Mit Claus Scheeres tritt die Linke mit einem neuen Gesicht an. Der 33-Jährige trat zudem erst vor kurzem in die Partei ein: "Das war im Frühjahr 2020, zur Thüringen-Wahl. Als die FDP den Eklat mit der AfD hatte", sagt er. Auch in der Region ist Scheeres neu - aber hat sich bereits in das Leben auf dem Land verliebt. Geboren und aufgewachsen ist er Ingolstadt.

Nach der Schule sammelte er Erfahrungen bei der Bundeswehr, kurz darauf kam das erste seiner drei Kinder auf die Welt. Scheeres legte das Fachabitur ab. Es folgte eine Ausbildung als Notfallsanitäter. "Ich hatte ehrenamtlich schon mal in den Rettungsdienst reingeschnuppert. Ich war in meiner Schulzeit beim Arbeiter-Samariter-Bund." Bei seinem Beruf als Notfallsanitäter ist er bis heute geblieben.

Drei Steckenpferde: Gesundheitssystem, soziale Ungleichheit und Rassismus

In Großwenkheim ist er wegen seiner jetzigen Frau gelandet. Weil Scheeres sowieso aus der Großstadt wegwollte, zog er zu ihr aufs Land. Dort wohnt er seit 2017 und arbeitet bei der Rettungswache in Maßbach. Der Rettungssanitäter ist "ein absoluter Familienmensch" - auch wenn seine Familie ziemlich patchworkig ist.

Politisch hat Scheeres drei Steckenpferde: Das Gesundheitssystem, die Soziale Ungleichheit und den Kampf gegen Rechts. Ins Gesundheitssystem hat er durch seinen Beruf einen guten Einblick. Ein großes Problem sieht er darin, dass es zu wenige Fachambulanzen gibt: "Wenn wir jetzt mal Urologie nehmen: Da haben wir hier das Leopoldina in Schweinfurt. Das wars!" Die nächstgelegene Urologie sei dann in Würzburg oder Bamberg. In andern Sparten sehe es nicht besser aus.

Fallpauschalen sind ein Problem

Ein weiterer Punkt, der ihn stört: die Fallpauschalen. Kliniken erhalten von den Krankenkassen für Behandlungen einen Fixbetrag "Der Patient wird dadurch nicht mehr als individuelle Person gesehen, sondern als Kategorie." Es gehe nur noch darum, wie man aus einem Patienten viel Geld herausbekommt, ohne dass er lange stationär bleiben muss. "Das Gesundheitssystem wird zum Profitsystem. Und das darf nicht sein."

Die Linke arbeite stark für eine Rekommunalisierung: "Dann könnte der Staat die Krankenhäuser subventionieren, was finde ich auch seine Pflicht ist." Auch in der Pflege müsse sich etwas tun: "Eine Krankenschwester hat teilweise zehn Tage hintereinander Schicht. Es braucht einfach eine bessere Bezahlung für das, was sie leisten. Und mehr Anerkennung." Dadurch kämen auch mehr Pflegekräfte.

Corona zeigte Ungerechtigkeit auf

Bei seinem zweiten Steckenpferd, der sozialen Gerechtigkeit, sieht er ebenfalls Luft nach oben: Die Politik müsse das Betriebsverfassungsgesetz novellieren, damit Gewerkschaften mehr Mitspracherecht haben. Scheeres möchte der Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken: "Die Kluft zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Das hat man auch während Corona sehr gemerkt".

Ein Beispiel: Amazon-Chef Bezos hätte allen Angestellten rund 100 000 Euro zahlen können - und wäre immer noch so reich wie vor der Pandemie. "Und dann gab es den Mittelstand mit kleinen Läden, die mit der Insolvenz zu kämpfen hatten. Das verstehe ich nicht".

"Menschen, die viel haben, sollen auch viel zahlen"

Er wäre für eine Vermögenssteuer: Menschen, die viel haben, sollen auch viel zahlen. Zudem fordert er, die Grundrente auf 2000 Euro zu erhöhen - für ein Leben in Würde im Alter. "Ich finde, dass unsere Mittelschicht, vor allem die Geringverdiener, gestärkt und vor allem entlastet werden müssen." Als Beispiel nennt er die Spritpreise. Die könnten sich bald nur noch Großverdiener leisten.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen sieht er kritisch - aber als Teil eines Lösungsansatzes. Zu sozialer Gerechtigkeit gehört für ihn auch, Minderheiten eine Stimme zu geben. Das heißt: "Sind sie zufrieden mit der Gleichstellung?"

Außerdem beschäftigt ihn die Geschlechtergerechtigkeit: "Zwei Drittel der Frauen arbeiten im Niedriglohnsektor. Und es gibt mehr männliche Vorstände, die Thomas und Michael heißen, als Frauen insgesamt in Vorständen."

Von Rechten verprügelt

Seinen Kampf gegen Rechts begründet Scheeres damit, dass er selbst schon von Rechten verprügelt wurde. Sein bester Freund war dunkelhäutig, das habe manchen nicht gefallen. "Ich bin abends nach Hause gelaufen, da haben die mir aufgelauert." Sie prügelten ihn krankenhausreif.

