Das Kurparkresort soll endlich die Lücke schließen, welche die Schließung und der Abriss der Steigenberger-Kurhaushotels am Kurgarten gerissen haben. An den Plänen für das Hotel- und Wohnprojekt wird weiter gearbeitet. Am Mittwoch behandelte der Bad Kissinger Stadtrat das Vorhaben erneut. Weil der Betreiber des Betreuten Wohnens Änderungen am Zuschnitt der Wohnungen wünscht, muss die Verwaltung den Bebauungsplan für das Projekt überarbeiten und erneut öffentlich auslegen. Der Stadtrat hat das aber vorher zu genehmigen.

Was sich nach einer bürokratischen Formalie anhört, hatte es in der Diskussion gewaltig in sich; denn gleich mehrere Stadträte befürchteten, dass mit den Änderungen der Pflegebereich am Kurgarten Überhand nehmen und das Hotel bald keine Rolle mehr spielen könnte.

Zum Hintergrund: Das Kurparkresort besteht aus einem Hotel- sowie einem Wohnbereich. Das Hotel wird im Vier-Sterne oder Vier-Sterne-Superior-Standard angesiedelt. Auf 10 450 Quadratmetern sind 120 bis 140 Hotelzimmer und Suiten geplant, dazu sind Restaurant-, Tagungs-- und Konferenzbereiche sowie Fitness-, Wellness- und Therapieangebote vorgesehen. Beim Betreuten Wohnen waren bisher auf 6000 Quadratmetern 40 bis 50 Wohneinheiten angedacht, plus 1000 Quadratmeter für Tagespflege.

Für das Betreute Wohnen am Kurgarten ist die advita Pflegedienst GmbH zuständig. Advita zählt laut dem Fachportal Pflegemarkt.com zu den größten Pflegedienstbetreibern in Deutschland. Im Sommer hat die französische DomusVi-Gruppe, mit 36 000 Pflegeplätzen der drittgrößte Pflegeanbieter in Europa, die advita Gruppe übernommen, um nach Deutschland zu expandieren.

Die advita Pflegedienst GmbH will nach dem Eigentümerwechsel nach Angaben der Verwaltung den Zuschnitt der Wohnungen im Kurparkresort anpassen. Bislang waren laut Bauamtsleiterin Christine Schwind unterschiedlich große Wohnungen vorgesehen. Kleinere, bezahlbarere und vor allem leichter zu bewirtschaftende Wohnungen seien aber stärker nachgefragt. Deshalb sollen die Mehrzimmerwohnungen in kleinere Apartments unterteilt werden. Statt bisher 40 bis 50 plant der Pflegebetreiber künftig mit 70 bis 80 Wohnungen sowie neu auch mit einer separaten Küche für das Betreute Wohnen.

Oberbürgermeister Dirk Vogel erläuterte: "Es werden kleinere Wohnungen und mehr Zimmer, aber die Wohnfläche bleibt gleich." Die Geschossfläche für das Betreute Wohnen reduziert sich in der neuen Planung sogar auf 5600 Quadratmeter. Am Hotelprojekt ergeben sich dadurch keine Änderungen.

Kritik: Pflegebereich wird zu dominant

Die Änderungswünsche stießen im Stadtrat fraktionsübergreifend auf Kritik. Besonders vehement sprach sich die CSU dagegen aus. Deren Fraktionsvorsitzender Steffen Hörtler erinnerte daran, dass er bei der ersten Beratung im April 2020 gegen das Vorhaben gestimmt hatte, weil er Betreutes Wohnen am Kurgarten ablehnte. Er habe das Projekt danach positiv begleitet, weil er die Mehrheitsmeinung des Stadtrates akzeptiere. Nun verdopple sich jedoch die Zahl der Menschen, die dort gepflegt würden. "Diese Entwicklung bereitet mir Sorge. Dort entsteht ein größeres Pflegeheim, als es 2020 hieß. Ich halte es für falsch, dass so eine große Pflegeeinrichtung an diese exponierte Stelle kommt", schimpfte er.

Klaus Werner (Grüne) kritisierte, dass die Ausrichtung sich von einem hochwertigen Seniorenwohnen wegbewege und sich stärker Richtung Pflege zuwende. Martina Greubel (DBK) äußerte sich skeptisch, welche Handhabe die Stadt hat, wenn der Investor nur die Wohnungen baut und das Hotel nicht realisiert.

2. Bürgermeister Toni Schick (DBK) verteidigte das Betreute Wohnen, weil der Investor die Wohnungen brauche, um das Hotel zu finanzieren. Die Entwicklung zu kleineren Wohnungen sah er aber ebenfalls kritisch: 40 größere Wohnungen, in denen fitte Senioren leben, wären besser aus Sicht des Einzelhandels und der Gastronomie, als stärker pflegebedürftige Menschen. "Das müssen wir mit einer Träne im Knopfloch feststellen", sagte Schick.

"In einigen Jahren wird das keinen mehr interessieren, wenn wir es schaffen, ein Symbol der Modernisierung Bad Kissingens an dieser Stelle zu errichten", erwiderte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) auf Hörtlers Kritik. Die Stadt könne froh sein, dass an der Realisierung des Hotelprojekts gearbeitet wird. Wie das Betreute Wohnen ausgestaltet wird, ist eine freie unternehmerische Entscheidung, auf die der Eigentümer besteht. "Ein Hotelneubau ist keine triviale Sache. Die Einstellung von Banken zu Hotels ist in der Nach-Corona-Phase nicht gut", betonte Vogel. Wie schwer es der Branche fällt, Vorhaben zu finanzieren, habe Bad Kissingen beim Rückzug des Thermenhotel-Investors vor kurzem erst zu spüren bekommen.

Emotionale Entgegnung vom Alt-OB

Alt-Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) reagierte mit einem emotionalen Ausbruch. "Ich bin fast entstetzt", rief er den Kritikern zu. Seit 2010 werde eine Hotelnachfolge am Kurgarten gefordert. Kurz vor dem Baustart dürfe das Vorhaben nicht vom Stadtrat schlechtgeredet werden. "Wir haben hier einen Investor, der in einer Zeit, in der durch Corona der Tourismus am Boden liegt, Millionen nach Bad Kissingen bringt; der sich unseren Regularien unterwirft und der sich einen Fassadenwettbewerb leistet", sagte Blankenburg.

In Bezug auf die Zimmeranzahl werde das neue Hotel sogar noch größer als das vorherige Kurhaushotel. Der Investor habe beim Kauf des Grundstücks einen Vertrag mit dem Freistaat geschlossen, in der das Hotelvorhaben festgehalten ist. Zudem muss der Investor auch einen Durchführungsvertrag mit der Stadt abschließen. Blankenburg sieht Bad Kissingen gut abgesichert. "Ich glaube, dass wir dort ein sehr gutes Hotel bekommen, wenn wir es nicht in letzter Sekunde versemmeln", sagte Blankenburg. Der Stadtrat stimmte den Änderungswünschen letztlich mit großer Mehrheit, bei 22:4 Stimmen zu. Die Gegenstimmen kamen von der Fraktionsgemeinschaft CSU und Zukunft Bad Kissingen.

Laut Bauamtsleiterin Christine Schwind wird die erneute Öffentlichkeitsbeteiligung bis Mitte November laufen, der Durchführungsvertrag soll bis Dezember unter Dach und Fach sein. Das Bauamt rechnet mit einer zeitnahen Vorlage des Bauantrages, ein Baubeginn Anfang 2022 ist damit formell möglich.