Wer hätte gedacht, dass die alten Fußballtrikots der Rannunger Jugend mal in Simbabwe ganz groß rauskommen! 15 Sportgarnituren der einstigen JFG Wern-Lauertaler brachte Michael Hobelsberger (Rannungen) 2020 im Rahmen einer Charity-Aktion Richtung Südafrika auf den Weg. Die Fußballkleidung der früheren Spielergemeinschaft aus Maßbachern, Rannungern und Pfändhäusern (2010 bis 2017) ist jetzt offensichtlich am Ziel angekommen. Denn der frühere JFG-Vorstand Hobelsberger bekam über WhatsApp Fotos zugeschickt, auf denen zumindest zehn glückliche Jungs in roten JFG-Trikots in die Kamera lachen.

Tooor.de heißt die Internetplattform, auf der Fußballfans aus aller Welt ihre Tickets tauschen und auch sonst so allerhand interessante Nachrichten finden. Dort hatte Hobelsberger 2020 den Aufruf von Kathrin Ehrke gelesen, einer jungen Frau aus Lauenbrück (Niedersachsen), die beruflich in Simbabwe unterwegs war und sich "in dieses Land verliebt" hatte, wie sie den Fußballfans postete.

Denn im Rahmen ihres Studiums Tourismus-Management hatte sie 2019 ein Forschungsprojekt außerhalb der EU betreuen sollen - und da war ihre Wahl auf Simbabwe gefallen. Das Ziel der Forschung: Wie man durch Tourismus Wilderei bekämpfen kann. Ehrke reiste nach Simbabwe und stellte schnell fest, wie leicht es sein kann zu helfen. Auf ihren Reisen kam sie auch in die großen Nationalparks und besuchte die Camps der Einheimischen. Sie sah, dass dort die einfachsten Dinge fehlten - unter anderem auch Fußbälle. Die Jugendlichen aus Simbabwe basteln sich ihre Fußbälle aus Unmengen von Plastiktüten zusammen, weiß Hobelsberger aus Ehrkes Schilderungen. Die 42-Jährige fackelte nicht lange und schickte über das Internetportal einen Spendenaufruf.

Jetzt könnten Kritiker hinterfragen, ob denn ein Fußball in Simbabwes Dörfern tatsächlich so bedeutsam für die Grundversorgung der Menschen ist? Hobelsberger sagt ja. Denn nach Angaben der jungen Frau aus Niedersachsen, die sich übrigens weiterhin im größten Nationalpark Simbabwes, dem Hwange-Naturparadies, unweit der Victoria-Wasserfälle, engagiert, begeistern sich Jugendliche und junge Männer dort schon lange fürs Fußballspielen - und jetzt bekommen sie sogar die nötige Ausrüstung dazu.

Die jungen Leute dort seien voll dabei, hatte Ehrke berichtet. Und das habe noch eine andere positive Nebenwirkung: Die Wilderei im Land gehe zurück, hätten Organisationen herausgefunden. Denn die Jugendlichen begeisterten sich nun eher für die Jagd nach dem runden Leder.

"Ich hatte noch die alten Trikots der JFG Wern-Lauertal im Keller", sagt Hobelsberger. Privat habe er über den Deutschen Fußballbund (DFB) noch andere neue Artikel, wie zum Beispiel T-Shirts, für diese Aktion ordern können.

Im Herbst 2020 ging die sportliche Fracht zunächst Richtung Hamburg auf die Reise, erzählt der Rannunger. Denn dort sammelte Kathrin Ehrke die Spenden, um sie in einem Container Richtung Simbabwe einschiffen zu lassen. Leicht war das offenbar zu Corona-Zeiten nicht, weiß Hobelsberger. Man habe offenbar etliche Sondergenehmigungen gebraucht. Auch einer der Vizepräsidenten des 1. FC Köln wirkte unterstützend mit.

Inzwischen hat Ehrke in WhatsApp-Gruppen Fotos eingestellt, auf denen junge Leute aus Simbabwe in deutschen Fußballtrikots zu sehen sind, sagt Hobelsberger. Darunter ist auch ein Team in den Trikots der Rannunger. Die Fußballfans am Sambesi seien sehr stolz auf ihre neue Einheitstracht. "Leider sind noch nicht alle mit Fußballschuhe ausgestattet, ein paar von ihnen müssen noch barfuß spielen", weiß Hobelsberger.

Die Jungs mit den Rannunger Trikots nennen sich neuerdings "Wild Warthogs" (Wilde Warzenschweine), erzählt Hobelsberger und lacht. Im ganzen Land hätten sich inzwischen weitere Fußballmannschaften herauskristallisiert. 2022 soll nämlich in Simbabwe, unter Federführung der "Wild and Free Foundation" (WFF), einer amerikanischen Anti-Wilderer-Einheit, eine eigene Kicker-Liga an den Start gehen.

"Da ist in Simbabwe landesweit etwas Wichtiges in Bewegung gekommen", findet Hobelsberger. "Wenn man sich mit diesem Land beschäftigt, taucht man in eine komplett andere Welt ein", hat der 53-Jährige bei seinen Recherchen im Netz festgestellt. "Und man lernt wieder Demut zu üben."

Freilich sind alle Menschen bei uns durch Corona auf sich selbst zurückgeworfen, sagt der Rannunger. Aber in Simbabwe fehlen hingegen die einfachsten Dinge. Damit meint er genug zu essen oder einfach sauberes Trinkwasser. "Hier ist das alles selbstverständlich. Wir sollten nicht jammern, denn uns geht es vergleichsweise gut."

Übrigens hat Kathrin Ehrke inzwischen einen neuen Aufruf gestartet: Gesucht werden jetzt vor allem gut erhaltene Noppen-Schuhe und Schiri-Kleidung. Hobelsberger ist natürlich dabei und bittet Vereine, Schuhe und Trikots zur Verfügung zu stellen.

Infos zum Spenden bei Michael Hobelsberger, Tel. (01 62) 9 21 49 2 1 Isolde Krapf