2019 begann der Kreis mit der Teilsanierung der Staatlichen Berufsschule, denn insbesondere die Südseite des Schulhauses, das in den Jahren 1983 bis 1986 erbaut wurde, war von Wettereinflüssen stark gezeichnet. Der zeitliche Ablauf des Baugeschehens wurde auf drei Jahre aufgeteilt, unter anderem auch, weil die Arbeiten vorwiegend in den Ferien stattfinden sollten.

Spannend war das schon, sagte Schulleiterin Karin Maywald seinerzeit, als sie auf die ersten Arbeiten im Jahr 2019 zurückblickte. Denn das Gros der Arbeiten wurde zwar während der Ferien gemacht, die Handwerker waren aber teilweise auch während des Schulbetriebs da. Manche Klassen mussten auch kurzzeitig mal umziehen. Im Corona-Jahr 2020 war dann alles ganz anders.

Mittel aus dem Förderprogramm

Doch zunächst zur Baumaßnahme: Weil der Freistaat 2018 Fördermittel für die energetische Sanierung von Schulen in Aussicht gestellt hatte, hatte sich der Kreis beworben - mit Erfolg. 900 000 Euro aus dem Kommunalinvestitionsprogramm Schulinfrastruktur (KIP-S) wurden bewilligt. Nach den Planungen des Landkreises wurden für drei Haushaltsjahre Maßnahmen mit einem Kostenrahmen von insgesamt rund 1,42 Millionen Euro eingepreist.

Im ersten Bauabschnitt wurden 2019 die alten Holzfenster des Südflügels durch dreifach verglaste Alu-Fenster mit Kunststoffbeschichtung ersetzt. Zudem wurden neue Sonnenstores angebracht. Auch Bodenbeläge in den Klassenzimmern und Fluren wurden ausgetauscht. Statt Linoleum findet man dort jetzt PVC-freie Böden, die nicht so pflegeintensiv sind, sagt Ralph Katholing von der Hochbauverwaltung des Landratsamts.

Im zweiten Bauabschnitt wurden 2020 Bodenbeläge in weiteren Klassenzimmern verlegt sowie ein Fenster- und Tortausch im Werkstattbereich vorgenommen. Auch diese Maßnahmen sollten vorwiegend in den Schulferien erfolgen. Was zu Jahresbeginn noch niemand ahnte: Während des Corona-Jahrs 2020 würden die Schüler sowieso in den Phasen der Lockdowns oft gar nicht im Schulgebäude sein, so dass die Maßnahmen dann teilweise ohne Störungen des Schulbetriebs vonstattengehen konnten.

Für 2021 ist nun unter anderem im Erdgeschoss der Austausch der Hauptfassade im Bereich des Cafés geplant, so Katholing weiter. Die bestehende Glasfront mit Pfosten und Riegeln soll gegen eine Glasfassade moderner Prägung (wärmedämmend) ausgewechselt werden. Auch die noch viel mächtigere Glasfront am Eingangsbereich der Schule steht demnächst zum Austausch an. Hinzu kommen weitere neue Beläge in verschiedenen Zimmern.

Dafür, dass die Schule 1987 in Betrieb genommen wurde, seien die Gebäudeteile noch recht gut in Schuss, wagt Architekt Peter Seufert beim Ortstermin eine Bewertung der Lage. Die Holzfenster seien jedoch inzwischen von der Witterung gezeichnet. Da es vom Freistaat 2018 Fördermittel gab, habe es sich für den Kreis gelohnt, diese energetische Teilsanierung des Schulhauses anzustreben, sagt Seufert.

Alle kamen an ihre Grenzen

Die Sanierungsarbeiten waren für Schulleiterin Maywald 2020 eher das kleinere Problem. Vielmehr galt es, den Schulbetrieb auch zu Zeiten des Lockdowns zu gewährleisten. "Wir alle kamen an unsere Grenzen", sagt sie im Gespräch mit dieser Redaktion. "Zum Glück haben wir ein engagiertes, leistungsstarkes Kollegium." Während des ersten Lockdowns im Frühjahr war die Schule geschlossen und der Distanzunterricht musste erst vorbereitet werden.

Glücklicherweise hatte das Landratsamt bereits 2016 ein modernes digitales Software-Paket für die Schule geschnürt, lobt Maywald. Die Lehrer konnten sich schon per E-Mail vernetzen und in Teams zusammenkommen. Doch die Schüler waren im Frühjahr 2020 noch außen vor. Das sollte sich aber fortan ändern.

Die IT-Mannschaft aus dem Landratsamt kam nach Garitz und bemühte sich, die Schule nun insgesamt digital auf Vordermann zu bringen, so Maywald weiter. Das bedeutete unter anderem, dass man die E-Mail-Adressen von 1400 Schülern in den Computer einpflegen musste. Dabei zeigte sich, dass bestimmte Berufsgruppen digital noch nicht affin waren, wie zum Beispiel die Frisöre. Die wurden dann per E-Mail über den Unterrichtsstoff informiert. Andere hatten zu Hause gar keine Computer, sagt die Schulleiterin. Etliche Betriebe hätten aber dankenswerterweise Computer bereitgestellt. Migranten wurden zum Beispiel per Postweg mit dem Lernstoff versorgt, so die Oberstudiendirektorin. "Wir schickten also generell Lernaufgaben auf die Reise - und irgendwann kamen die Arbeiten zurück."

Im Lockdown im November 2020 war glücklicherweise schon ein Fortschritt erreicht, erzählt Maywald. Jetzt konnte man wieder nach Stunden unterrichten, weil alle über das System Teams erreichbar waren und zum Unterricht per Computer "erscheinen" konnten. Trotz aller Widrigkeiten des phasenweisen Distanzunterrichts sagt Maywald stolz: "Unsere Schüler sind echt top. Sie haben das bislang alles mitgetragen." Im Großen und Ganzen habe "alles funktioniert".

Die Schulentwicklung stagniert

Damit meint sie auch die Älteren in der Lehrerschaft, die in die Schule kamen, um sich mit der Technik vertraut zu machen. Und sie vergisst auch nicht die beiden Hausmeister Werner Schmitt und Jürgen Tremer zu erwähnen, die jederzeit zur Hand gehen, wenn Not am Mann ist.

Für Maywald ist klar: "Corona hat die Menschen voneinander distanziert. Jeder wurde zum Einzelkämpfer. Das Verbindende ist nur, dass alle die gleichen Probleme haben." Auch die Weiterentwicklung der Berufsschule habe stagniert. Am Buß- und Bettag 2019 sei man in der Schule zusammengekommen und habe Ziele für die Zukunft formuliert. "Fortentwickelt wurde davon aber bislang kaum etwas."

Die Berufsschule Auf einen Blick: Laut Schulleiterin Karin Maywald werden in der Berufsschule in Bad Kissingen 1600 Schüler/innen unterrichtet - und zwar im dualen System (tage- oder wochenweise). Derzeit gibt es 80 Klassen. An der Schule beschäftigt sind 70 Lehrkräfte. Die Schüler kommen etwa zur Hälfte aus der Region, zur anderen Hälfte aus dem gesamten Bundesgebiet. Die größte Berufsgruppe machen hier mit 250 bis 300 Personen die Bestatter aus.Isolde Krapf