Die meisten Ackerflächen im Großwenkheimer Flurstück Dornbusch sind abgeerntet. Das macht den Unterschied noch deutlicher. Die 1,6 Hektar große Blühfläche mit der Wildsaatmischung der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau aus Veitshöchheim wirkt trotz der akuten Dürre wie eine grüne Insel in dem Einheitsbraun. Groß und satt stehen dort alle möglichen Pflanzen wie Rainfarn oder Stockrosen, die nach der Ernte in einer Biogasanlage verwertet werden.
Beeindruckt zeigen sich die Vorstandsmitglieder des Landesverbandes des Bund Naturschutz (BN) mit Richard Mergner an der Spitze und Hubert Weiger von der bundesweiten Organisation BUND, die sich auf einer zweitägigen Infofahrt durch die Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen befinden, die sie zu "Orten zentraler Erfolge" führt.


Eine Bereicherung für die Feldflur

Der Erfolg in Sachen Wildpflanzenprojekt ist aber auch auf das Bündnis der Naturschützer mit dem Bauernverband zurückzuführen, die sich, weiß Gott, nicht immer grün sind. Weiger sieht in dem Projekt einen Weg aus der "Maisfalle", das die Feldflur bereichere und eine Chance für Naturschutz und Landwirtschaft bedeute.


50 Hektar mit Blühfeldern

Bislang wird nämlich in anderen Landesteilen Bayerns vor allem Mais zur Energiegewinnung angebaut. Bis zu 1000 Euro Pacht pro Hektar werde mittlerweile verlangt, so Weiger bei der Veranstaltung, an der auch Vertreter der Biogasbranche teilnahmen. Deutlich machte Weiger aber auch, dass es nicht darum gehe, den Mais als Energiepflanze völlig zu ersetzen, sondern um ein Zusatzangebot zu installieren.
Das Modell hat nur einen Haken. Mit den Wildpflanzen lassen sich nicht so hohe Biomasseerträge erwirtschaften wie mit Maisanbau. Mit rund 400 Euro Zuschuss pro Hektar bezifferte BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel den Bedarf, der durch den Zusammenschluss von BN, Vogelschützern, Imkern, der Regierung von Unterfranken und der Grabfeldallianz erst einmal gedeckt wird.
Aktuell werden 50 Hektar mit der von Kornelia Marzini von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim über Jahre hinweg entwickelten Saatmischung bestückt. Die jährliche Fördersumme beträgt rund 30 000 Euro.
Geld, das nicht auf Dauer von den aktuellen Gebern aufgebracht werden kann. Doch so recht scheint das Projekt nicht für die gängigen staatlichen Fördertöpfe geeignet, wie auf dem Treffen von verschiedener Seite festgestellt wurde. BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler sieht noch am ehesten Chancen im Vertragsnaturschutz. Deshalb soll die Politik jetzt stärker in die Pflicht genommen werden. Köhler regte an, noch vor der Landtagswahl in der Region ein Forum mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Marcel Huber zu veranstalten, um das Thema zu erörtern.
Landrat Thomas Habermann freute sich über die gute Kooperation und wünschte sich eine starke Lobby für die Blühflächen. "Wenn alle sagen, da wollen wir mehr, wird es auch zusätzliches Geld geben", betonte er.


Wichtiger Naturschutz

Umwelt- und Naturschutz seien der Bevölkerung in Bayern und Deutschland wichtiger, als viele glauben würden. Ein absoluter Gewinn sind die Blühflächen schon jetzt für Vögel und Insekten. Allein 50 der im hiesigen Bereich aktiven 150 Bienenarten hat der BN-Artenexperte Klaus Mandery aus Ebern im Laufe der Monate auf dem Pflanzenacker entdeckt.
Ornithologe Karl Schwarz aus Poppenlauer stellte beispielsweise fest, dass hier etwa der Sumpfrohrsänger und die Dorngrasmücke gebrütet haben.
"Ich bin froh und ein wenig stolz", sagte Kreisbäuerin Margit Ziegler aus Großbardorf, der auch die Fläche in der Großwenkheimer Dornbusch-Flur gehört. Auch habe es viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung gegeben. Spaziergänger hätten sie schon gefragt, ob sie sich einen Blumenstrauß aus dem Wildpflanzenfeld pflücken dürfen.