Bei den aktuellen Corona-Beschränkungen tröstet die Aussicht auf Schönes. Für Hammelburg könnte es die Perspektive auf einen warmen Sommer mit vollen Straßencafés, Biergärten und einer Neuauflage des Stadtstrandes an der Saale sein. Wenn alles planmäßig läuft, soll es ihn im kommenden Jahr wieder geben. Initiator Marcus Beran hat als ausgezeichneter Koch auch schon jede Menge Ideen, mit denen er auf Nachfrage dieser Zeitung nicht hinter dem Berg hält. "Das ist meine Herzensangelegenheit, mein Baby sozusagen", schwärmt er.

Bis es zur Neuauflage kommt, muss Beran jedoch eine Hürde nehmen. Die Stadt hat die Vergabe des Geländes ausgeschrieben. Am Montag endet die Frist für Gebote. Der Stadtrat wird nach bisherigem Stand am Montag, 15. Dezember, entscheiden.

Da drängt sich die Frage auf, warum Marcus Beran nach dem diesjährigen Erfolg nicht als Stadtstrand-Betreiber gesetzt ist. Er war die treibende Kraft für das Projekt im Jahr 2020. Eine entsprechende Idee zirkulierte in der Stadt schon länger, aber an der Umsetzung haperte es. Und Zweifler gab es auch.

Stadt will Transparenz schaffen

Nach dem ersten Jahr stellt Bürgermeister Armin Warmuth dem 29-Jährigen ein gutes Zeugnis aus. Der Stadtstrand habe sich zu einer reizvollen Ergänzung der örtlichen Gastronomie entwickelt. Jung und Alt habe das Freiluft-Angebot angesprochen, weiß Warmuth, der auch den besonnenen Umgang des Personals mit den Corona-Regeln lobt. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei lobenswert gewesen.

Dass nun per Anzeige im Stadtblatt ein Betreiber für den Stadtstrand gesucht wird, ist offenbar nicht als Zweifel an dem Gastronomen zu werten. Die Vorgehensweise hat einen anderen Grund: "Wir wollen Transparenz bei der Vergabe schaffen", so Warmuth. Die Aussichten von Beran, den Zuschlag zu bekommen, scheinen nicht schlecht. Man werde auch eine Rolle auf die Regionalität des Betreibers legen, lässt Warmuth durchblicken.

Verspäteter Start in diesem Jahr

Punkten kann Beran mit seinen Stadtstrand-Erfahrungen aus seinem schwierigen ersten Jahr. Coronabedingt konnte er erst Mitte Juni loslegen und die Hoffnung auf eine sonnige Verlängerung über den September hinaus in den Oktober erfüllte sich nicht. "Wir sind da mit einem minimalen Gewinn rausgegangen", bilanziert Beran.

Zumal Investitionen erforderlich waren und sich die Vorbereitung aufwendig gestaltete. So mussten 286 Auflagen abgearbeitet werden, bis hin zum Sicherheitsabstand an die Saale. "Das brachte alleine Personalkosten von 2500 Euro", sagt Beran. Erfreut zeigt er sich über die Unterstützung von allen Seiten.

Bis zu 500 Sitzplätze

Nach dem Startschuss im Juni wuchs die Gäste-Kapazität des Geländes in der Saale-Aue mehrfach. Um die Corona-Auflagen zu erfüllen, wandelte Beran zunehmend Stehplätze in Sitzplätze um. 500 Sitzgelegenheiten bot er seinen Gästen an. Alle mit ausreichendem Sicherheitsabstand. "Der Planungsaufwand war natürlich immens", sagt er. An den Wochenenden war er nach seiner Beschreibung mit einem zehnköpfigen Team für die Gäste da. Manche Besucher zogen nach dem Zapfenstreich am Strand in die örtlichen Kneipen weiter. Hervorragend sei das Angebot bei den Wohnmobilisten direkt nebenan angekommen. Für die gab es sogar einen Brötchen-Bestellservice bis 22 Uhr. So sah Beran bereits viele positive Wechselwirkungen. Auch Zumba- und Yoga-Kurse habe es auf dem Freigelände gegeben. Das bot sich an, weil sich manche Räumlichkeiten in diesem Ausnahme-Jahr als zu eng erwiesen. Auch im kommenden Sommer könnten sich die großen Freiflächen im Grünen als Segen erweisen.

Wenn er den Zuschlag bekommt, möchte Beran sein "Konzept der Stille" ausbauen. "Wir wollen kein Ballermann sein", stellt er klar. Neben mehr Schatten auf dem Gelände plant er nun mit einem 200 Quadratmeter großen Veranstaltungsbereich, wo es zweimal wöchentlich Live-Musik geben soll. Außerdem denkt er an die Aufstellung kleiner Hütten für die einzelnen Funktionsbereiche von der Cocktail-Bar bis zur Geschirr-Rückgabe.

Offen will er für Vormittagsangebote der Sportvereine sein. Außerdem soll es eine Terrasse für ältere Semester geben. Möglich seien Kurse seiner eigenen Kochschule. Für denkbar hält er es auch, dass Gäste aus den anderen Restaurants Speisen zum Verzehr bei ihm mitbringen können. Denn die Zusammenarbeit mit der ganzen Gastronomie sei ihm ein besonderes Anliegen. Gutes Einvernehmen habe er bereits in diesem Jahr gespürt.

Nun hängt es vom Ausschreibungsergebnis bei der Stadt und der Entwicklung bei Corona ab, wie sich der kommende Stadtstrand tatsächlich präsentiert. Marcus Beran ist bereit. Samt seiner 35 Tonnen Sand, die er nach dem Einsatz in diesem Jahr schon mal für kommende Herausforderungen gebunkert hat. Wolfgang Dünnebier