Das neue Zelt-Schullandheim in der Klosteranlage war im Herbst 2018 gerade mal im Aufbau, als schon die ersten Jugendgruppen buchten. Ein Beleg dafür, dass das Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW) mit der Idee, jungen Menschen in einem Schullandheim unter freiem Himmel bei der Erweiterung ihrer sozialen, kulturellen und religiösen Kompetenzen Unterstützung anzubieten, auf dem richtigen Weg ist.

2019 wurde der idyllisch in der Klosteranlage eingebettete Zeltplatz für Schulklassen, Ministranten-, Firmlings-, Pfadfinder- und Ferienzeltlager-Gruppen eröffnet. Das Dominikus-Ringeisen-Werk investierte für das neue Zeltschullandheim gut 190 000 Euro. Die EU steuerte davon rund 100 000 Euro bei.

Doch die Anfangseuphorie bekam durch den Ausbruch der Corona-Pandemie erst mal einen ordentlichen Dämpfer. Die Verantwortlichen blieben aber am Ball. Kleine Besuchergruppen durften dennoch in diesem Sommer kommen, allerdings unter Einhaltung strenger Hygiene-Auflagen.

Was die Buchungen angeht, sei die Saison 2020 sehr vielversprechend angelaufen, sagt Pressesprecher Matthias Guck. Doch als Covid-19 im ersten Quartal dieses Jahres Thema wurde, hätten etliche große Gäste-Gruppen ihre Aufenthalte nach 2021 verschieben wollen. "Das war auch für uns kein Problem." Ein paar Gäste kamen dann aber doch nach Maria Bildhausen, um das Zelt-Schullandheim zu testen, sagt Guck.

Es waren Gruppen mit zehn bis 20 Personen - in erster Linie Jugendgruppenleiter, Referenten, Organisationsmanager. Es handelte sich allesamt um Personen, die in der Jugendarbeit tätig sind und mal einen "Probelauf" machen wollten, sagt der Pressesprecher. Zwei Gruppen waren da, weitere kommen noch.

Insgesamt kommen die Anfragen, laut Guck, aus ganz Unterfranken. Es sind Verantwortliche aus der Jugendarbeit, die die Einrichtung in Maria Bildhausen kennenlernen und hier schauen wollen, inwiefern sie später mit größeren Jugendgruppen vielleicht hierher zurückkommen. Gebucht werden können Aufenthalte im Zelt-Schullandheim von April bis Oktober.

Angeboten werden für die Gäste dann bestimmte Module, wie zum Beispiel ein Besuch am Lehrbienenstand (Umwelt, Natur), eine Exkursion zum Leben der Zisterzienser (Geschichte) oder das Entdecken des Klosterlebens auf Zeit und des Euthanasie-Mahnmals (Ethik).

Wichtige Erkenntnisse sammeln

Im Mittelpunkt steht das Ziel, dass Kinder und Jugendliche in Maria Bildhausen Menschen mit Behinderung treffen können. Sie sollen sehen, wie sie leben und arbeiten, und erkennen, dass sie, neben ihren Handicaps, auch Stärken haben. Natürlich sei dieses Bildungsziel im Zelt-Schullandheim, zu Pandemie-Zeiten, nur bedingt umzusetzen, sagt Guck, denn die Klienten sollen vor möglichen Ansteckungen durch Gäste geschützt werden. Später sei aber geplant, dass die Bewohner des Klosters dann auch an Veranstaltungen der Besucher teilnehmen und beispielsweise abends mit ihnen auf dem Zeltplatz ums Lagerfeuer sitzen, so Guck weiter.

Er selbst habe ebenfalls schon auf dem Zeltplatz übernachtet und an einer interessanten Nachtwanderung teilgenommen. "Man spürt den historischen Zeitgeist jener Zeit, wenn man sich auf dem Gelände bewegt und die Geschichte erforscht", sagt der Pressesprecher.

Auch die Bewohner von Maria Bildhausen selbst haben 2020 schon gezeltet. Man habe in der Corona-Zeit für etwas Abwechslung sorgen müssen, sagt Guck.

Ein tolles Ferienprogramm, das vom Förderverein mit 1500 Euro unterstützt wurde, sorgte zudem für Freude bei den Klienten. Da gab es beispielsweise einen Grillabend mit Cocktails to go und Live-Musik auf den Balkonen und Terrassen, eine Artistik-Show mit der Gruppe Firlefanz in den Innenhöfen - und auch der Rhöner-Zuckerbäcker kam und teilte seine Köstlichkeiten aus.

Seit 14. August 2020 ist nun der Gasthof erst mal am Wochenende wieder geöffnet. Auch einige Klienten seien, geschützt hinter der Theke, wieder mit von der Partie, sagt Guck. "Wir wollen versuchen, erneut in den Alltag einzutauchen." Mit der schrittweisen Öffnung des Gasthofs versuche man zunächst zu erproben, was für die Bewohner möglich ist. Klar, dass nun eine gewisse Aufbruchstimmung herrscht. "Alle freuen sich, wieder Leben zu spüren." Isolde Krapf