Kaum zu glauben, aber wahr: Die Getreideernte hat schon begonnen. Am Sonntag drehte einer der ersten Mähdrescher im Landkreis in der gleißenden Mittagssonne auf einem Feld zwischen Burghausen und Haard seine Runden. "Wir sind etwa drei Wochen früher dran", sagt Volker Schmitt vom Valentinshof in Münnerstadt.
Aus der Ferne sieht man unweit der Windräder bei Burghausen zunächst nur eine riesige Staubwolke aufsteigen. Dann wird bei näherem Hinsehen klar, dass es sich um eine riesige Erntemaschine handelt, die sich gerade, inmitten einer dichten Staubwolke, mit dem Balkenmesser-Schneidwerk auf einem Gerstenfeld ihr Durchkommen verschafft. Dabei dreht sich die Haspel bedächtig um die eigene Achse und richtet immer wieder neu Getreidehalme aus. Siebeneinhalb Hektar hat Mario Höche (Burglauer), der Mann hinter dem Steuer, an diesem Tag als Pensum vor sich. Der Zuschauer ahnt: Obwohl die Getreideernte heutzutage vollautomatisch abläuft, dürfte das stundenlange Steuern des Harvesters schweißtreibend sein.
Lange ist's her, dass während des Frühjahrs schon einmal solch hochsommerliche Temperaturen herrschten. Landwirt Schmitt, dem das Feld bei Burghausen gehört, erinnert sich ans Jahr 1992. Damals sei das Getreide auch recht früh im Jahr gedroschen worden. "Aber es war längst nicht so heiß." Von den Eltern weiß der 52-Jährige jedoch, dass im Jahr 1976 schon einmal ähnliche Wetterverhältnisse wie jetzt zu einer Ernte Anfang Juli geführt hatten. 1#googleAds#100x100
Für alle Urlauber ist der Sommer 2018 zwar ein absoluter Traum. Landwirte empfinden die heiße Witterung, die zur Zeit herrscht, jedoch als Alptraum. Denn es fehlt der Regen, der das Korn ausreifen hilft. Das Getreide kann deshalb wichtige Nährstoffe nicht vollständig einlagern, erklärt Schmitt den mangelnden Reifegrad.
Die Körner seien dieses Jahr dann kleiner. "Wir nennen das Schrumpfkörner." Dadurch werde das Naturalgewicht des Getreides insgesamt gemindert. Aber dennoch muss die Gerste jetzt geerntet werden. "Die Pflanze reift ab, ist notreif."


Hoffen auf Regen

Was jetzt für die Gerste gilt, befürchtet Schmitt auch für den Weizen. "Noch wissen wir es nicht ganz genau." Aber wenn es weiterhin so trocken bleibt, werde auch der Eiweißgehalt im Weizenkorn nicht ganz ausgebildet werden können, sagt der Landwirt. Da bleibt nur die Hoffnung auf baldigen Regen.
Die meisten deutschen Landwirte werden sich 2018 mit Ertragseinbußen zwischen Null und 80 Prozent abfinden müssen, glaubt der Münnerstädter. Wie groß der faktische und finanzielle Ausfall ist, hänge jedoch davon ab, in welcher Region des Landes, oder auch des Landkreises, sich die Felder befinden. "Es gibt Gebiete, wo es in jüngster Zeit öfter regnete oder auch zu größeren Gewittern kam. Dort wird der Ertrag besser sein." ikr