Es sieht aus wie die Horror-Szenarien des Waldsterbens. Ästen ragen wie Knochen in den Himmel - dazwischen stehen Baumstümpfe. Der Fichtenbestand im Bereich des Aussichtspunkts Bellevue und des Kellersteins am Feuerberg ist quasi nicht mehr existent. Aber: Ein rücksichtsloser Kahlschlag steckt nicht dahinter. "Derzeit kümmern wir uns dort um Schäden", sagt Philipp Bausch, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Bad Brückenau. "Dabei geht es um den Borkenkäfer, Windwurf und Windbruch, aber auch um Schneebruch und die Sturmschäden aus den vergangenen Monaten." Aber: So viel Schaden, dass der Bereich aussieht wie eine Ödnis?

Seit Jahren aktiv

"Wir sind in den vergangenen Jahren immer mal wieder dort aktiv gewesen", sagt Bausch. "Was derzeit dort aufgearbeitet wurde und wird, ist eine ganz schöne Menge." Er schätzt etwa 500 Festmeter. Im angrenzenden Feuerbergring sind es rund 1000 Festmeter. Das Ergebnis für 2020/2021 lag ebenfalls bei rund 1000 Festmetern, die Forstarbeiter aufgrund von Schäden aufarbeiten mussten.

Dass es sich um Schäden statt einem Kahlschlag handelt, ist ersichtlich. Viele der noch stehenden Stümpfe weisen deutliche Bruchkanten auf. Auch die aus der Erde geklappten Wurzelteller sind deutliche Indizien dafür, dass ein Sturm den Baum aus dem Boden gerissen hat: Dabei handelt es sich um Windwurf. "Das aufzuarbeiten, ist gefährlich. Wir versuchen deshalb, so viel wie möglich maschinell zu machen." Das klappt wegen der Bodenbeschaffenheit und Topografie nicht überall. Dann muss doch der Forstarbeiter mit Kettensäge ran.

Weil der aus dem Boden ragende Wurzelteller den Forstarbeiter erschlagen kann, sägt er den liegenden Baum nicht direkt oberhalb der Wurzel ab, sondern lässt ein Sicherungsstück stehen. Heißt: Er sägt weiter oberhalb ab. Dadurch entsteht ein Widerlager, so dass die Wurzeln den Forstarbeiter nicht gefährden.

Der Fichtenbestand stammt etwa aus den 1950er bis 1970er Jahren. "Das jetzt so zu sehen - der Anblick tut in der Seele weh", sagt Bausch. Aber: Auf der Fläche geht es weiter. Denn mit dem Aufarbeiten ist es noch nicht getan. Eine kahle, leere Fläche wird dort nicht bleiben. "In der Abteilung ,Feuerberg' haben wir schon Diverses gepflanzt." Dabei setzen die Bayerischen Staatsforsten auf Arten wie Ulme, Kirsche, Tanne, Ess-Kastanie oder Birke. Der Blick in die Zahlen zeigt: In den vergangenen Jahren begründeten die Bayerischen Staatsforsten auf rund 30 Hektar am Feuerberg 5,1 Hektar neue Waldfläche.

So sieht der Rhöner Zukunftswald aus

So auch zwischen Bellevue und Kellerstein. "Am Ende wird ein reich gemischter, vielfältiger und strukturierter Wald entstehen." Die Arbeiten dafür haben bereits begonnen - wenn auch die jungen Bäume vor lauter Vegetation erst auf den zweiten Blick zu sehen sind. "In der Regel kommt das, was wir pflanzen, durch", sagt Philipp Bausch, während er einige Bäume in der krautigen Vegetation zeigt. Er schätzt, dass in etwa zwei Wochen die Schäden am Feuerberg aufgearbeitet sind. Für den Forstbetrieb rechnet Bausch damit, dass erst zum Juli alles erledigt ist. "Es ist schwer, Firmen zu bekommen, die das Holz rücken und abtransportieren." Das hängt mit der Schadensstruktur zusammen. "Im Forstbetrieb Bad Brückenau haben wir etwa 16.000 Hektar Fläche. Die Schäden sind auf der ganzen Fläche verteilt. Für manche Firmen ist das unattraktiver als andernorts, wo das Aufarbeiten einfacher ist, weil die Schäden dort geballt sind."

Dadurch arbeiten die Staatsforsten gegen die Zeit. Denn: Die heißen Tage des ersten halben Jahres führten zu einer baldigen Eiablage des Borkenkäfers. Bald schlüpft die zweite Generation und fliegt aus. "Bis dahin müssen wir das Holz abtransportiert haben", sagt er. Ansonsten entstehen weitere Schäden. Um auf die Forstarbeiten aufmerksam zu machen, haben die Staatsforsten mit den Behörden gesprochen. An den Schildern der Wanderparkplätze finden sich Hinweise auf Bereiche, in denen gearbeitet wird. Normalerweise kündigt der Forstbetrieb seine Einsätze an und sperrt Wanderwege. Derzeit läuft das allerdings etwas anders. Durch die Vielzahl der Schäden an unterschiedlichen Orten ist es schwer möglich, konkret zu sagen, wo derzeit gerade gearbeitet wird.