Beim Open Air im Luitpoldbad Nummer 2 war alles anders als bei der Premiere mit dem Venice Baroque Orchestra und dessen Stargeiger Giuliano Carmignola: Die Sonne kam von vorne, was für viele Besucher ohne Hut und Schatten kein sonderlicher Gewinn war, die Musik von Canadian Brass jedoch passte perfekt in den Innenhof und - wesentlicher Unterschied: Die Musiker hatten alle gute Laune, obwohl es heiß war in ihrem Garderobenzelt und nur wenig kühler auf der Bühne.

Sie zogen mit dem Trauermarsch "Just a Closer Walk with Thee" und ihrem Markenzeichen, Schwarze Anzüge zu weißen Turnschuhen, ein und eroberten ihr Publikum im Handumdrehen - auch die Herrschaften in der prallen Sonne, denn die an Dubaiarchitektur erinnernden winzigen schirmartigen Schattenspendgebilde erfüllen ihren Zweck leider nur für zwei schmale Streifen im breiten Auditorium, weshalb zwischen den einzelnen Nummern Zuschauer in die schattigen Nischen mit wenig Sicht auf die Bühne abwanderten.

Schon bei den ersten Stücken, Renaissancetänzen aus England und Italien, wurde deutlich, dass die fünf Herren nicht zu Unrecht den Titel "The Original" für sich beanspruchen. Und das nicht nur, weil sie schon 1970 in Toronto gegründet wurden und seitdem in wechselnden Formationen um den Tubisten Chuck Daellenbach auftreten, sondern auch, weil Caleb Hudson und Chris Coletti an der Trompete, Jeff Nelson am Horn und Achilles Liarmakopoulos an der Posaune offenbar alles können.

Mit einer Canzon von Giovanni Gabrieli zeigten sie den Kissingern auch, was diese wissen wollten über ihre neue Konzer-Location: Wie einst Gabrieli seine Bläser und Chöre in San Marco in Venedig verteilten sie sich in allen Ecken des Innenhofs und bewiesen, welch tolle Akustik hier herrscht.

Johann Sebastian Bachs Kleine Fuge in g-moll mit ihrem verzwickten musikalischen Gefüge oder die Ouvertüre zu Mozarts "Zauberflöte" mit blitzsauberer Interpretation des mit makelloser Virtuosität gespielten Hauptteils wurden mit riesigem Applaus und Bravos bedacht.

Chuck Daellenbach, Mitgründer der Formation, ist nicht nur ein ausgezeichneter Tubist, sondern führt seine Zuhörer auch witzigen Geschichten leichtfüßig durch das Programm. Wie alle guten Musiker weiß er, dass die Beatles zu den besten "classical composers" des 20. Jahrhunderts gehören und pfeift dem Publikum vor, dass "Penny Lane" viel mit Bachs 2. Brandenburgischen Konzert zu tun hat. Einen kleinen Taschenspielertrick mit der Tuba, das Weiterblasen, während man die Tuba dreht, führte er als spannende kleine Geschichte vor.

Nach der Pause gab es nochmal Hardcore-Klassik, Mozarts "Rondo alla turca" in einer mitreißenden Fassung, bevor drei der Hits aus Leonard Bernsteins Jahrhundertmusical "West Side Story", "Maria", "I Feel Pretty" und "America" das Publikum begeisterten. Bei "I Feel Pretty" spielte Daellenbach die Singstimme auf der Tuba, die trostlosen Zustände in Puerto Rico in "America" karikierte er mit Tubaschluchzen.

Die "Ballettmusiken", zu denen die fünf sich angeblich eine Ballerina zum Einstudieren ihrer "Original National Canadian Ballet"-Version geholt hatten, wurden inklusive Streck- und Dehnübungen, Pirouetten, Spagat, Ballettpositionen und dem sterbenden Schwan Daellenbachs unter seiner Tuba zum lautstark belachten und gefeierten Höhepunkt des Programms.

Ohne drei Zugaben kamen die Musiker nicht davon, darunter Rimski-Korsakovs "Hummelflug" mit einer echten Hummeljagd, und der "Memphis Blues", bei dem das Publikum mitklatschen und mitsingen konnte.

Mit einem Dank an die gut gelaunten Zuhörer verabschiedeten sich die fünf Ausnahmebläser, die alle Beteiligten gerne wiedersehen möchten, auch an diesem Ort. Der Intendant zieht das Fazit im Gespräch mit einigen begeisterten Besuchern: Der Innenhof ist für diese Art von Musik bestens geeignet, doch sollten Konzerte erst nach 20 Uhr beginnen, damit die Sonne die Zuhörer nicht mehr plagen kann. Genau!