Durch seinen Kumpel lernte er, wie das Leben in Deutschland ist, wenn man nicht deutsch aussieht. Durch seine Arbeit hat Scheeres zudem Einblicke, wie es etwa im Ankerzentrum in Schweinfurt aussieht. Die Lebensumstände dort seien nicht schön.

Kitaplätze sind rar

Neben seinen drei Steckenpferden kommt er als Vater auch mit Familienthemen in Berührung: "Wo ich mich massiv dagegen eingesetzt habe, war die Impfpflicht der Kinder." Mit Blick auf die Kleinen möchte er außerdem den ÖPNV ausbauen - um ihnen ein Stück Autonomie zu geben. Auch Kitaplätze sind für ihn ein Thema: "Im Prinzip müsstest du dein Kind schon bei der Geburt anmelden, um einen Kindergartenplatz zu bekommen."

In Sachen Klimawandel wünscht Scheeres sich eine bessere Förderung für Privathaushalte, sodass auf diese keine großen Kosten zukommen, wenn sie CO2 sparen wollen. Außerdem müssten wir als Gesellschaft unser Konsumverhalten ändern. Möglichkeiten wie E-Autos seien ein Teil der Lösung. Im Bildungssystem sieht Scheeres zu viel Druck und zu wenig Förderung der Talente der Kinder.

Steckbrief zum Linken-Kandidaten Claus Scheeres

Name (Partei): Claus Scheeres (Die Linke)

Geburtsdatum: 13. 01. 1988

Wohnort: Großwenkheim

Familienstand: Verheiratet, 3 Kinder

erlernter Beruf: Notfallsanitäter

Hobbys: Parteiarbeit, Unternehmungen mit den Kindern wie geocachen, schwimmen oder klettern

Bezahlte Posten außerhalb der Politik: Arbeit als Notfallsanitäter

Zehn Fragen an Claus Scheeres:

Sind Sie für oder gegen die Impfpflicht? Ich spreche mich definitiv gegen eine Impfpflicht aus. Das beinhaltet auch die passive Benachteiligung ungeimpfter Personen. Wir arbeiten leider gerade auf eine zwei Klassen-Gesellschaft hin und genau dieser Entwicklung müssen wir entgegenwirken.

Sind Sie für oder gegen das Tempolimit auf Autobahnen? Deutschland ist in Europa eines der letzten Länder ohne ein vorgeschriebenes Tempolimit auf Autobahnen. Meiner Meinung nach würde ein Tempolimit von beispielsweise 130 Km/h das Unfallrisiko auf deutschen Autobahnen noch weiter senken.

Sprache: gendern oder nicht? Gendern ja, aber in einem vernünftigen Maß. Allgemein bin ich beim Thema Gendern geteilter Meinung. Klar darf niemand benachteiligt werden, aber nun jedes einzelne Wort auf die Goldwaage zu legen halte ich für übertrieben.

Würden Sie privat Migranten aufnehmen? Im Moment wohne ich in einem Mehr-Generationen-Haus, in dem meine ganze Familie untergebracht ist. Wenn ich allerdings alleine wohnen würde, dann würde ich definitiv Flüchtlinge bei mir aufnehmen.

Was darf ein Kilo Schweinefleisch kosten? Maximal sechs Euro. Dieser Preis MUSS aber die artgerechte Haltung der Tiere gewährleisten und muss gleichzeitig auch noch von den Bürgerinnen und Bürgern bezahlbar sein. Das könnte man beispielsweise durch eine Dezentralisierung der Landwirtschaft erreichen.

Haben Sie jemals abgeschrieben? Ja, nicht nur einmal. Das Ein- oder andere Mal bin ich auch erwischt worden. Sehr zum Leidwesen meiner Eltern.

Wie hoch muss die monatliche Rente mindestens sein, um davon leben zu können? Ich denke eine Rente von mindestens 2000 Euro/Monat wäre das Mindeste. Dieser Betrag wäre auch durchaus machbar, wenn man das Budget anderer Bereiche kürzen würde. Wie dem des Verteidigungsbudgets beispielsweise.

Was darf ein Liter Benzin kosten? Maximal 1,40 Euro ist meiner Meinung nach angebracht. Wobei ich definitiv gegen eine CO2-Steuer bin. Wir sollten aber weitestgehend auf Alternativen wie E-Mobilität achten. Für Bürgerinnen und Bürger, die auf Verbrennungsmotoren angewiesen sind, muss der Sprit bezahlbar bleiben.

Sind Sie für oder gegen den Einsatz von Glyphosat? Ich bin gegen den Einsatz von Glyphosat. Selbst die WHO schließt eine Gesundheitsgefährdung durch Glyphosat nicht aus. Da sehe ich unsere Regierung in der Pflicht, die Forschung von Alternativen zu subventionieren.

Welches Auto fahren Sie privat? Privat fahre ich einen gebrauchten Opel Astra in grau. Ich könnte mir aber auch vorstellen, in Zukunft ein E-Auto zu fahren.