Auch die Entwicklung der kulturellen Identität gehört zu den Zielen der Allianz Kissinger Bogen, zu der sich die Gemeinden Bad Bocklet, Burkardroth, Nüdlingen und Oberthulba zusammengeschlossen haben. Mit der Figur Rhönkäppchen aus dem gleichnamigen Theaterstück konnte die vormalige Allianzmanagerin Ganna Kravchenko schon einen schönen Erfolg in der Region verbuchen, denn das findige Rhöner Märchen-Mädchen gab der interkommunalen Zusammenarbeit ein Gesicht und ist zu einem Markenzeichen geworden.

Ihre Nachfolgerin Beata Schmäling geht sogar noch einen Schritt weiter und hat jetzt ein Filmprojekt angestoßen und mit dem gebürtigen Kissinger Joshua Reiher einen jungen Filmemacher mit Bezug zur Region gefunden. Reiher studiert in Weimar Media Arts and Design, hat seit einigen Jahren eine Filmproduktion für Image- und Werbefilme und Dokumentationen aufgebaut und ist als Gründer einer Filminitiative anerkannt. Der jetzt für den Kissinger Bogen in Angriff genommene kleine Heimatfilm - Arbeitstitel Rhönkäppchen's Heimat - trägt seine Handschrift und wird mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt.

Wandertag an der Hermannsruh

Als Rahmenhandlung des Films durchstreift ein Mädchen, die zehnjährige Hauptdarstellerin Miriam Wehner, Tochter des Burkardrother Bürgermeisters Daniel Wehner, während eines fiktiven Wandertages die vier Gemeinden. In Einblendungen wird von Land und Leuten, den Besonderheiten der Gemeinden und ihrer Prägung durch die Rhön erzählt. Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung ist das ehemalige Jagdhaus Hermannsruh bei Stralsbach. Hier wurde ein Großteil der Handlung gedreht. Dazu hatten sich über zwanzig Statisten eingefunden. Kinder, Jugendliche und einige ältere Herrschaften stellten unter anderem eine Schulklasse beim Wandertag und eine bunte Szenerie am Wirtshaustisch in der Jagdhütte dar. Mit dabei: als kleine Märchenfigur, mit ihrer Stimme und zuletzt leibhaftig, das Rhönkäppchen.

Ganz anders, nämlich in die mittelalterliche Geschichte der Region, entführen dann Darsteller des Ritanswisener Burgtheaters vom Heimatverein Botenlauben Reiterswiesen die Filmzuschauer. Die Szene spielt an der Klosterkirche in Frauenroth und erinnert an Otto und Beatrix von Botenlauben und die Schleiersage zur Klostergründung, in der es heißt, dass auf Burg Botenlauben ein heftiger Windstoß den kostbaren Schleier der Gräfin Beatrix vom Kopf riss, worauf sie gelobte, dort, wo der Schleier gefunden würde, ein Kloster zu bauen. Nach drei Tagen brachte eine Bauersfrau das Erbstück zurück. Es hatte sich "im Tal der Aschach am Lederbach im dicken Dornbusch", wie es in der ersten Aufzeichnung der Sage von Pfarrer Kleer aus dem Jahr 1825 heißt, verfangen. Die Hintergrundszenen wurden vor dem Kirchenportal gedreht und die Sache mit dem Schleier ein wenig freier interpretiert, denn den Dornbusch gibt es nicht mehr, er musste vor fast 800 Jahren dem Klosterbau weichen. So war beim Kameramann Akrobatik gefragt, der, auf dem Boden liegend, viele Versuche brauchte, bis er den Schleier, luftig elegant vom Himmel schwebend und vom Minnesänger Otto von Botenlauben aufgefangen, "im Kasten" hatte. An die beiden Drehtage vor Ort schließen sich Vertonung, Auswahl und Gestaltung der Einblendungen, Schnitt und Dialoge im Studio an. Beata Schmäling hofft, dass der Film bis Ende des Jahres fertiggestellt werden und so die Zusammenarbeit und Identität der Allianz weiter beflügeln kann.