Vor allem der Beginn der Corona-Pandemie war für alle eine Herausforderung. Besonders für die Gesundheitsbehörden. Denn es musste nicht nur die Verteilung der Schutzausrüstung organisiert und koordiniert werden, unabdingbar war auch, dass die Corona-Abstriche ausgewertet werden. Und das musste und muss natürlich schnell geschehen. "Wir suchten händeringend nach Laboren, die das übernehmen konnten. Aber alle waren überlastet", erinnert sich der Versorgungsarzt des Landkreises Rhön-Grabfeld Dr. Helmut Klum an diese turbulente Zeit zurück. Es sei schwer gewesen, ein humanmedizinisches Labor zu finden, welches die Abstriche auswertete. "Die Proben wurden kreuz und quer durch die Gegend gefahren. Das Labor der Uniklinik in Würzburg war überlastet, es dauerte ewig, bis die Ergebnisse kamen", sagt Klum. Wie sollte man diese Misere lösen?

Hier sollte sich wieder einmal folgendes bewahrheiten: Die besten Dinge verdanken wir oft dem Zufall. Ein sehr guter Freund des Sohnes von Helmut Klum arbeitet als Tierarzt in einem Labor in Bad Kissingen. Allerdings wertete das Labor für klinische Diagnostik namens Laboklin damals nur Proben von Tieren aus. Es war nämlich ein veterinärmedizinisches Institut. "Da fuhr ich einfach an einem Sonntagvormittag zu Dr. Anton Heusinger, dem Leiter der Abteilung Mikrobiologie bei Laboklin, der in meiner Nähe wohnt. Hier erfuhr ich, dass das Labor sowieso schon vor hatte, eine Genehmigung auch für humanmedizinische Proben zu bekommen", erinnert sich Klum. Ab da ging alles Schlag auf Schlag, die Zeit drängte ja. "Humanproben auszuwerten ist für uns überhaupt kein Problem", so Dr. Elisabeth Müller, Eigentümerin und Geschäftsführerin des Labors Laboklin. Sie selbst ist Fachtierärztin für Mikrobiologie. Dr. Helmut Klum rief sofort nach dem Gespräch bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) an. "Dort fragte man mich: Wie soll das funktionieren? Das Labor ist doch nicht im humanmedizinischen Bereich tätig. Die Bedenken ließen sich aber leicht entkräften: Der Leiter des Robert Koch-Instituts, Dr. Lothar Wieler, ist schließlich selbst Fachtierarzt für Mikrobiologie", erzählt Klum. Schnell kam daraufhin die Genehmigung für Laboklin, die Corona-Proben auswerten zu dürfen. Erste Tests wurden am 30. März vom Labor ausgewertet. Jetzt hatte man einen kompetenten Partner direkt vor Ort. "Die Proben konnten sehr schnell nach Bad Kissingen gefahren werden. Teilweise bekamen wir die Ergebnisse der Tests noch am Abend oder spätestens am nächsten Morgen", so Klum. Dies sei sehr wichtig: Die Menschen, die getestet wurden und werden, säßen nämlich in der Quarantäne "auf Kohlen". Sie dürfen nicht heraus, bevor das Ergebnis bekannt ist. "Und natürlich macht man sich Sorgen, wenn es lange dauert, bis man weiß, ob man nun infiziert ist oder nicht", so Klum. Bevor ein negatives Testergebnis vorliegt, kann die betreffende Person auch nicht auf die Arbeit gehen.

"Die örtliche Nähe war und ist sehr wichtig. Dadurch konnten und können die Proben schnell ausgewertet und auch die Kosten gesenkt werden", so der Katastrophenschutzbeauftragte am Landratsamt Rhön-Grabfeld, Gerald Söder. Schließlich sei es nicht alleine damit getan, Abstriche zu nehmen. Diese müssten auch zeitnah ausgewertet werden. Deshalb brauche man auch ein Labor, das entsprechend leistungsfähig und flexibel ist. Das Ganze sei mit einer Kette vergleichbar: Beim schwächsten Glied reiße sie.

Dass die Kette hält, dafür sorgt Dr. Elisabeth Müller mit ihrem Team. Beim Labor Laboklin sind 450 Mitarbeiter beschäftigt, unter ihnen allein an die 90 Tierärzte. "Wir wussten von Anfang an, dass es für uns kein Problem darstellen würde, die Proben auszuwerten", so Müller. In der Tiermedizin spielt das Labor auf europäischer Ebene ganz oben mit. Und aufgrund der Corona-Krise und der benötigten Testkapazitäten wertet man eben auch humanmedizinische Proben aus. "Oberste Priorität war, dass wir nur das an Proben annehmen, was wir am gleichen Tag auswerten können", sagt die Chefin. Das ist ihr sehr wichtig, denn oft hängen an der zügigen Abarbeitung auch Schicksale. "Einmal ging es um die Frage: Die Mutter liegt im Sterben. Hat sie nun Corona oder darf sich die Tochter daneben setzen? Das berührt natürlich auch auf der menschlichen Ebene", so Müller.

Sicherheit steht an erster Stelle

Neben den Auswertungen für Bad Neustadt übernahm das Labor auch die amtlichen Untersuchungen, unter anderem für Bad Kissingen, Schweinfurt, Aschaffenburg und Miltenberg. Das Labor untersucht außerdem die Proben von Kurkliniken und Krankenhäusern. "Auch hier ist es uns wichtig, dass es neben der fachlichen Qualität vor allem schnell geht", meint Müller.

Mit den kooperierenden Häusern wurden dafür feste Zeiten ausgemacht. Kämen die Proben bis 7.30 Uhr, dann liege das Ergebnis bis 13 Uhr vor. "Wir können hier vor Ort an die tausend Corona-Proben am Tag auswerten. Das ist schon recht viel", so die Geschäftsführerin. Sie betont, dass das alles natürlich nur durch einen beispiellosen Einsatz der Mitarbeiter möglich ist, die diesen Ablauf durch extreme Arbeitszeiten auch an den Feiertagen möglich machen.

"Die Sicherheit der Mitarbeiter steht bei uns aber natürlich an erster Stelle", erklärt Müller. Im Labor sei bislang keine einzige Person durch Corona infiziert worden. Das liege auch an den zahlreichen Vorsichtsmaßnahmen. So habe man entsprechende Räume, die gesondert abgesichert sind, um mit den Keimen zu arbeiten. Bis ans kleinste Detail ist dabei gedacht: So würden selbst die Anträge für die Tests, die den Proben beiliegen, zuerst einmal in eine Art Backofen gehen, in dem Keime und Bakterien abgetötet werden. Die Mitarbeiter, die mit den Proben in Berührung kommen, seien alle durch besondere Schutzausrüstung sowie Maske geschützt. "Dabei greifen wir natürlich auf die schon vorhandene Untersuchungstechnik zurück, die sich bewährt hat", erklärt Müller.

Doch bei aller Unterstützung durch Maschinen: Das Aufdrehen der Corona-Proben geht immer noch mit der Hand. Anschließend muss in einem komplizierten Prozess die Erbinformation vom Tupfer entnommen und die so erhaltene Ribonukleinsäure (RNA) vervielfältigt werden. "Das ist eine sensitive Methode, die Zeit braucht", so die Geschäftsführerin. Rund 2,5 Stunden vergehen von der Öffnung des Röhrchens bis zum Vorliegen des Ergebnisses. Auch an die Entsorgung der Proben ist gedacht. "Der Abfall wird keimfrei gemacht, so dass wir nachts mit ruhigem Gewissen schlafen können", sagt Müller. Björn Hein