Es klingt nach einem spannenden Experiment: Eine deutsch-japanische Tänzerin, eine weißrussische Filmemacherin und eine nordische Sängerin wollen, zusammen mit zwei Profis in Sachen Geräuschkulissen und Beleuchtung, Wasser so zu sagen zum Leben erwecken. Und das auf ganz trockenem Bühnengrund im königlichen Regentenbau. "Wasser, das sensible Chaos" heißt die Performance, die zum Auftakt des Bayernfestivals kunst & gesund am Donnerstag im Max-Littmann-Saal aufgeführt wird (19 Uhr, Eintritt frei).
Am Dienstag probte das Ensemble zum ersten Mal im Großen Saal. Für Komponist Willem Schulz irgendwie ein ehrfürchtiges Erlebnis. Er war von der Klangfarbe in dem prächtigen, holzgetäfelten Veranstaltungsraum begeistert. "Wir haben ein festes Konzept von der Performance", sagt er. Aber dann müsse man bei der Ankunft eben ausloten, wie die Bühne ist und wie die Klänge fließen.
Damit die Distanz zu den Zuschauern nicht so groß ist, das Wasser also in all seinen Nuancen, Klängen und Vibrationen zu denen fließt, die da lauschen und sich treiben lassen, haben die Künstler darum gebeten, eine Art kleinen Steg in den Zuschauerraum hinein zu bauen. "Es soll Kunst sein, die berührt."


Jeden Morgen in den Pool

Proben des Ensembles gab es freilich zuvor schon bei einem Treffen in Melle/Niedersachsen, wo Schulz lebt und arbeitet. Übrigens hat der Komponist schon immer eine ganz spezielle Beziehung zu Wasser: "Jeden Morgen gehe ich zuerst in meinen Pool, und wenn der zugefrorenen ist, hacke ich ihn mit einem Pickel auf. Später trinke ich ein paar Gläser Wasser", sagt der 67-Jährige. Mit der Komposition des Kissinger Opus' hat er natürlich auch am Wasser angefangen. "Ich saß in Mallorca am Meer und später auch an der Nordsee in Holland."
Die Weite des Meers, das Sprudeln der Quelle, das Gurgeln des Baches, das Tropfen auf einen Stein, das Dahingleiten von Wellen - all das will Schulz zusammen mit seinem Ensemble für die Zuschauer einfangen. Dabei kommt seiner Ansicht nach Vieles zum Tragen: Zum einen die Sensibilität des feuchten Elements, sein Klangfülle und die vielfältigen Spielarten. Wasser kann, wie man in Bad Kissingen erfährt, auch Heilwasser sein. Zum andern ist da die Kraft und Gewalt von Wasserfällen und sich an Felsen brechenden Wogen. Dann ist das kühle Nass auch mal chaotisch und kann sogar zerstören.
Butoh-Tänzerin Minako Seki wird bei der Performance das fließende Element erlebbar machen. Seit zehn Jahren arbeitet sie mit Schulz zusammen. Sie will nicht nur anmutige oder kraftvolle Bühnenkunst zeigen. Ihr Konzept steht seit 30 Jahren: Der Mensch besteht zum größten Teil aus Wasser, das könne man auch mit Licht und Bewegung auf der Bühne sehr gut zeigen, sagt Seki und erklärt ihre künstlerische Wahrnehmung des Körpers als "Wasser-Sack". "Wasser ist mein Element", sagt Seki nachdrücklich. Sie habe damit die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht: Wasser ist gewaltig, rein, aber auch verschmutzt.
Am bolivianischen Titicacasee ist Wasser heilig - und in Bad Kissingen heilt es eben.
Weitere Info: www.kunst-und-gesund.de Isolde Krapf