruf ergriffen zu haben. "Mir war im Umgang mit den Kindern Ruhe und Gelassenheit wichtig, Freundlichkeit und Ehrlichkeit im miteinander", meint er. Besonders nah stand er Kindern mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen. "Obwohl sie kein einfaches Schicksal haben und viel mitmachen müssen, sind sie in der Lage, vie zu geben", sagt Schloßbauer. Letztlich haben sie ihm immer mit Kraft und Motivation versorgt.