Am Wochenende meldete sich ein Hammelburger bei der örtlichen Polizeiinspektion. Er hatte zuvor mit seinen Kindern am Saaleufer gespielt und baute dabei kleine Dämme aus Steinen ins seichte Wasser. Dabei fand er laut Polizei einen Gegenstand, den er als Sprengkörper erkannte und vor Schreck wegwarf.

Die Polizei sperrte daraufhin den Fußweg oberhalb der betreffenden Böschung am Ortseingang des Stadtteiles Untereschenbach. Außerdem blockierte sie die Saale mit Absperrbändern unterhalb der Bootsanlegestelle am Kellereischloss, um keine Bootsfahrer in den gefährdeten Bereich flussabwärts einfahren zu lassen.

Amerikanische Handgranate bei Hammelburg gefunden - Saale wurde gesperrt

Um den fraglichen Gegenstand zu orten, schaltete die Stadt Hammelburg eine Fachfirma für das Aufspüren von Kampfmitteln (Warburg) ein. Es dauerte kaum eine Viertelstunde, bis der angereiste Experte mit seiner Metallsonde Erfolg hatte. Bei dem Fundstück handelte sich um eine amerikanische Handgranate vom Typ MK II aus dem Zweiten Weltkrieg.

Durch die Strömung der Saale an dieser Stelle war die Granate offenbar nach dem Wurf des Finders aus dem tieferen Flussbett in den knöcheltiefen Randbereich unmittelbar daneben getrieben worden.

Zur Entschärfung des Fundes verständigte der Experte den Kampfmittelräumdienst in Nürnberg. Anrückende Mitarbeiter sahen wenig später alle Sorgen bestätigt. Angesichts des Gefährdungspotentials entschieden die Experten, den stark verrosteten Sprengkörper vor Ort zu sprengen.

Dazu verfrachtete ihn das Team in die Saale zurück. Denn Wasser dämpft die Splitterwirkung. Um die Granate unschädlich zu machen, legten Fachleute eine Sprengladung an. Gezielt jagten sie die Granate damit in die Luft. Wegen der zu erwartenden Detonation sperrte die Polizei zuvor die Bundesstraße 27 zwischen Hammelburg und Karlstadt an der Lagerkreuzung auf Höhe der Ortseinfahrt Untereschenbach von der Hainbuche her kommend.

Granate wird gesprengt: Bundesstraße 27 gesperrt

Die Explosion sei schon recht gewaltig gewesen, schildert Dritter Bürgermeister Christian Fenn auf Nachfrage dieser Redaktion seinen Eindruck. Er verfolgte das Ereignis aus sicherer Entfernung vom anderen Ufer aus in den Saalewiesen. Fenn sprach von einer fünf bis sechs Meter hohen Wasserfontäne nach der Detonation. Gegen 14 Uhr konnten die Bundesstraße und der Bootsverkehr auf der Saale wieder freigegeben werden.

"Der Vater kann den Fundtag mit seiner Familie im Kalender dick ankreuzen", bringt ein Experte des Sprengkommandos das Risiko des Fundes auf den Punkt. Will sagen, er hatte großes Glück, dass nichts passierte. Zwar sei der Umgang mit alten Weltkriegs-Handgranaten beim Sprengkommando in Nürnberg fast schon Tagesgeschäft. Aber ein gefährliches allemal. Denn bei solch alten Granaten gammeln unter freiem Himmel schon mal Sicherungskomponenten weg. Möglicherweise sei der Sicherungsstift bereits von einem Soldaten gezogen worden und die Granate habe dann nicht gezündet.

Handgranaten werden eingesetzt, um in Wurfentfernung zum Beispiel bei Grabenkämpfen mit geringer Bewegungsfähigkeit aus der Deckung Ziele zu bekämpfen. Tödliche Wirkung hat ein Splittermantel um die Sprengladung. Das jetzt gesprengte Exemplar MK II hatte bei der US-Armee den Spitznamen Ananas.

Bei einer Pressekonferenz hatte Innenminister Joachim Hermann am Dienstag über den Kampfmittelbeseitigungsdienst 2019 in Bayern berichtet. Mit rund 230 Tonnen Kampfmitteln wurden über 110 Tonnen mehr beseitigt als im Vorjahr. Darunter waren mehr als 100 Blindgänger alliierter Spreng- und Splitterbomben", so der Minister. Bei sogenannten Zufallsfunden mahnte Herrmann zu besonderer Vorsicht: "Gehen Sie kein Risiko ein! Fassen Sie Kampfmittel keinesfalls an und lassen Sie den verdächtigen Gegenstand in der vorgefundenen Lage. Verständigen Sie sofort die Polizei."

Im Sommer 2004 waren bei Baggerarbeiten an der Ortseinfahrt von Obereschenbach wohl als Überbleibsel einer Wehrmachtsstellung aus dem Zweiten Weltkrieg etliche Waffen und Munition gefunden worden. Wolfgang Dünnebier