"Sie hielten sich stets im Hintergrund, beobachteten mich aber gleichzeitig scharf durch ihre Linsen", schildert Susanne Kastner ihre Eindrücke von dem Projekt. Sie habe die Anwesenheit der beiden Fotografen nie als störend empfunden, sondern sei neugierig gewesen, welche Eindrücke und Emotionen festgehalten würden. Neben Susanne Kastner schaute das Ehepaar Kohlmeier 15 weiteren Bundestagsabgeordneten wie Wolfgang Thierse, Ilse Aigner und Peter Ramsauer über die Schulter. Es entstand eine wahre Flut an Fotografien. Von jedem Politiker wurden zwei der Schwarz-Weiß-Bilder für die Wanderausstellung "Politik ungeschminkt" ausgewählt, die die nächsten sechs Wochen im Lichthof des Landratsamtes zu sehen sind.

"Es entstanden sehr persönliche und ansprechende Bilder", sagt die Berliner Abgeordnete bei der Eröffnung der Ausstellung. Denn Angelika und Bernd Kohlmeier hätten bei ihr gewohnt und waren in dieser einen Woche auch in das Privatleben mit eingebunden. Da diente das gemeinsame Essen mit der Familie ebenso als Motiv wie der Waldspaziergang, den Kastner zum Luftholen braucht.

Auf Kurator Andreas Kaernbach (Kunstsammlung des Deutschen Bundestages) übt die Ausstellung einen großen Reiz aus. 16 Mal werde das gleiche Thema dargestellt, allerdings fänden die Künstler bei jedem Politiker einen eigenen Zugang. "Es wird überhaupt niemals langweilig", urteilt er. Vor allem hätten die Bilder eine hohe Aussagekraft über ein demokratisches Selbstverständnis. "Die Abgeordneten sind oft in Situationen des Dialogs oder als Zuhörer dargestellt", erläutert er. Sie seien somit Gleiche unter Gleichen, Bürger unter Bürgern. Mit einem Unterschied: "Sie sind Bürger mit Macht auf Zeit", ergänzt Kaernbach. Im normalen Medienalltag werde ein komplett anderes Bild von Politikern gezeichnet.

Dem schließt sich Kastner an: Politiker werden als "Menschen wie du und ich" bei ihrer alltäglichen Arbeit gezeigt. Sie wünsche den Menschen viele Einblicke in deren Leben.